Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Der Hafen: Trotz Ruhe immer was los
Lokales Ostholstein Der Hafen: Trotz Ruhe immer was los
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:05 12.01.2019
Die ruhige Zeit ist angebrochen: Ein Rundgang durch den Niendorfer Hafen im Winter. Quelle: Beke Zill
Niendorf

Inge Lender ist fast die Erste morgens im noch verschlafenen Niendorfer Hafen. Auch jetzt, wenn der Urlauberansturm nach Silvester endgültig vorbei ist. Die Fischfachverkäuferin schließt um 8 Uhr den Stand vom Betrieb „Schupp den Fisch“ auf. Während in der Touristensaison schon früh am Morgen die ersten Kunden Schlange standen, bleibt es seit dieser Woche eher ruhig. „Seit Montag ist es wie abgeschnitten“, sagt Chef Peter Dietze mit Blick auf den sonst so lebhaften Hafen, in dem jetzt nur vereinzelnd Menschen zu entdecken sind. In Niendorf kehrt Gemütlichkeit ein. Wer die Einsamkeit sucht, ist auf dem fast 100 Jahre alten Areal im Winter richtig. Dennoch gibt es bei Fischern, Bootsbauern und Hafenarbeitern immer etwas zu tun.

Mindestens 150 Kilogramm Fisch für die Hafenbesucher

Bei kaltem Schmuddelwetter schneidet Inge Lender einen Dorsch zu Filets. In den blauen Kisten ist der frische Fang von Fischer Peter Dietze auf Eis gebettet. „Wir fangen jetzt hauptsächlich Dorsch, Hering und Kliesche. Scholle und Flunder werden mager“, sagt der Fischwirtschaftsmeister. Jeden zweiten Tag geht’s zwischen 6 und 7 Uhr mit den Kuttern „Anne Maria“ oder „Freedom“ raus aufs Meer – im Sommer schon nachts um 2 Uhr. Zurück von hoher See wandert ein Teil des Fischs zu Inge Lender. Der Rest geht nach Holland in die Industrie. „Wir versuchen, jeden Tag aufzuhaben, wenn das Wetter es zulässt“, sagt Dietze. Sie müssten mindestens 150 Kilogramm Fang am Tag haben, damit sich das rechne, so der Chef auch mit Blick auf die Fangquoten. Er müsse schauen, dass er über die zwölf Monate im Jahr gut hinkomme. Fürs Geschäft hätte er jetzt gern schon ein paar Kunden mehr, so der 31-Jährige. Langeweile kommt aber nicht auf. Sie hätten auch so viel zu tun. Jetzt im Winter werden Fanggeräte gewartet und größere Reparaturen an den Kuttern getätigt, damit zum Frühjahr wieder alles einsatzbereit ist.

Statt neugieriger Touristen nur nervige Möwen

Gegenüber der Buden auf der anderen Seite des Hafenbeckens säubert Lars Hauswald gerade seinen Kutter „Manuela Hauswald“ mit Schrubber und Hochdruckreiniger. Alles muss blank sein für die nächste Tour – egal welches Wetter. „Wir nutzen das ganze Jahr aus“, sagt einer von nur noch drei Fischern in Niendorf. Er und ein Mitarbeiter fahren täglich außer sonntags raus. „Wir wollen so oft wie möglich unseren Laden aufmachen“, erklärt Hauswald und blickt hinüber zu seinem Verkaufsstand, in dem seine Mutter einen Teil des Fangs unter die Leute bringt. Wenn sein Kutter an der Kaimauer festmacht, schaut ihm meistens eine Traube von Hafenbesuchern neugierig über die Schulter. Jetzt sitzt nur eine Möwe auf dem Poller und fleht kreischend nach Essbarem. Der Fischer findet zwar den Sommer angenehmer. Jetzt sei es immer so dunkel, wenn sie immer zwischen vier und sieben Uhr morgens starten. „Die Ruhe ist aber auch ganz nett“, meint Hauswald.

Ein Vormittag auf dem fast 100 Jahre alten Areal.

Ein paar Meter entfernt vom Kutter hat Bootsbauer Ulli Schütte seit 25 Jahren seine Werkstatt. In der kalten Zeit kann er sich vor Arbeit kaum retten. „Im Winter habe ich am meisten zu tun“, sagt Schütte. Derzeit sei er in der „Mastenphase“ – Schütte repariert die hohen hölzernen Werke und baut sie auch neu. Zwei Masten gehen am nächsten Tag nach Fehmarn, zwei Neubauten müsste er diesen Winter fertigmachen. Ab Ende Februar, also kurz vor dem Einsetzen der Boote, beginne für ihn dann ein Marathonlauf. „Das geht bis Ende Mai“, sagt der Meister. Dann sind auch wieder die Touristen da und gehen bei Schütte – „so lange wie meine Nerven das aushalten“ – ein und aus. Jetzt im Winter herrsche eine andere Atmosphäre als im Sommer. „Ich finde die Abwechslung gut“, schwärmt er vom Charme des Niendorfer Hafens – egal ob menschenleer oder bevölkert. „Es ist der schönste Arbeitsplatz der Welt.“

Auch Natascha Dins und Thomas Rauch schwärmen vom Areal. „Der Hafen ist klein und noch so ursprünglich“, sagen die Rheinländer und spazieren an der Kaimauer entlang. Sie machen Urlaub an der Ostsee – und das bewusst im Januar. „Wir wollen Ruhe haben“, sagt das Paar, das sich mal richtig „durchpusten“ lassen möchte. Und falls den übrig gebliebenen Touristen nach einer Stärkung ist, hält Winnie Scheumann am Hafen-Eck direkt am einen der Hafenzugänge die Stellung. Ob Glühwein oder Fischbrötchen – der Imbiss lockt seit 25 Jahren auch im Winter die Gäste an. Noch ist aber nichts los. „Mittags kommen immer ein paar“, sagt die Mitarbeiterin voller Optimismus.

Seenotretter auf Stippvisite während einer Kontrollfahrt

Während tatsächlich ein Kunde kurz vor Mittag am Hafen-Eck ein Bismarckhering-Brötchen bestellt, läuft das Rettungsboot „Hans Ingwersen“ ein und macht fest. Das dreiköpfige ehrenamtliche Seenotretter-Team um Wolfgang Haltern, Andreas Wulf und Marina Bülow der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist in der Lübecker Bucht unterwegs. „Wir sind auf Kontrollfahrt“, berichtet Bootsführer Wulf. Nach dem Sturm begutachten sie die Beschaffenheit des Meeresgrundes, der Hafeneinfahrten, prüfen das Brodtener Steilufer. Auch die technische Überprüfung des Bootes gehört zu den Aufgaben des Trios. Solche Touren passieren einmal die Woche – und oft im Winter. „Im Sommer haben wir mehr Einsätze“, erklärt Haltern.

Mehr zu tun hat auch inzwischen Inge Lender in der Fischbude. Gerda und Heinz Siewert aus Gleschendorf sind Stammkunden. „Wir holen hier immer unseren Fisch“, sagt Gerda Siewert und lässt sich sechs Butt einpacken. Am besten schmeckt er gebraten, verrät das Ehepaar, zahlt und verabschiedet sich. Um 12 Uhr schließt auch Lender den Stand. Bis zum nächsten Tag, wenn im derzeit ruhigen und touristenarmen Niendorfer Hafen das Leben seinen gewohnten Gang geht.

Beke Zill

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Beratungen über die Schienenanbindung zum Belttunnel gehen weiter. Der Bürgermeister hofft auf eine Einigung. Minister Buchholz hatte gewarnt, dass nur gemeinsame Forderungen Aussicht auf Erfolg hätten.

12.01.2019

Immer mehr Ostholsteiner Bürgermeister dürfen Paare trauen. Wie das geht, lernen sie in Rollenspielen. Hochzeiten an den Stränden der Gemeinde Schashagen sind ab 2019 möglich.

12.01.2019

Die beiden Geschäftsführer von Unizell verzichteten auf Geschenke von den Mitarbeitern, legten noch mal eine große Summe privat drauf und spendeten insgesamt 3000 Euro für den Verein Kinder auf Schmetterlingsflügeln.

12.01.2019