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Ostholstein Der Mann mit dem Blick für Qualität
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21:48 27.10.2017
Er identifiziert sich mit seinem Arbeitgeber: Seit 40 Jahren ist Benno Pries bei den Globus-Gummiwerken beschäftigt. Quelle: Fotos: Astrid Jabs
Ahrensbök

Die Konstante ist die Verbundenheit mit dem Unternehmen, in dem er Tag für Tag bis heute seinen Job macht. Zuverlässig und pflichtbewusst sei er, einer, der das Wohl der anderen im Auge habe, aber auch auf den Tisch hauen könne, wenn etwas nicht in Ordnung sei – so beschreibt der Globus-Betriebsratsvorsitzende Thomas Schwede den Kollegen. Er kennt ihn gut, die beiden sind ein langes Stück des Wegs gemeinsam gegangen, auch Schwede ist bereits seit 34 Jahren dabei.

Das alte Backsteingebäude, in dem Benno Pries im Mai 1977 sein Arbeitsleben in den Globus-Gummiwerken in Ahrensbök begonnen hat, steht nicht mehr. Auch sonst hat der 60-Jährige grundlegende Veränderungen in der Firma miterlebt. Seit 40 Jahren arbeitet er jetzt in dem Betrieb.

Das persönliche Wort zählt für Benno Pries. „Der Zusammenhalt mit den Kollegen ist mir wichtig“, sagt er. Früher sei es familiärer zugegangen. Das liegt nicht nur an der allgemeinen Schnelllebigkeit unserer Tage, sondern auch daran, dass viele Kollegen längst im Ruhestand sind. Als Pries als Folge eines Unfalls seine Ausbildung zum Heizungsbauer abbrechen musste und nach einer Umschulung vom Arbeitsamt an die Gummiwerke vermittelt wurde, nahmen ihn die erfahrenen Mitarbeiter unter ihre Fittiche. Lager und Versand waren sein erster Einsatzort und blieben es für 20 Jahre, dann kam die Umstellung auf Computertechnik. Für Pries bedeutete es einen Wechsel in die Produktion.

„Ich habe als Trommler Gummiringe vereinzelt“, sagt er rückblickend. Die Herstellung von Dichtungen für die Auto- und Verpackungsindustrie ist das Kerngeschäft des Betriebes. Mit 280 Mitarbeitern, darunter 40 Zeitarbeiter, ist er größter Arbeitgeber in der Gemeinde Ahrensbök. 1906 gegründet, gingen die Globus-Werke 1994 in den Besitz der Gießener Poppe GmbH über. 2012 investierte das Unternehmen sechs Millionen Euro in den Bau der Halle. Mit dem Verkauf an die Münchner Callista Private Equity in diesem Frühjahr kam die vertraute Bezeichnung Globus zurück, die zwischenzeitlich nur noch von den Alteingesessenen benutzt worden war.

Auch Benno Pries identifiziert sich mit dem Namen Globus über die Arbeitszeit hinaus. Sein großes Interesse nämlich gilt Messen aller Art: „Wenn ich dann auf den Schauen unterwegs bin, achte ich darauf, wo ein Stück ‚Globus‘ drinstecken könnte“, erzählt er. Durch seine Hände gehen am Tag im Schnitt 30000 Dichtungen, die er auf Makellosigkeit prüft, denn von der Fertigung ging es für ihn vor Jahren weiter in die Endkontrolle.

Von 6 bis 14 Uhr sitzt er täglich an seinem Tisch, der Arbeitsplatz ist barrierefrei – ein Vorteil der zeitgemäßen Halle. Früher hat er auch Schichtdienst geleistet, damit hat er vor fünf Jahren aufgehört. Sein Feierabend im heimatlichen Bad Segeberg gehört dem Gartenteich und den Fischen. Dafür wird er viel Zeit haben, wenn er in fünf Jahren Abschied nimmt von den Gummiwerken. Viel einzupacken braucht er dann nicht – Pries ist nicht der Typ, der Krimskrams anhäuft. Der alljährliche Honda-Kalender, das war es.

Sein Markenzeichen trägt er ohnehin am Mann: den markanten Bart, den er schon als 20-Jähriger gepflegt hat. Bleiben werden Erinnerungen an Sonnabendarbeit mit Kartoffelsalat und Würstchen, an Weihnachtsfeiern und das große Fest zum 100. Betriebsjubiläum. Und der Stolz, ein Teil davon zu sein.

 Von Astrid Jabs

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