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Der Traum vom eigenen Philharmonie-Orchester

Heiligenhafen Der Traum vom eigenen Philharmonie-Orchester

Dirigent Arimi Wolfgang Tsuchiya lebt in Heiligenhafen und möchte bis 2017 ein Jugendorchester mit 80 Musikern auf die Beine stellen.

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Lehrstunde des Dirigenten: Arimi Wolfgang Tsuchiya führte den LN die Stilrichtungen seiner Lehrmeister wie Bernstein und von Karajan vor.

Quelle: Fotos: Peter Mantik

Heiligenhafen. Hineingeboren in die Musik. Akkorde mit der Muttermilch. Vater Kunio, ein AusnahmeBratschist, spielte 42 Jahre lang mit den Berliner Philharmonikern, Mutter Noriko ist noch heute eine ausgezeichnete Klavierspielerin. Der Weg des jungen Arimi Wolfgang Tsuchiya war somit von der ersten Stunde an vorgezeichnet. Angekommen ist er mittlerweile in Heiligenhafen, dort plant er seine musikalische Zukunft. In ihm schlummert die Vision eines eigenen Philharmonie-Orchesters, eines 80-köpfigen deutsch-dänischen Jugendorchesters.

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„Ich habe die großen Dirigenten in Berlin studiert, sie waren meine Lehrmeister.“ Arimi Wolfgang Tsuchiya

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Zurück nach Berlin. Dort erlernte er als Kind die Instrumente Violine, Viola und Klavier, aber die Dirigenten unserer Zeit waren ihm eine Welt. Herbert von Karajan, Leonard Bernstein — natürlich — dazu Claudio Abbado und Sergiu Celibidache sowie wahnsinnig inspirierend Wilhelm Furtwängler. Das Leben eines Kindes ganz nah bei den Philharmonikern, wo er schon als kleiner Junge klammheimlich in den Konzertsaal schlüpfte und alles aufsog, was er dort bei den Proben zu sehen und hören bekam. „Diese Zeit war mir die beste Ausbildung, wertvoller als das Studium“, erzählt der junge Mann.

„Angefangen hat es mit Karajan, der sehr scheu und brüsk war, kaum ansprechbar und dann unheimlich autoritär. Dann sah ich Bernstein, das genaue Gegenteil. Ich habe viel von ihm gelernt, ihn im Detail studiert und dann viel von Karajan wieder abgelegt.“

Doch auch die beste Ausbildung, wie beispielsweise der Dirigentenwettbewerb als Schüler im Jahre 1983 unter den strengen Augen Herbert von Karajans führten nicht zum internationalen Durchbruch. In der Champions League der Musik war kein Platz für ihn. Frust, Enttäuschung, dann die „Höllenfahrt“ raus aus Berlin, „einfach nur raus“, nach Heiligenhafen, ans Meer, Luft schnappen. „Berlin war für mich privat und gesellschaftlich vom Naturell schwierig. Es passte nicht“, sagt er. Die Hauptstadt spielte ihm den Blues.

Am Graswarder gestrandet fand er zurück zu sich. Arimi Wolfgang Tsuchiya lebt seit einigen Jahren in Heiligenhafen, dies ist seine Basis, von hier aus möchte er sein neues musikalisches Leben beginnen. Er hat Pläne, denkt in großen Maßstäben. Selbstbewusst spricht er vom deutsch-dänischen Jugendorchester. 80 Musiker, so schwebt es ihm vor, sollen unter seiner Leitung zusammenfinden. Ein erstes Konzert könne er sich ab 2017 vorstellen. Der Dirigent träumt von einem Stück, das auswendig und ganz ohne Noten präsentiert wird. Dies wäre in der Klassik-Szene ein Novum.

Beim Fotoshooting mit den LN auf dem Graswarder gibt Tsuchiya ein stummes Konzert mit dem Glasfieber-Taktstock, führt die Stilrichtungen seiner Vorbilder — Karajan mit geschlossenen Augen, Bernstein lockerer, offener — als Gratis-Lehrstunde auf, das Ganze untermalt vom Rauschen der Ostsee. „Ich habe sehr früh gesagt, dass ich Dirigent werden möchte, ein besserer als mein Vater“, erzählt er. Dies sei typischer Kinder-Ehrgeiz. Der Vater mit dem Sohne. Obwohl seine Mutter ihm mehr Inspiration gab als der alte Herr, der noch heute als freier Musiker im Alter von 80 Jahren von Berlin nach Tokio und zurück zwischen den Welten jettet und musiziert. Er selbst probt täglich sechs Stunden lang, nebenbei organisiert er, plant er, führt er endlose Gespräche mit der Wirtschaft. Er braucht für sein Vorhaben Geld, eine sechsstellige Summe, und einen Konzertsaal.

Note für Note. 2014 wird ein Übergangsjahr. Er präsentiert sich beispielsweise bei der Kult(o)urnacht, will auf dem Ponton auf dem Binnensee selbst zusammengestellte Konzert-Ausschnitte der Berliner Philharmoniker zeigen. Immer wieder die Vergangenheit im Jetzt. Er sagt: „Ich werde mich immer an der Nummer eins der Branche orientieren.“ Sir Simon Rattle und das 128-köpfige Berliner Orchester sind der höchste Maßstab. Doch Tsuchiya bleibt bei allem, was er tut, ganz er selbst. 2012 beispielsweise führte er seine filigranen Finger beim Konzert im leeren Schwimmbecken des Aktiv-Hus über die Tasten des Flügels, zelebrierte klassische Musik und begeisterte sein Publikum. Ein erster Vorgeschmack.

Der Künstler
Arimi Wolfgang Tsuchiya, in Berlin geboren, familiäre Wurzeln in Tokio, wo er nur zwei Mal zu Besuch war; Vater und Mutter sind klassische Musiker, die gegen den Willen ihrer Familien 1958 nach Berlin auswanderten; Arimi Wolfgang Tsuchiya unterrichtete 25 Jahre lang Jugendliche, war sogar

im Leistungsbereich Jugendfußball-

Trainer bei Hertha Zehlendorf.

Peter Mantik

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