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Ostholstein Dem Damhirsch auf der Spur
Lokales Ostholstein Dem Damhirsch auf der Spur
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20:24 18.10.2013
Förster Thomas Tiede (knieend, links) begleitete die Gruppe bei der Frühpirsch durch den Kellenhusener Wald. Quelle: Fotos: Thomas Klatt

„Das ist noch viel zu laut, was wir hier machen“, kommentiert Thomas Tiede flüsternd den raschelnden Gang seiner sieben Begleiter: „Versuchen Sie, in der Mitte des Weges zu gehen und nicht auf die Steine zu treten.“ Der Kellenhusener Förster hat im Rahmen der Hubertuswochen zur Frühpirsch eingeladen. „Ob wir was sehen werden, weiß ich noch nicht, aber hören werden wir auf jeden Fall etwas“, verspricht er.

Um 6.30 Uhr, es ist noch stockdunkel, hat sich die kleine Gruppe aus fünf Erwachsenen und zwei Kindern am Waldparkplatz eingefunden. Den dichten Nebel an diesem Morgen nimmt Tiede zum Anlass, auf die Gefahren des Wildwechsels während der Brunftzeit aufmerksam zu machen. Er mahnt zu angepasster Geschwindigkeit: „Das Wild ist jetzt kopflos und lässt sich vom Verkehr nicht abschrecken.“

Dann geht die kleine Gruppe in den Wald. Wortlos geht man nebeneinander her, die Augen sollen sich erst einmal an die Dunkelheit gewöhnen. An einer Weggabelung bleibt der Förster dann stehen. „Wir müssen die Windrichtung berücksichtigen. Die Ausdünstungen des Menschen — Schweiß, Parfum oder eine Zigarettenfahne — sind für das Wild wie eine Wolke von Gestank, die es wahrnimmt“, erläutert er.

Deutlich vernehmbar sind mittlerweile die tiefen Brunftlaute eines Damhirsch. Das Ziel der morgendlichen Wanderung ist ein Brunftplatz mitten im Kellenhusener Wald. Die Gruppe gibt sich beim Pirschen alle Mühe, ist Tiede aber immer noch zu laut: „Weniger steppen, mehr schleichen, wie die Indianer“, lautet seine Aufforderung. Indianisch leise am Brunftplatz angekommen, reicht Tiede sein lichtstarkes Fernglas herum. „Zehn weibliche Tiere und ein alter Damhirsch, den ich noch nicht kenne“, flüstert er. Erstaunlich, was das geschulte Auge des Försters in dem schemenhaften Dämmerlicht ausmachen kann: „Die Damtiere haben uns gesehen und sich ins Dunkel am Lichtungsrand zurückgezogen.“

Ein Waldkauz stößt seinen gellenden Schrei aus, auch einen Eichelhäher erkennt Tiede an der Stimme. Dann auf einmal einige krachende Geräusche. Zwei Hirsche, deren Geweihe aufeinander prallen, haben außerhalb der Sichtweite ihren Kampf ums Revier aufgenommen. Schwere Verletzungen seien nicht selten, manchmal bezahle ein Hirsch den Anspruch auf das Rudel mit seinem Leben.

Die Jagd, so Tiede, werde nicht zum Spaß betrieben, sondern sorge für ein Gleichgewicht im Wald: „Dam- und Rehwild sind Feinschmecker. Die mögen Kirsche, Ahorn, Esche und Ulme — alles Pflanzen, die ich hier langfristig im Wald anpflanzen will.“

Um Jungpflanzen vor dem Verbiss zu schützen, würden pro Jahr über 100 Stück Schalenwild erlegt. Die Rahmenbedingungen für die Aufzucht des Nachwuchses hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert und damit eine höhere Abschussquote erforderlich gemacht.

Ein Fernglas braucht man indes nicht, um das junge Damtier auszumachen, das jetzt mit der Flanke zur Gruppe knapp 50 Meter entfernt auf dem Wanderweg posiert. Ein gelungener Abschluss für die jungen und älteren „Frühpirscher“, die eben doch nicht nur etwas gehört, sondern auch eine ganze Menge gesehen haben.

„Dam- und Rehwild sind Feinschmecker.“
Thomas Tiede, Förster

Thomas Klatt

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