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Ostholstein Der Tante-Emma-Laden verschwindet
Lokales Ostholstein Der Tante-Emma-Laden verschwindet
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17:48 11.03.2018
„Dorfläden hat es früher immer gegeben“, sagt Kunde Edgar Dünnfründt (l.) aus Siblin. Er kauft bei Klaus-Peter Schumacher Hundefutter.

Die Sarauer müssen dann ohne ihren Kaufmann um die Ecke auskommen. Das Lebensmittelgeschäft in dem kleinen Ort in der Gemeinde Glasau macht zum Jahresende dicht. Pächter Klaus-Peter Schumacher (64) und seine Frau Karin (64) gehen nach 21 Jahren in Rente. „Wir werden beide 65 und jetzt ist Schluss“, sagt Klaus-Peter Schumacher, der eine Ausbildung im Einzelhandel gemacht hat. 1997 übernahm das Ehepaar das Geschäft, das seit 1954 besteht. „Ich hatte Lust dazu und wir hatten so unsere Ideen“, erzählt er von den Anfängen, in denen es wirklich gut lief. Die Anwohner kauften fleißig in dem Dorfladen.

Sarau. „Na geht es dir gut? Brauchst du wieder Hundefutter?“ „Ja, dieses hier kriege ich nur bei euch, mein Hund frisst nichts anderes.“ Klaus-Peter Schumacher kennt die meisten seiner Kunden. Diese werden jedoch immer weniger. Deshalb schließt er demnächst seine Tür endgültig ab.

„Die großen Discounter machen alles kaputt.Klaus-Peter Schumacher (64)

Pächter des

Geschäfts in Sarau

„Früher hatten wir alles“, sagt Karin Schumacher, die mit ihrem Mann seit 1977 in Sarau wohnt. Heute hätten sie ein Programm, das an das Kaufverhalten angepasst werde. Grundnahrungsmittel wie Mehl, Eier und Milch finden sich auf der 100 Quadratmeter großen Verkaufsfläche genauso wie Gemüse, Tiefkühlkost, Getränke, Drogerieartikel, Waschmittel und Tiernahrung. Vorne an der Kasse gibt es sogar noch Selbstgestricktes von der Nachbarin, auch Flohmarktartikel und gebrauchte Bücher bieten Schumachers an. Früher gab es in dem Geschäft eine Poststelle, ein Hermes-Paketshop ist übrig geblieben.

Dennoch wurde die Kundschaft im Laufe der Jahre immer weniger – viele ältere Stammgäste, die regelmäßig bei ihnen kauften, sind laut Schumachers verstorben oder ins Altersheim gegangen.

Inzwischen kämen Kunden oft nur alle vier Wochen einmal. „Und dann wundern sie sich, dass wir gerade das, was sie woanders bei ihrem Großeinkauf vergessen haben, nicht führen“, sagt der 64-Jährige.

Läden können mit den Discountern nicht mithalten

Das Persönliche, das so ein Geschäft ausmacht, werde nicht mehr geschätzt. „Die Kommunikation ist nicht mehr da, die Gesellschaft verändert sich“, sagt er. Zudem sind die Supermarkt-Ketten ein zu großer Konkurrent geworden. „Da können wir preislich nicht mithalten. Die Kunden wollen am liebsten zwischen 30 Sorten Brot auswählen. Auch das können wir ihnen nicht bieten.“ Die großen Discounter machten alles kaputt, welches kleines Geschäft könne da mithalten? Natürlich gebe es immer noch Dorfbewohner, die die Ausnahme bildeten und regelmäßig in den Laden kämen. „Vor allem die Handwerker halten uns am Leben“, sagt die 64-jährige Karin Schumacher. Für die Männer gibt es morgens Kaffee und belegte Brötchen, die Klaus-Peter Schumacher um 5 Uhr schon vorbereitet, wenn er seinen Laden aufschließt.

Aus finanzieller Sicht hätten die Schumachers schon früher aufgehört. Es sei kein Vollerwerbsbetrieb mehr.Damit gibt es ab Dezember keinen Lebensmittelladen mehr in der Gemeinde. Das ist jedoch kein Einzelfall – Landhandel wird immer seltener. Auch Elisabeth und Manfred Berndt mussten „Mannis Laden“ in Süsel schließen. In dem Dorf gibt es inzwischen nur noch einen Bäcker. „Es lohnte sich nicht“, sagt Elisabeth Berndt heute. Zwar lief das Geschäft mit den belegten Brötchen hervorragend. Doch für die 40 Cent, die sie für die Lebensmittel mehr nehmen mussten, „sind die Leute woanders hingefahren“.

Kaufhaus Gehrdt in Damlos trotzt der Konkurrenz

Regen Zulauf hat dagegen noch einer der selten gewordenen Dorfläden in Damlos. Dort betreibt Dorothea Rexin seit 32 Jahren das Kaufhaus Gehrdt, das es schon seit über 100 Jahren gibt. Die 62-Jährige kennt zwar kein Geheimrezept. Sie weiß jedoch, worauf es ankommt. „Man muss mit Leuten gut umgehen, muss sehen, wo es eine Lücke gibt und gutes Personal haben. Dann läuft’s“, erklärt Rexin. So lange sie gesund bleibe, werde sie weitermachen.

Für die Schumachers, die täglich in ihrem Laden stehen, ist indes im Dezember Schluss. Man freue sich auf die Freizeit. Karin Schumacher möchte viel im Garten machen, ihr Mann viel Fahrrad fahren. Dennoch werde er seinen Laden vermissen – vor allem den Geruch eines Gemischtwarenladens. Der sei speziell. Auf häufige Gesellschaft könnte der Chef übrigens in Zukunft eher verzichten. „Ich hatte ja in den letzten 21 Jahren immer Besuch.“

Beke Zill

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