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Ostholstein Dem Geheimnis der Freimaurer auf der Spur
Lokales Ostholstein Dem Geheimnis der Freimaurer auf der Spur
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13:40 08.12.2017
„Wir üben uns in Toleranz, Brüderlichkeit und dem Weg zur inneren Zufriedenheit.“ Uwe Muchow (64) Freimaurer
Eutin

Bis auf den letzten Platz ist der Seminarraum der Eutiner Landesbibliothek besetzt. Rund 90 Gäste sind gekommen, gut durchmischt, Frauen wie Männer. Sie wollen mehr über den seit 300 Jahren bestehenden, weltweit agierenden Geheimbund der Freimaurerei erfahren, der sich selbst „Diskrete Gesellschaft“ nennt.

Es ist eine der seltenen Gelegenheiten, mit den Logenmitgliedern in Kontakt zu treten. „Wir gehen nicht aktiv für uns werben“, sagt der Vortragende Uwe Muchow, „denn wir wollen nicht missionieren.“ Da das Interesse an der Freimaurerei in der Gesellschaft jedoch hoch sei, kämen einige Logen immer wieder mit Interessenten ins Gespräch, sagt Muchow. Der 64-Jährige ist eines von 35 Mitgliedern der in Eutin gegründeten regionalen Freimaurerloge „Zum Goldenen Apfel“.

Muchow spricht von einer „Weltbruderkette“: Auf dem Erdball gibt es dreieinhalb Millionen Freimaurer. 15.000 davon leben in Deutschland. Die Mitglieder sind in fünf Großlogen unterteilt. Unter ihnen gibt es die lokalen Logen, wie die Loge „Zum Goldenen Apfel“ in Eutin. Es ist ein vergleichsweise teures Hobby: Mitglieder zahlen im Schnitt 360 Euro im Jahr.

Wer die Symbolik der Freimaurerei verstehen will, kommt nicht um deren Ursprünge herum. Muchow skizziert die wichtigsten Entwicklungsstationen: Den Ursprung der Symbolik im Bauwesen. 1717 schlossen sich erstmals freie Handwerker zusammen, um sich über die Geheimnisse des Kathedralenbaus auszutauschen. Später stießen Wissenschaftler und Literaten dazu. Aus der Historie heraus entwickelten die Großlogen ein eigenes „Grundgesetz“, wie es Muchow sagt. Wichtige Regeln: Religionsauffassungen der Mitglieder tolerieren und ein Mann mit „Ehre und Anstand“ werden wollen. „Parteipolitische Diskussionen sind bei uns ausgeschlossen“, betont Muchow. Gesellschaftliche Diskussionen würden geführt.

Die wichtigsten Symbole: „Der Zirkel stellt das Verhältnis zur Gesellschaft, das Winkelmaß das zu mir selbst dar“, erklärt Muchow. Freimaurer seien wie Steine: „Ziel ist es, die unvollkommenen Ecken des Steins abzuhauen.“

Klappen soll das mithilfe intensiver Gespräche unter den „Logenbrüdern“. Im November stehe beispielsweise das Thema Trauer auf dem Programm. Zwei Mal im Monat treffen sie sich und reden über Themen aus Wissenschaft und Gesellschaft. 

Von Saskia Bücker

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