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Ostholstein Das große Schlüpfen
Lokales Ostholstein Das große Schlüpfen
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10:06 06.03.2016
Bereits nach wenigen Stunden sind die Küken getrocknet und so flauschig wie im Bilderbuch. Quelle: Fotos: Astrid Jabs

Das kleine Küken ist auf einem guten Weg — die Eierschale ist bereits durchbrochen, der Schnabel schon zu erkennen: „Jetzt muss sich das Küken drehen und dabei die Schale ganz öffnen“, erklärt Silke Nürnberg, die das Hühnerei in den Händen hält.

Behutsam hilft sie nach, damit zu sehen ist, was sonst hinter den Holztüren der Brutschränke in der Brüterei Jessen in Holstendorf (Gemeinde Ahrensbök) verborgen bleibt: Die Geburt eines Huhnes, so wie sie in der Saison von März bis Mai tausendfach abläuft.

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Bereits nach wenigen Stunden sind die Küken getrocknet und so flauschig wie im Bilderbuch.

Es ist nicht weniger als ein kleines Wunder, auch wenn es mit nüchternen Worten zu beschreiben ist: 21 Tage muss gebrütet werden, dann sind die Nährstoffe im Ei aufgebraucht und das Küken ist so groß, dass mit dem pulsierenden Herzschlag der Eizahn auf dem Schnabel gegen die Schale gedrückt wird, bis diese bricht. Mit der Drehung verschafft sich das Tierchen dann einen Ausgang und befreit sich schließlich vom Rest der bis dato schützenden Hülle. Noch sind die Federn nass und verklebt, aber in der Schublade des Brutschrankes tummeln sich bereits die älteren Geschwister und geben einen Ausblick in die Zukunft einige Stunden später: Das Federkleid trocknet, im Getümmel wird die Schutzschicht auf den einzelnen Daunen abgerieben und zum „Kükenstaub“, der nach dem Auszug der Kleinen entfernt werden muss: „Wir brüten hier nur Nestflüchter aus“, sagt Silke Nürnberg.

Das heißt, dass die Kunden den gefiederten Nachwuchs einen Tag nach dem Schlüpfen abholen können. Im Wesentlichen sind es Rassegeflügelzüchter und Landwirte sowie Hobby-Hühnerhalter, die einige Tiere zur Selbstversorgung laufen lassen. Dafür, dass am Ende nichts durcheinander geht, sorgt Silke Nürnberg mit akribischer Ordnung: Jedes Ei wird bei Lieferung beschriftet, steht der Schlüpftag an, werden die Eier nach Herkunft in die Schubladen sortiert. Eine Woche, nachdem sie in den Brutschrank eingelegt worden sind, prüft Nürnberg, ob die Eier befruchtet sind. Dafür durchleuchtet sie die Schale. Eier, in denen kein Embryo wächst, werden entnommen. In den massiven Schränken, Marke Eigenbau und viele Jahrzehnte alt, herrscht konstant Körpertemperatur. Dabei ist es wichtig, dass die Wärme zirkuliert, damit die Eier gleichmäßig bebrütet werden. Um die notwendige Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten, steht eine Schale mit Wasser in den Maschinen. So verkleben die Küken nicht mit der Eischale. „Die Glucke läuft dafür durch das feuchte Gras und setzt sich dann wieder auf das Gelege, Wasservögel wie Enten und Gänse kommen mit nassem Gefieder vom Schwimmen und brüten dann weiter“, erzählt Silke Nürnberg. „Wir machen also alles, was in der Natur die Vögel tun“, fügt sie hinzu. Dazu gehört auch, die Eier alle sechs Stunden per Hand zu drehen.

Wenn in der Hochzeit 1000 Eier an einem Tag angeliefert werden, Kunden zu betreuen und Eier und Küken zu versorgen sind, herrscht reichlich Betrieb. Dass die Saison jetzt beginnt, hat praktische Gründe, wie die maschinelle Brüterei generell: „Noch sitzen die Glucken nicht, es ist zu kalt draußen. Wer aber mit seinen Tieren im Herbst auf die Zuchtschauen möchte, braucht den Nachwuchs jetzt“, erzählt Nürnberg. Außerdem können deutlich mehr Eier in einem Zug ausgebrütet werden, so dass man mit einem Mal die gewünschte Schar an Jungtieren hat.

Denjenigen, die ein Tier suchen, das schon einen Schritt weiter ist, öffnet Silke Nürnberg gern die Tür zum Stall im Obstgarten, wo Hühner zum Verkauf angeboten werden — nicht die eigene Brut, aber ebenso sorgfältig gepflegt wie die Winzlinge.

Brüterei in 3. Generation

Die Anfänge der Brüterei Jessen liegen in den 1930er-Jahren: „Mein Opa hat begonnen, zusätzlich zum Lebensmittelgeschäft und dem Verkauf von Geflügel die Lohnbrüterei aufzubauen“, erzählt Silke Nürnberg. Der Sohn übernimmt, die kleine Silke wächst mit dem Brutbetrieb auf. Als ihr Vater vor zwei Jahren überraschend stirbt, bleibt für langes Überlegen keine Zeit: „Ich musste weitermachen, die Eier lagen in den Brutschränken.“ Sie mag ihre „bereichernde Tätigkeit“. Neben Hühnereiern nimmt Nürnberg auch Gänse-, Enten- und Wachteleier an.

• Ein Video vom Schlüpfen eines Seidenhuhns steht unter www.ln-online.de/video

Von Astrid Jabs

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