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Ostholstein Der Bewahrer einer Schnapsidee
Lokales Ostholstein Der Bewahrer einer Schnapsidee
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00:25 15.10.2012
Friedrich-Karl Kasten achtet auf die richtige Dosierung. In ein 200-Liter-Fass schüttet er 80 Liter Alkohol, mit einem Gehalt von 96 Prozent. Dafür muss er acht Krüge füllen.
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Ostholstein

Nach dem Essen soll er den Magen beruhigen, beim Kartenspiel die Stimmung heben und mit Tonicwasser einen super Longdrink abgeben: Glaubt man den Worten von Friedrich-Karl Kasten, so ist der Likör „Schit-Lot-Em“ ein Tropfen, der mit würzigem Kräutergeschmack überzeugt. „Er ist süß, aber nicht zu süß. Den Geschmack zu beschreiben ist schwer, am besten man testet ihn“, sagt der 62-jährige Neustädter.Vor dem Verzehr steht die Produktion. In einer unscheinbaren Scheune am Ortsausgang von Neustadt mixt Kasten das Getränk, welches schon sein Großvater Willy Kasten unters Volk brachte – und das bereits vor knapp 90 Jahren. Anschließend übernahm Kastens Vater Karl-Heinz die Produktion, führte sie nach dem Zweiten Weltkrieg in Timmendorfer Strand, Herford und Bad Salzuflen fort, ehe der Sohn 1997 die Aufgabe übernahm.„Wenn ich hier bin, trage ich diesen weißen Kittel“, sagt Kasten, der normalerweise im Sakko unterwegs ist. Er war jahrelang Gebietsleiter bei einer Bank und ist Fraktionsvorsitzender der örtlichen CDU. Der Mann weiß, dass Arbeit nicht immer schnell geht. Da verwundert es auch nicht, dass Alkohol, Wasser, Kräuter und Zucker von Hand zusammengemischt werden – nicht durch eine Maschine. Die Räume, in denen jährlich um die 4500 Flaschen „Schit-Lot-Em“ entstehen, wirken karg, ja fast leer. Der Kachelboden ist weiß-grau, an einer Wand stehen hellbraune Tonfässer. „Die hat schon mein Opa genutzt“, sagt Friedrich-Karl Kasten. „Für den Kräuterlikör nehme ich nur die beiden 200-Liter-Fässer. Die anderen sind Reserve, und in einem stelle ich einen Aquavit her.“ Der heißt „Einer geht noch“.Da die Mischung für den Geschmack entscheidend ist, notiert Kasten mit weißer Kreide jeden Arbeitsschritt auf dem Fass. „Als erstes kommen 80 Liter Alkohol hinein. Anschließend 40 Liter entmineralisiertes Wasser.“ Das Wasser soll immer gleich sein, sonst könnte der Geschmack verfälscht werden. „Danach gebe ich 80 Liter Wasser hinzu, in welchem ich Zucker und Karamellsirup aufgelöst habe. Der Sirup sorgt dafür, dass der Likör seine Farbe kriegt“, erklärt Kasten. Die Kräutermischung gibt er parallel zum Alkohol ins Fass.Welche Kräuter den Geschmack entfachen will Friedrich-Karl Kasten eigentlich nicht sagen. Nur so viel verrät er: „Enzian und Pomeranze gehören rein.“ Die Mischung der einzelnen Kräuter übernimmt ein Bremer Unternehmen. „Die haben die Rezeptur und müssen Stillschweigen bewahren“, sagt Kasten.Das Mischen des Liköres dauert übrigens knapp zwei Stunden. Anschließend entwickelt er drei Wochen seinen Geschmack, bevor Kasten ihn – natürlich per Hand – in Flaschen füllt. „Danach kommt das einzige technische Gerät zum Einsatz, das ich habe. Eine Maschine, die den Verschluss aufsetzt.“ Und dann? Dann setzt sich Kasten auf einen alten Plastikstuhl an einen alten Holztisch. „Ich klebe jedes Etikett per Hand auf. Das macht nicht wirklich Spaß.“Richtigen Spaß bereite es da schon eher, den „Schit-Lot-Em“ zu trinken. „Ich bin leidenschaftlicher Kartenspieler Da gehört ein ,Schit-Lot-Em’ dazu.“ Zudem wirke der Likör nach dem Essen Wunder. „Einmal haben mein Vater und ich sogar einen Härtetest gemacht und eineinhalb Flaschen getrunken. Wir hatten am nächsten Tag keine Kopfschmerzen“, versichert er.Käufer für den Likör gibt es überall in Deutschland. „Ich habe etwas mehr als 400 Kunden. Viele kennen das Getränk von ihren Eltern oder Großeltern. Zudem bestellen Landsmannschaften bei mir, und ich habe schon nach Griechenland und Österreich geliefert. Da ist der Versand aber extrem teuer.“ Werbung macht Kasten keine. „Es ist ja nur ein Hobby, bei dem es darum geht, etwas Tradition zu bewahren.“ Da reiche Mund-Propaganda aus.

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