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Ostholstein „Der Kreis kann wieder investieren“
Lokales Ostholstein „Der Kreis kann wieder investieren“
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09:22 27.12.2017
Stets redebereit und redegewandt ist Reinhard Sager, hier bei seiner Wiederwahl im Jahr 2015 vor einer Fernsehkamera. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen

Der Kreishaushalt weist in diesem Jahr 14 Millionen Euro Überschuss aus. Wo kommt das Geld plötzlich her?

Mister Landkreis

Reinhard Sager (58) wurde 2001 und 2006 direkt und 2015 vom Kreistag gewählt. Im August 2015 begann seine dritte, acht Jahre lange Amtszeit.

Überregional ist Sager ebenfalls für die Kreise aktiv. Seit 2008 ist er Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Landkreistages und seit 2014 Präsident des Deutschen Landkreistages.

Reinhard Sager: Wir befinden uns derzeit in einer Hochkonjunkturphase. Dies macht sich natürlich auch bei den Steuereinnahmen bemerkbar. Viele Menschen in Arbeit zahlen Steuern, und dies hilft ebenfalls den Kommunen. Zudem hat der Kreis selbst in den vergangenen Jahren Konsolidierungsanstrengungen unternommen, auch die tragen jetzt Früchte. Wir haben viel einsparen und viel Verzicht üben müssen und haben nun wieder Land in Sicht. Wir können investieren und die Schulden zurückführen, was für nachfolgende Generationen von Bedeutung ist.

Kommt von dem Geld etwas direkt bei den Ostholsteinern an?

Wir können aufgrund der guten Finanzlage die Kreisumlage senken, zunächst in 2018 um 0,3 Prozentpunkte und im darauffolgenden Jahr voraussichtlich nochmals um einen Punkt. Für 2018 steht uns ein Investitionsvolumen von 13,5 Millionen Euro zur Verfügung. Der Kreis hat also die Möglichkeit zu investieren, beispielhaft in Kreisstraßen und Radwege, aber auch in die Bildung durch Investitionen in die Beruflichen Schulen und im Kitabereich. Die Menschen müssen auch spüren, dass sich die Haushaltslage verbessert hat.

Im nächsten Jahr steht eine Kommunalwahl an. Wie steht es mit dem kommunalpolitischen Ehrenamt?

Wir haben in Ostholstein eine bewährte Zusammenarbeit mit unserem Kreistag. Viele Mandatsträger sind langjährig aktiv. Auch junge Leute engagieren sich in den unterschiedlichen Fraktionen. Politische Nachwuchsarbeit müssen nicht nur die Parteien betreiben, sondern auch die Schulen müssen dazu beitragen, die politische Bildung zu stärken.

Müssen sich die jungen Leute erstmal hinten anstellen oder haben sie schnell die Chance mitzugestalten?

Auch junge Leute haben die Möglichkeit, sich in den Fraktionen zu etablieren. Beispielhaft dafür steht Timo Gaarz (CDU-Fraktionschef, d. R.), der ist gerade 40 geworden und trägt schon seit einigen Jahren als Fraktionschef Verantwortung im Kreistag. Die Kreisverwaltung musste ihr Personal aufstocken. Sie hat immer mehr Aufgaben hinzubekommen.

Die Kreise sind Träger für die Sozial-, Jugend- und Kinderhilfe und das Asylbewerberleistungsgesetz. Wir haben zudem eine erhebliche Aufgabenausweitung bekommen durch das Unterhaltsvorschussgesetz mit einer hohen Antragsflut. Außerdem kommt im nächsten Jahr die Umsetzung des Prostituiertenschutzgesetzes hinzu, die den Kreisen übertragen worden ist. Bund und Länder vertrauen erkennbar in die Kompetenz der Kreise. In vielen Bereichen steigen zudem die Fallzahlen. Deswegen bilden wir auch kräftig aus, um die Mitarbeiter für die Zukunft zu gewinnen.

Wie steht’s mit geeigneten Bewerbern?

Wir haben ausreichend Bewerbungen für Ausbildungsplätze. Ein besonderes Augenmerk richten wir auf Nachwuchskräfte aus dem Kreisgebiet oder dem näheren Umfeld. Erfreulicherweise gelingt es uns auch, alle Stellen in den unterschiedlichen Fachbereichen zu besetzen, trotz härter werdenden Wettbewerbs darum. Der Kreis Ostholstein ist nämlich ein attraktiver Arbeitgeber, weil er sehr flexible Arbeitszeitmodelle anbietet, die sich zudem an die jeweilige Situation und die Lebensumstände der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anpassen.

Mehr Personal braucht Platz. Sie wollen das Kreishaus erweitern.

Wir haben bereits viele Räume in Eutin anmieten müssen. Die Betreuungsstelle ist ausgegliedert worden, das Veterinäramt ebenfalls. Darüber hinaus hat der Zuwachs an übertragenen Aufgaben eine Erhöhung des Personals zur Folge. Auch deshalb müssen wir erweitern und werden im neuen Jahr mit den Planungen beginnen. Auf dem eigenen Gelände, im Innenhof der Kreisverwaltung, wird für etwa 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein neues Bürogebäude gebaut.

Der Kreis Ostholstein ist sehr attraktiv für ältere Menschen. Wie kann der Kreis auch für Jüngere so attraktiv sein, dass sie hierher ziehen?

Wir unternehmen verschiedene Anstrengungen. Vorrangig geht es darum, qualifizierte Ausbildung und schulische Angebote im Kreis zu halten. Außerdem brauchen wir Raum für die Ansiedlung von Gewerbe. Sehr wichtig sind auch gute Bahnverbindungen und schnelles Internet für die beruflichen und die Freizeitinteressen.

Welche Dauerläufer-Themen werden Sie 2018 beschäftigen?

Der Breitbandausbau geht mit Riesenschritten voran. Das ist bedeutsam, um Ostholstein als Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig zu halten. Ein weiteres Thema ist die 380-kV-Stromleitung. Mithilfe eines Gutachtens prüfen wir sowohl die Notwendigkeit als auch Alternativen. Herausragend wichtig ist es, den gesetzlichen und übergesetzlichen Lärmschutz entlang der Hinterlandanbindung umzusetzen.

Dafür braucht es noch einen Bundestagsbeschluss, den wir derzeit mit vorbereiten.

Wie steht es mit der Inklusion?

Wir setzen den Aktionsplan Inklusion um. Im Haushalt 2018 haben wir weitere Maßnahmen verankert, um Barrieren abzubauen.

LN

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