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Der Gully als Abwasser-Springbrunnen

Pansdorf Der Gully als Abwasser-Springbrunnen

Bei Starkregen bekommt das Ehepaar Schlingmann unfreiwillig Einblick, was in Pansdorfer Toiletten landet.

Pansdorf. Wenn der Wetterbericht starken Regen ankündigt, legen Karen und Thomas Schlingmann neuerdings eine Tube Silikon bereit. „Wir können ja keine Sandsäcke im Flur lagern“, erklären die beiden Pansdorfer. Sie wollen notfalls die Haustür verkleben. Denn was ihnen bei Unwetter an die Türschwelle schwappen kann, gehört eigentlich in die Kläranlage: eine stinkende Mischung aus Abwässern und Regenwasser. „Klopapier, Damenbinden, Kondome – haben wir alles schon im Garten gehabt“, macht Thomas Schlingmann den Horror anschaulich.

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Bei Starkregen bekommt das Ehepaar Schlingmann unfreiwillig Einblick, was in Pansdorfer Toiletten landet.

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„Wir wollen nicht länger beruhigt werden, jetzt muss etwas passieren“. Karen und Thomas Schlingmann

Das Ehepaar wohnt seit 1998 in der Reihenhausanlage in der Straße Zur Alten Mühle. „Klar, wenn ich am tiefsten Punkt wohne, muss ich damit rechnen, dass ich auch mal absaufe – im Regenwasser, aber nicht im Abwasser“, sagt Schlingmann kopfschüttelnd und zeigt auf einen Abwasserschacht an seinem Haus. „Hier tanzen die Gullydeckel“, schildert er, mit welchem Druck das mit Fäkalien verdreckte Wasser im Extremfall hervorquillt. Weil die Gullys auf der Straße fest verschlossen wurden, um dort ein Überlaufen zu verhindern, ist der Druck auf die Schächte vor der Hausreihe umso stärker.

Drei Mal kam es in den vergangenen Tagen zu dem ekligen Springbrunnen aus dem Untergrund, zuletzt am Sonnabend. Nur weil ein Pumpwagen des ZVO bereits vorsichtshalber zur Stelle war, konnte die sonst fällige Überschwemmung verhindert werden. Die Brühe strömt dann an Schlingmanns und weiteren Häusern vorbei – und am Ende größtenteils über die Kalte Bek in die Schwartau. Immer wieder sei es seit ihrem Einzug zu derartigen Überschwemmungen gekommen, berichtet das Ehepaar. Im Sommer 2006 war es besonders heftig. Auch damals sei ein Eindringen der Wassermassen in die Häuser nur knapp verhindert worden, weil ein ZVO-Pumpwagen vor Ort war, da die nahe ZVO-Pumpstation zur Weiterleitung der Abwässer unter Wasser stand.

Schlingmanns haben nach diesem Erlebnis ihren Garten mit Steinen eingefasst. Zwei Zentimeter hätten gefehlt, dann wäre die braune Flut durch die Terrassentür ins Wohnzimmer geströmt. Mitarbeiter des ZVO, Vertreter der Gemeinde und des Kreises begutachteten seinerzeit die Kanalisation. Als Ergebnis hielt die Untere Wasserbehörde im März 2007 fest: Schachtdeckel, über die bei Starkregen große Regenwassermengen ins Schmutzwassernetz fließen können, werden sofort ausgetauscht. Der ZVO wird alle Fehlanschlüsse ermitteln, die Gemeinde Ratekau dann die ordnungsgemäße Ableitung des Regenwassers veranlassen. Tatsächlich gab es in den folgenden Jahren keine Probleme mehr. „Wir hatten gedacht, alles ist geklärt, aber jetzt geht es wieder los“, ärgert sich Karen Schlingmann. Mit dem Schneeschieber verteidigte sie in diesen Tagen an der tiefsten Stelle die Steineinfassung des Gartens, um deren Überspülen zu verhindern. Für die Misere macht das Ehepaar neben einer gestiegene Abwassermenge vor allem widerrechtliche Einleitungen von Oberflächenwasser ins Abwassernetz verantwortlich. Anders sei bei starkem Regen der sprunghafte Anstieg der Wassermengen im Abwasserrohr, das an ihrer Hausanlage zur Pumpstation Alte Mühle führe, nicht zu erklären.

Dem ZVO, aber auch der Gemeinde werfen beide vor, das Problem nicht wirklich anzupacken. „Die kommen, setzen bedenkliche Gesichter auf und schieben sich gegenseitig die Schuld zu“, kritisiert Thomas Schlingmann. Die Gemeinde verweise darauf, für Abwasser sei der ZVO zuständig, der ZVO hebe darauf ab, dass es ja um Oberflächenwasser gehe, für das die Gemeinde zuständig sei.

Beim ZVO heißt es auf Anfrage, man arbeite in Abstimmung mit der Gemeinde an einer „ganzheitlichen Lösung“. Wegen der unterschiedlichen Zuständigkeiten sei das komplex. Ab heute werde mit Hilfe eines Kamerawagens eine Kanalinspektion vorgenommen, um zu überprüfen, welche Wege Niederschlag- und Schmutzwasser nehmen. Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller bedauert die Vorfälle. „Was passiert ist, ist alles andere als schön.“ Auch er vermutet als Ursache die Fremdeinleitung von Regenwasser ins Abwassernetz, sei es durch Fehlanschlüsse oder undichte Stellen. Die Gemeinde habe sich deshalb an den für die Abwasserbeseitigung zuständigen ZVO gewandt. „ Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung und hoffen, dass wir sie schnell bekommen“, versichert der Bürgermeister.

Arnold Petersen

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