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Ostholstein „Dem Publikum ‘ne gute Show bieten“
Lokales Ostholstein „Dem Publikum ‘ne gute Show bieten“
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13:05 05.11.2013
Tim Carstens ist "The Future". Quelle: Hannes Lintschnig
Eutin

Von neun bis fünf Uhr verlegt er Heizungsrohre. Dann tauscht Tim Karstens seinen Blaumann gegen eine enge, türkise Sporthose, ölt seine Muskeln ein, steigt in den Ring und heizt seinen Gegnern ordentlich ein. „Es ist ein Wahnsinnsgefühl, ein Adrenalinrausch, wenn Hunderte Zuschauer meinen Namen schreien und mich anfeuern“, sagt der Eutiner, der sich im Ring „The Future“ nennt.

Seit rund vier Jahren kämpft Karstens in der „Mad Wrestling Association“ (MWA), im März dieses Jahres feierte er mit dem Titel „Lord of the Ring“ — wobei er sich gegen 30 internationale Kämpfer durchsetzen musste — seinen bisher größten Erfolg. Als er 13 Jahre alt war, hat ihn das Wrestling-Fieber gepackt.

Seinerzeit wurde Karstens durch einen Freund an den Wrestling-Sport herangeführt. „Er sagte: ,Hey Tim, du hast doch auch ‘nen Dachschaden. Schau Dir mal Wrestling im Fernsehen an‘“, erzählt Karstens schmunzelnd. Er tat es und war sofort von der athletischen Leistung und dem Entertainment fasziniert. „Nächtelang habe ich mir die Kämpfe angeschaut. Mit Freunden habe ich sogar einige Szenen im Garten nachgestellt“, so Karstens, der in Sarau aufgewachsen ist. Der Freund, der ihn zum Wrestling geführt hat, ist heute sein Manager.

Den Lübecker Wrestling-Verein MWA gibt es seit 2006 und er hat sich seit der Gründung immer weiter professionalisiert. „Wir haben mit fünf Freunden und einer Idee begonnen. Heute sind wir mehr als 25 Mitglieder, haben schon 42 Veranstaltungen auf die Beine gestellt und locken Hunderte Zuschauer an den Ring“, sagt Markus Bielfeldt, Vorsitzender der MWA.

Laut Bielfeldt ist Wrestling in Deutschland kein „Exotensport“ mehr. „Es entstehen immer mehr Schulen, fast jede Woche läuft ein Wrestling-Event“, so der 29-Jährige, der sich im Ring „GM2B“ nennt.

Bei Wrestling-Kämpfen gibt es immer einen Helden und einen Antihelden — so will es das Drehbuch. Die Einteilung „gut-böse“ gehört zur Show, der „good guy“ wird von den Zuschauern geliebt, der „bad guy“ gehasst. Warum das so ist? Ganz einfach: „Das Publikum will einen beklatschen und einen ausbuhen“, erklärt Tim Karstens.

Er selbst fühlt sich sehr wohl in der Rolle des Geliebten: „Ich bleib‘ einfach, wie ich bin. Ich will keinen provozieren oder beleidigen — ich will dem Publikum zeigen, was ich kann und ‘ne gute Show bieten.“

Und das tut er auch. Der 23-Jährige gilt in der MWA als sehr talentierter Wrestler. Seinen Beinamen „The Future“ hat er sich nicht selber ausgesucht. Ein MWA-Funktionär gab Karstens den Künstlernamen, weil er „die Zukunft des deutschen Wrestlings“ sei. Am Ring warten seine Fans bis er sein Gegenüber so bearbeitet hat, dass er zu seinem „Finisher“ (Schlussaktion) ansetzen kann — dem „Pump-Handle-Slam“.

Dabei geht‘s ganz schön rabiat zur Sache: Karstens tritt seinem Gegner in den Magen, führt den linken Arm durch die Beine und dehnt den rechten Arm über den Rücken seines Kontrahenten, dann stemmt er ihn mit Schwung über seine rechte Schulter und schmettert seinen Gegner zu Boden: „Da ist noch keiner ‘rausgekommen“, so Karstens.

Wrestling — ist alles nur Show? „Also ich kann dazu nur sagen: Meine Schmerzen sind real. Es ist ein sehr gefährlicher Sport“, so Karstens. Besonders die Knie und der Rücken werden beim Wrestling durch die vielen Sprünge und das häufige Fallen stark belastet. „Wer nicht fallen kann und keine Körperbeherrschung hat, ist beim Wrestling falsch“, so Karstens, der dreimal pro Woche Kraft- und Konditionstraining sowie einmal Yoga betreibt.

Am Sonnabend, 11. Januar, wird „The Future“ wieder im Ring stehen. Es wird um den MWA-Champions-Titel gehen, und Tim Karstens will dem Publikum wieder eine gute Show bieten.

Hannes Lintschnig

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