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Ostholstein Das wird ’ne teure Tasse Tee
Lokales Ostholstein Das wird ’ne teure Tasse Tee
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17:09 20.10.2017
Quelle: Sabine Latzel
Timmendorfer Strand

Es gibt wohl kein anderes Projekt, über das in Timmendorfer Strand so heftig gestritten worden ist wie über das Teehaus auf der Seeschlösschen-Brücke. Deshalb fällt es dem an der Kommunalpolitik interessierten Bürger auch besonders ins Auge, wenn das Thema auf die Tagesordnungen zurückkehrt, und das war in den vergangenen Monaten mehrfach der Fall. Für den nichtöffentlichen Teil, meist im Tourismusausschuss, fanden sich Stichworte wie „Rechtsstreitigkeiten“, „weiteres Vorgehen der Verwaltung“ und „Zustand Teehaus/Gutachten“ – alles vortrefflich geeignet, die Gerüchteküche erneut anzuheizen.

Die Glasfront des Timmendorfer Teehauses ist undicht: Das hat nach Angaben der Bürgermeisterin ein Gutachten ergeben. Für den Austausch der Fenster plant die Gemeinde vorsorglich 800000 Euro ein – will sich das Geld aber auf juristischem Wege zurückholen.

„Die Gemeinde wird kein halbfertiges Gebäude mehr übernehmen", Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD). 

Tatsächlich gibt es Probleme, erklärt Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD), und zwar mit den Glasfronten des Teehauses. Die bieten zwar einen weiten Blick über das Meer, sind aber offenbar nicht dicht.

„Die Scheibenanlage entspricht, was die Dichtigkeit angeht, nicht den Din-Normen“, sagt Kara. Das habe ein Gutachten ergeben, und deswegen herrsche im Teehaus mitunter Windzug, und bei starkem Regen könne Feuchtigkeit eindringen. Für einen möglichen Austausch der Riesen-Fenster würden deshalb vorsorglich 800000 Euro in den Wirtschaftplan 2018 der Gemeinde gestellt.

Was nicht zwangsläufig heißt, dass die Gemeinde am Ende auch noch diese Summe in das auffällige Gebäude stecken muss. Zum einen müsse laut Bürgermeisterin erst einmal die Politik über die Baumaßnahme entscheiden. Zum anderen laufe parallel die rechtliche Auseinandersetzung mit dem Architekten und Baufirmen, um zu klären, wer letztlich für den Baumangel aufkommen muss.

Damit wird ein weiteres Kapitel der sehr, sehr langen Teehaus-Geschichte aufgeschlagen, die ihren Anfang 2009 mit der ersten Vorstellung dieses Projektes nahm. Bürgerentscheid, Querelen um Vertragsinhalte, eine Klage gegen die Gemeinde, heftige Streitigkeiten in den Ausschüssen und in der Gemeindevertretung, zwischenzeitlicher Baustopp: Langweilig wurde es nicht. Bislang hat die Gemeinde 2,4 Millionen Euro für den Bau der Seeschlösschen-Brücke und 900000 Euro für das Teehaus gezahlt. Der Hamburger Mäzen Jürgen Hunke steuerte eine Million Euro bei, außerdem hieß es anlässlich der Eröffnung im Juli 2014 seitens des Pächter-Unternehmens, die Pierhouse Betriebsgesellschaft habe eine weitere Million Euro in den Innenausbau investiert.

Mit Blick auf all die Komplikationen – wäre Bürgermeisterin Kara froh, wenn das Teehaus nie gebaut worden wäre? „Nein, so sehe ich das nicht“, sagt sie. Schließlich sei es ein Sonderbau, „der Hingucker überhaupt“ und das meistfotografierte Gebäude Timmendorfs. „Ein einmaliges Projekt in einmaliger Lage“, findet auch Gesine Muus, Leiterin des Kurbetriebes. „Aber wir haben daraus gelernt, dass die Gemeinde kein halbfertiges Gebäude mehr übernehmen wird“, sagt Kara. Das war beim Teehaus der Fall, und damit habe die Gemeinde einige bereits geschlossene Verträge beziehungsweise vergebene Aufträge übernehmen müssen, „darunter auch den Glasbau“. Wegen der Baumängel musste die Jahrespacht für dieses Jahr von 84000 Euro auf 54000 Euro herabgesetzt werden. Mit dieser Mindereinnahme wird die Gemeinde auch 2018 kalkulieren müssen.

Kostensteigerung soll geklärt werden

Der Fischereihof Hemmelsdorf tauchte in den vergangenen Monaten ebenfalls häufiger als Tagesordnungspunkt nichtöffentlicher Beratungen auf – wegen der „Klärung der Kostenfrage“:

Das Projekt war mit 2,75 Millionen Euro angesetzt worden, wobei 750000 Euro als Fördermittel von der Aktivregion kamen. Am Ende hat der Fischereihof aber 4,6

Millionen Euro gekostet. „Jetzt wird ermittelt, wie es dazu kommen konnte, sprich: Warum ist das so teuer geworden?“, sagt Kara. Sämtliche Baumaßnahmen seien aber abgeschlossen, deswegen könne 2018 auch die volle Pacht erhoben werden.

 Sabine Latzel

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