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Ostholstein Der Busfahrer und sein Bücher-Truck
Lokales Ostholstein Der Busfahrer und sein Bücher-Truck
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22:14 11.05.2016
Busfahrer und Bibliotheksverwaltungsangestellter in einer Person: Volker Andresen sitzt seit zehn Jahren am Steuer des Bücherbusses. Quelle: Fotos: Peyronnet

Fünf Mal ist er schon um die Erde gefahren, wenn man die Kilometer zusammenrechnet. Und diese Strecke hat er ausschließlich in Ostholstein zurückgelegt.

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Busfahrer und Bibliotheksverwaltungsangestellter in einer Person: Volker Andresen sitzt seit zehn Jahren am Steuer des Bücherbusses.

Volker Andresen feierte soeben sein zehnjähriges Dienstjubiläum am Steuer des ostholsteinischen Bücherbusses. Eine Tätigkeit, die mehr ist als ein Job. „Ich fahre morgens gern zur Arbeit“, sagt der 44-Jährige aus Kasseedorf.

Dass er mal Bücherbus-Fahrer werden würde, hätte er sich als junger Mann nicht vorstellen können. Andresen ist Quereinsteiger. Der Fleischermeister mit Führerschein Klasse 2 aus seiner Bundeswehrzeit war gerade arbeitssuchend, als er sich auf ein Stellenangebot der Fahrbücherei Preetz bewarb. Doch ein anderer war etwas besser geeignet als er. Die Enttäuschung über die Absage währte nicht lange, denn bald kam ein Anruf vom Personalchef der Büchereizentrale in Rendsburg, ob Andresen eine längere Krankheitsvertretung in Ostholstein übernehmen könne. Einen solchen befristeten Job wollte er zwar nicht, griff aber dennoch zu. Daraus wurden drei Jahre Krankheitsvertretung und nach der Verrentung seines Kollegen eine unbefristete Festanstellung.

„Ich habe hier zwei Berufe“, sagt Andresen zufrieden, während er mit dem Rücken zur Fahrerkabine am Computer sitzt und die Nummern zurückgegebener Bücher einscannt. Er ist nicht nur Fahrer des Bücherbusses, sondern auch Büchereiverwaltungsangestellter. Wenn das zwölf Meter lange Ungetüm voller Bücher, CDs und DVDs an einer der vielen Haltestellen in Ostholstein steht, übernimmt Andresen gemeinsam mit Bibliothekarin Tabea Mau Aufgaben, wie sie in jeder Bücherei anfallen. Medien im Computer ein- und austragen, Leseausweise ausstellen, Gebühren kassieren, zurückgegebene Bücher wieder ins Regal sortieren. „Es macht beides Spaß“, sagt Andresen. „Ich fahre sehr gerne. Und natürlich ist es immer schön mit den Lesern, vor allem mit den Kindern.“

Der Bücherbus steuert bevorzugt Kindergärten und Schulen an. Manche junge Leseratte kennt Andresen schon vom Babyalter an oder aus den Grundschuljahren. Dann sieht er, wie sie langsam groß und schließlich volljährig werden. „Die Kinder, die mich länger kennen, sprechen mich mit Vornamen an“, erzählt der Bücherbus-Fahrer. „Das große Highlight ist, wenn ich ihnen erlaube, dass sie mal nach vorne gucken dürfen.“ Vorne, das ist das Führerhaus, in dem Andresen regelmäßig sitzt und bis zu neun oder zehn Stunden durch Ostholstein fährt, um die Menschen mit spannenden, lustigen und lehrreichen Geschichten zu versorgen.

Dabei erlebt er schöne und auch traurige Momente. Einer der schönsten, der ihm in Erinnerung geblieben ist, war eine besondere Gratulation, als vor vier Jahren ein neuer Bücherbus in Dienst gestellt wurde. Da kam an der Heinrich- Harms-Schule in Hutzfeld eine ganze Klasse in den Bus, sang ein Lied und stellte eine riesige Schokoladentorte vor Andresen auf den Tisch. Traurig macht es ihn dagegen, wenn Kinder keinen Leseausweis bekommen, weil ihre Eltern ihnen die Unterschrift unter den Antrag verweigern. „Das schließt die Kinder von der Gruppe aus“, sagt Andresen.

Manche Eltern finden, sie hätten genug Bücher zu Hause, andere, dass ihre Kinder keine Bücher brauchen. Das ist dann bitter für diese Mädchen und Jungen, wenn sie mit ihrer Kindergartengruppe oder Klasse in den Bücherbus kommen und sich nicht wie alle anderen etwas ausleihen dürfen.

Die Lesekarte für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre kostet nichts. Erwachsene zahlen 14 Euro pro Jahr. Volker Andresen sitzt täglich zwischen den Bücherregalen und versichert, er lese auch. Dann setzt er jedoch hinzu: „Ich bin aber eher der Handwerker.“

Der Bücherbus – ein Erfolgsmodell

22 Gemeinden im Kreis Ostholstein steuert der Bücherbus, genauer gesagt die Fahrbücherei 14, an. Es sind Altenkrempe, Bad Malente-Gremsmühlen, Bosau, Dahme, Damlos, Grube, Großenbrode, Harmsdorf, Heringsdorf, Kabelhorst, Kasseedorf, Kellenhusen, Manhagen, Neukirchen, Ratekau, Riepsdorf, Scharbeutz, Schönwalde am Bungsberg, Sierksdorf, Süsel und Wangels. Zum Aussuchen und Abgeben von Büchern wird an 132 Haltepunkten gestoppt.

24 Kindertagesstätten, elf Schulen und sechs Pflege- und Seniorenheime arbeiten mit der Fahrbücherei zusammen, sie stellt beispielsweise Wissensboxen für Kindergärten und Schulen oder Medienboxen für Senioren zusammen.

75841 Entleihen gab es 2015, die Fahrbücherei verfügte über 24959 Medien. Gezählt wurden 1781 aktive Kunden, besonders oft wird der Bücherbus in Malente, Süsel, Bosau, Ratekau und Scharbeutz besucht. Im Bus gibt es auch Veranstaltungen: 71 waren es im vergangenen Jahr, sie wurden von 1215 Besuchern wahrgenommen.

Kontakt über Bibliothekarin Tabea Mau, Tel. 04521/71651, per Email über info@fahrbuecherei14.de. Weitere Infos: www.fahrbuecherei14.de ben

Von Susanne Peyronnet

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