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Ostholstein Dem Stottern auf der Spur
Lokales Ostholstein Dem Stottern auf der Spur
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21:12 22.09.2017

Hätte sie dabei hören müssen, ob einer der Täter stottert? Das war eine der zentralen Fragen, die an diesem Verhandlungstag mit Hilfe eines Neurologen und forensischen Psychiaters geklärt werden sollte. Angeklagt sind in dem Verfahren wegen besonders schweren Raubes Behar T. (28) und Kastriot K. (27). Sie schweigen zu den Vorwürfen. Waren sie die beiden Männer, die den Edeka-Markt überfielen und nur 73 Euro Münzgeld erbeuteten, weil in der Nacht zuvor bereits Einbrecher alles mitgenommen hatten? Dieser Frage geht die III. Große Strafkammer des Lübecker Landgerichts seit mittlerweile neun Monaten und in der zweiten Prozessauflage nach.

Dass Cora W. eine gute Zeugin ist, bewies sie bereits. Anschaulich und präzise schilderte sie, was sich an dem Oktobertag im Kassenbüro ereignete. Aber hat sie gehört, dass einer der Täter stotterte? Kastriot K. hat einen solchen Sprachfehler. Sie habe, sagte Cora W., nicht darauf geachtet, habe keine Erinnerung daran, ob jemand gestottert habe. Dann schilderte sie noch einmal, wie sie sich fühlte: „Ich dachte, ich komme da nicht mehr lebend heraus.“ Immer wieder, „gefühlt 28 Mal“, habe sie erklären müssen, dass nichts zu holen sei. Der Mann mit dem Messer habe immer wieder gesagt, dass sie lüge.

Dass Kastriot K. mit einem „leichten Schweregrad“ stottere, was bei 13 Prozent der von ihm verwendeten Silben feststellbar sei, hatte zuvor ein anderer Sachverständiger bestätigt. Der forensische Psychiater referierte danach anschaulich darüber, wie es in Ausnahmesituationen wie der im Kassenbüro mit der Aufmerksamkeit und der Erinnerung bestellt sei. Der Sachverständige bescheinigte Cora W., sie sei „eine sehr aussagetüchtige Probandin“. Dennoch sei es denkbar, dass sie das Stottern überhört habe. Grund könne etwa die Fokussierung auf die lebensbedrohliche Situation, auf den Gedanken „wie komme ich hier raus?“ und auf das Messer sein. „Sie befand sich an der Grenze dessen, was unserer Wahrnehmungssystem verarbeiten kann.“ Eine mangelnde Zeugentüchtigkeit hinsichtlich des Stotterns habe er nicht feststellen können, erklärte der Neurologe.

Auch ein kurzer Drei-Wörter-Satz, den Kastriot K. in Anwesenheit von Cora W. sagte, trug nicht zur Wahrheitsfindung bei. „Ich kann mich nicht erinnern, ob es diese Stimme war. Er befand sich ja auch in einer anderen Situation“, sagte die Zeugin.

Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

Von Susanne Peyronnet

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