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Ostholstein Der Frauenmörder von Fehmarn
Lokales Ostholstein Der Frauenmörder von Fehmarn
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22:14 07.11.2013
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Gahlendorf a. F

In seinem früheren Leben war er Schwarzmarkthändler, Schauspieler und kurzzeitig Journalist. Jahrzehnte später rückte Arwed Imiela (1929-1982) selbst in den Blickpunkt der Medien: als „Blaubart von Fehmarn“. Vier Frauenmorde lastete die Kripo dem Diplom-Astrologen an. Zerstückelte Leichenteile hatte sie 1970 aus einer Grube bei Gahlendorf im Inselosten ausgegraben — mitten im Jagdrevier des Sterndeuters.

Es schloss sich ein langer Indizienprozess vorm Schwurgericht Lübeck an, der bundesweit immer wieder für Schlagzeilen in der Boulevardpresse sorgte. „Mit seinem smarten Lächeln verfolgte der ,Blaubart von Fehmarn‘ das Geschehen im Saal, schien sich im lebhaften Medientrubel zu sonnen“, erinnerte sich 2004 der LN-Prozessberichterstatter Helmut von der Lippe an den Prozess 1973. Nach 52 Prozesstagen wurde das Urteil gesprochen: viermal lebenslänglich. Die Morde stritt Imiela aber bis zu seinem Tod 1982 in der JVA Fuhlsbüttel ab.

Dieser spektakuläre Kriminalfall wirkt bis heute nach. In TV-Dokumentationen, in Büchern, vor allem aber in der Erinnerung von Zeitzeugen. Doch nicht jeder möchte öffentlich darüber reden.

Schließlich hatten manche Fehmaraner den vermeintlich wohlhabenden Inselgast, der sich im Nordosten Fehmarns einen Zweitwohnsitz zugelegt hatte, gerne hofiert. Und als Jäger in ihren eigenen Reihen aufgenommen.

Auch die bildhübschen Frauen, mit denen Arwed Imiela auf Fehmarn auftauchte, erregten Ende der 60er Jahre Aufsehen. „Es hat aber doch keiner damit gerechnet, dass er so etwas macht“, betont Hans Grunst (75). Er war damals Tankwart in Burg und schätzte Imiela als Stammkunden. Mit einigen Macken: „Den Schmiss im Gesicht hatte er sich selbst mit einer Rasierklinge beigebracht.“ Einmal tankte Imiela spätabends noch voll, legte einen 500-Mark-Schein hin. Grunst war doppelt verblüfft: Denn das Wechselgeld hätte der Astrologe beinahe vergessen.

Die Aral-Tankstelle, auf der Grunst arbeitete, sollte bei den späteren Ermittlungen noch eine wichtige Rolle spielen. Denn eine Kleiderbürste, die damals als Werbegeschenk der Fehmaraner Firma Steenbock an gute Kunden ausgegeben wurde und im Auto-Handschuhfach von Imiela lag, brachte die Kripo auf die heiße Spur. Gegen Imiela wurde damals wegen Betrugs ermittelt, und als die Polizei bei der Durchsuchung des Wagens die Bürste fand, war klar, dass es eine Verbindung zwischen Imiela und der Insel gab. Nach weiteren Ermittlungen entdeckte die Polizei in Gahlendorf schließlich Plastiktüten mit Leichenteilen. Grunst war damals als Ortskundiger dabei. Jetzt wurde plötzlich die Zeit ganz knapp. Bis mittags um 12 Uhr musste von der Burger Polizeistation aus der Mordverdacht telefonisch an die zuständige Mordkommission durchgegeben werden, sonst hätte man Imiela wieder freilassen müssen. Im rasenden Tempo ging es über die Dörfer. „Fünf von zwölf waren wir da“, so Grunst. Mit einem der Kripo-Beamten hält er bis heute Kontakt.

Ein Zeitzeuge ist auch Peter Timm. Eine Boulevardzeitung schickte den jungen Fotografen damals nach Fehmarn: „Drei, vier Wochen war ich dort — wenn das blaue Spezialfahrzeug der Mordkommission auftauchte immer hinterher. Mitten im dunklen Wald dann die Plastiktüten mit Leichenteilen. Jeder Film musste mit dem Zug nach Hamburg geschickt werden.“ Timm (75) blieb Fehmarn verbunden, baute mit seiner Frau in Staberdorf ein Haus. Und holte jetzt nochmals seine Kamera für den Fall Imiela heraus: als Nadine Witt ihren Krimi „Der Blaubart von Fehmarn“ dem Publikum präsentierte.

1975 in Lübeck geboren, ist sie keine Zeitzeugin — und doch ganz nah dran. Sie lebt in Gahlendorf, betreibt dort mit ihrem Lebensgefährten einen Ferien- und Reiterhof. Und spürt bis heute das Mystische, Unerklärliche und Dunkle im Fall Imiela: „Am Tag, an dem ich angefangen habe, das Buch zu schreiben, war es ganz neblig. Als ich an der Grube vorbeiritt, hörten selbst die Vögel auf, zu singen.“

Gerd-J. Schwennsen

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