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Ostholstein Dauerbrenner Beltquerung in der Diskussion
Lokales Ostholstein Dauerbrenner Beltquerung in der Diskussion
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21:21 09.12.2015
Voller Saal: Den Fragen stellten sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn (v. l.), Manuela Herbort, Konzernbevollmächtigte der Bahn, Bernd Homfeldt, Projektleiter für die Schienenanbindung. Quelle: pet

Bettina Hagedorn hat gepokert — und gewonnen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete aus Ostholstein hat in der Großen Koalition durchgesetzt, dass an der geplanten Bahntrasse zur Anbindung des Fehmarnbelttunnels zusätzlicher Lärmschutz möglich wird. Was die Union beim Ausbau der Rheintalbahn in Offenburg, dem Wahlkreis von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), finanzieren will, nämlich Entlastung der lärmgeplagten Anrainer über das vorgeschriebene Maß hinaus, das soll auch für andere transeuropäische Güterverkehrsachsen wie die Belt-Verbindung gelten.

Am Dienstag konnte Hagedorn mit der guten Nachricht aufwarten — kurz bevor sie am Abend zu einer Diskussionsveranstaltung mit Bahnvertretern über das umstrittene Großprojekt eingeladen hatte.

„Wir haben einen Punkt gesetzt, der beispielgebend für Deutschland ist“, freute sich die SPD-Politikerin vor den rund 100 Gästen im vollbesetzten Kursaal von Scharbeutz. Ihren Lärmschutz-Einsatz wollte die Abgeordnete jedoch keinesfalls als Friedensschluss verstanden wissen. Sie kämpfe weiter gegen das Milliardenprojekt, wolle aber das Beste herausholen, sollte der Kampf erfolglos bleiben.

„Ich bleibe bekennende Beltquerungsgegnerin“, versicherte Hagedorn.

Steigende Kosten, verschobene Termine, niedrigere EU-Zuschüsse, ein langwieriges Planfeststellungsverfahren — für die Abgeordnete sind die Chancen, das von Dänemark gepushte Jahrhundert-Bauwerk samt Anbindung noch zu kippen, gestiegen. Im Publikum, in dem viele Vertreter der Bürgerinitiativen saßen, kam das besser an als das mögliche Plus an Lärmschutz. Gefeiert wurde etwa Hajo Nötzel, Beltretter und BI-Sprecher aus Neukirchen. Lärmschutz sei kein Gnadenakt, er werde aus Steuergeldern bezahlt. Nötzel: „Der Bund nimmt aus unserer Tasche Geld, damit es uns in Zukunft schlechter geht.“ Viel Beifall erntete auch Bodo Gehrcke aus Roge, ebenfalls BI-Aktivist. Wenn die Latte immer höher gelegt werde, wie jetzt beim Lärmschutz, sei das doch ein weiterer Grund, auf das Projekt ganz zu verzichten. Gehrcke: „Fortschritt kann auch darin bestehen, dass man auf etwas verzichtet.“

Manuela Herbort, Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn, und Bernd Homfeldt, Projektleiter für die Schienenanbindung, machten deutlich, dass Lärmschutz nicht an der Bahn scheitern werde. „Was möglich ist und was der Bund in der Lage ist, zu finanzieren, das setzen wir auch sehr gerne um“, beteuerte Herbort. Überhaupt plane die Bahn im Auftrag des Bundes und nach Vorgaben des Landes. „Wir bauen so, wie es uns das Raumordnungsverfahren des Landes in die Bücher geschrieben hat. Das ist nun die raumverträglichste Trasse“, hielt Herbort der Kritik entgegen.

Die kam etwa aus Haffkrug, wo man einen Verlauf der Neubautrasse westlich der A 1 fordert. Homfeldt sieht dafür keine Chance, weil ein nach EU-Recht besonders geschütztes FFH-Gebiet betroffen wäre.

„Da kommt man nicht durch, wenn es eine Alternative gibt.“ Homfeldt ging auch auf die Frage einer Hochgeschwindigkeitstrasse ein. Aktuell werde für Tempo 160 geplant. Tempo 200 brächte auf den 55 Kilometern Neubautrasse einen Zeitvorteil von zwei bis drei Minuten. Wie das in die Fahrpläne an den Knoten Lübeck, Hamburg und Kopenhagen passe, werde geprüft. Am Ende entscheide der Bund. Sollten alle Bahnübergänge durch Brücken ersetzt werden, wären 70 bis 80 erforderlich. An 13 Brücken müssten sich die Gemeinden mit einem Drittel der Kosten beteiligen, die sie sich vom Land zu 75 Prozent wiederholen könnten.

„Der Bund nimmt aus unserer Tasche Geld, damit es uns schlechter geht.“
Hajo Nötzel, Beltretter

Arnold Petersen

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