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Ostholstein „De lustigen Wagrier“ lösen sich auf
Lokales Ostholstein „De lustigen Wagrier“ lösen sich auf
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21:55 17.10.2017
2000 Das Stück „De Hexenhoff“ von Jens Exler war eines der ersten, das die Truppe einstudierte. *FOTO: COLSCHEN
Oldenburg

Einmal im Jahr präsentierten die „lustigen Wagrier“ ihrem Publikum ein neues Stück – stets in ausverkauften Räumen an der Oldenburger Schule, mit der das Ensemble nicht nur der Name verband. Dort wurde geprobt, dort wurde gespielt, und dorthin wurde stets auch der Erlös der Vorstellungen gespendet.

Der Vorhang fällt für „De lustigen Wagrier“: Nach 20 Jahren auf der Bühne löst sich die plattdeutsche Theatergruppe aus Oldenburg auf. Der Grund sind nach Angaben des Ensembles vor allem fehlende Schauspieler. Die Truppe hatte mit ihren Auftritten die Wagrienschule unterstützt.

Nicht nur an der Schule bedauert man den jetzigen Schritt. Auch das Ensemble selbst hat sich die Entscheidung, einen Schlussstrich zu ziehen, nicht leicht gemacht. Letztendlich sei die Belastung für alle Beteiligten aber zu groß geworden, sagt Spielleiterin Gabi Böhm. Schon seit Längerem war das Team stets auf der Suche nach Verstärkung, hoffte auf weitere Laienschauspieler, um eine größere Auswahl an Stücken zu haben und durch ein größeres Ensemble auch den Druck auf die einzelnen Darsteller zu reduzieren (die LN berichteten).

Die Darsteller haben jedes Jahr viel Freizeit investiert, um ihrem Publikum am Ende ein amüsantes Theaterstück präsentieren zu können. Das Ensemble war bekannt für leichte Komödien, mit denen es die Zuschauer unterhielt. Monatelang wurde jedes neue Stück einstudiert; es wurde aufwendig geprobt und gemeinsam an den Details gefeilt. Zuletzt stand die Truppe im vergangenen Jahr mit „Mien Fro, mien Hobby un Ik“ von Betti und Karl-Heinz Lind auf der Bühne – einem unterhaltsamen Verwirrspiel um das Rentner-Dasein eines Mannes und ein rätselhaftes Verbrechen. Eine Vielzahl an einzigartigen Charakteren hat das Ensemble schon zum Leben erweckt, und lustige Szenen aus dem Alltag diverser fiktiver Familien dargestellt.

Seit ihrer Gründung im Jahre 1997 war die Laienspielgruppe fester Bestandteil des Oldenburger Kulturlebens. Jetzt gibt es mit den „Dwarslöpern“ nur noch eine plattdeutsche Theatergruppe in der Stadt.

Ins Leben gerufen hatte die „lustigen Wagrier“ einst Erika Berger aus Wangels. 2014 übernahm Gabi Böhm die Spielleitung. Sie stand – ebenfalls wegen des Darsteller-Mangels – stets auch selbst mit auf der Bühne, um eine zusätzliche Rolle besetzen zu können. „Diese Doppelbelastung war enorm“, sagt sie nun. Auf Dauer sei das nicht mehr zu schaffen gewesen.

„Wir bedanken uns bei unseren treuen Zuschauern für die letzten 20 Jahre“, sagen Spielleiterin Gabi Böhm und ihre Mitstreiter. Sie hätten immer gern gemeinsam auf der Bühne gestanden und sich gefreut, wenn sie ihr Publikum mal wieder zum Lachen bringen konnten. Nun sei die Zeit gekommen, aufzuhören – die Aufführungen mit den „lustigen Wagriern“ würden jedoch alle in guter Erinnerung behalten. Wie das Publikum mit Sicherheit auch.

 Von Jennifer Binder

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