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„Der Zeitraum für den Verkehrsversuch ist unpassend“

Eutin „Der Zeitraum für den Verkehrsversuch ist unpassend“

Die erste Arbeitswoche hat Eutins neuer Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos) hinter sich. Er setzt auf Kommunikation und Dialog. Ein Interview mit ihm lesen Sie in den Lübecker Nachrichten.

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Eutin. Es war Ihr Jugendtraum, Bürgermeister zu werden. Ziel erreicht. Wie ist es, jetzt hier zu sitzen?

 

LN-Bild

Seit dem 1. August ist Carsten Behnk Bürgermeister in Eutin und damit Chef von rund 140 Mitarbeitern in der Verwaltung.

Quelle: Fotos: Benthien

Carsten Behnk: Total toll. Ich habe wohl das schönste Büro in ganz Eutin. Hier lässt es sich gut arbeiten. Das Ziel, Bürgermeister zu werden, habe ich tatsächlich immer vor Augen gehabt. Dass es geklappt hat, so deutlich und überzeugend, war eine Überraschung – ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich an den Wahltag denke.

Sie sind parteipolitisch nicht gebunden. Sehen Sie das als Vorteil für Ihre Arbeit?

Behnk: Auf jeden Fall. Das war schon in meiner bisherigen Tätigkeit so: Man muss möglichst objektiv sein und mit allen politischen Kräften zusammenarbeiten. Das gilt natürlich jetzt auch für mich als Bürgermeister. Ich bin nicht festgelegt, kann mich nach meinen eigenen Einschätzungen ausrichten, mir aber die besten Argumente zu eigen machen. Bei Streitereien gilt es, Moderator und Mediator zu sein.

Einer Ihrer Vorsätze ist es, die Kommunikation zu verbessern – innerhalb der Verwaltung, zwischen ihr und der Selbstverwaltung und auch nach außen. Wie wollen Sie das angehen?

Behnk: Das habe ich in meinem Werdegang immer wieder festgestellt: Kommunikation ist der Schlüssel zu allem. In Eutin erscheint sie mir auf verschiedenen Ebenen verbesserungsfähig. Das mag an Dingen aus der Vergangenheit liegen. Man muss das ausräumen, einen Neuanfang machen, um zu einem guten Miteinander zu kommen.

Der Bund der Steuerzahler klagt ebenfalls über mangelnde Kommunikation. Er moniert, dass die LGS mit den Zahlen der verkauften Tagestickets hinter dem Berg hält. Wird sich das mit Ihnen als Aufsichtsratsvorsitzendem der Landesgartenschau-Gesellschaft ändern?

Behnk: Ich finde es überhaupt nicht problematisch, wenn man da Transparenz zeigt und nach vorne geht. Als GmbH muss man zwar nicht alles sofort auf den Tisch legen, weil es schützenswerte Finanzdaten gibt. Aber letztendlich holt es uns ja früher oder später ein. Warum also soll man die Information über verkaufte Einzeltickets nicht herausgeben. Ich werde dafür werben. Ein großes Rätselraten ist eher schädlich. Meiner Einschätzung nach wird es eng betriebswirtschaftlich betrachtet wohl nicht zu einem Plus bei der LGS kommen. Man muss jedoch das große Ganze betrachten, und die LGS hat einen großen Mehrwert für Eutin. Das werden die nächsten Jahre zeigen.

Sie haben schon im Februar die Zahl der prognostizierten Besucher von 650000 angezweifelt. Die Zwischenbilanz scheint Sie zu bestätigen.

Behnk: Ich empfinde da keine Genugtuung. Wer sich hier ein bisschen auskennt und die Einwohnerzahlen der Region betrachtet, kann es sich ausrechnen. Es ist ja auch nicht davon auszugehen, dass jeder einmal herkommt. Eine Landesgartenschau in Bayern oder Baden-Württemberg mit dichtbesiedeltem Gebiet hat es da leichter. Das Marketing für die LGS muss verstärkt werden, was ja bereits geschieht. Die wichtigen Bundesländer sind jetzt vor Ort. An den Küstenorten und auf Märkten müssen die Urlauber erfahren, wie schön es auf der LGS ist. Das könnte noch der Schlüssel zum Erfolg sein und bewirken, dass das Ruder noch herumgerissen wird. Der „Lichterglanz im Schlossgarten“ war eine tolle Sache. Die Stimmung ist gut, wir müssen sie aufnehmen. Selbst wenn die LGS betriebswirtschaftlich gesehen kein Erfolg werden sollte: Eutin ist in aller Munde und macht sich einen neuen Namen. Das Image, das wir gerade erwerben, ist ein sehr gutes.

Im Wahlkampf haben Sie erklärt, Eutin werde im Bereich Tourismus nicht richtig wahrgenommen. Wie ist das zu ändern?

Behnk: Den Schub durch die Landesgartenschau müssen wir mitnehmen. Eutin ist jetzt ständig in den Nachrichten, die Berichterstattung ist eine sehr gute. Diese Werbung müssen wir nutzen. Eutin hat viele Pfunde, die hier gar nicht mehr wahrgenommen werden, die aber Fremde anlocken könnten. Wir haben jetzt den Effekt, dass Besucher sagen: Die Stadt, die Umgebung, die Seen sind so schön!

Aktiv-Urlaub, Ruder-, Wander- und Fahrrad-Tourismus, Mountainbiking-Touren. Wir können da mit relativ wenig Aufwand viel erreichen. Es ist wichtig, dass wir da Marketing betreiben und mit allen Akteuren an einem Strang ziehen.

Sie plädieren für ein einheitliches Marketing der Stadt. Wer soll sich darum kümmern, die Tourist-Info, die Stadtmanagerin, eine neue Abteilung?

Behnk: Einen fertigen Plan habe ich nicht in der Tasche, aber ich habe eine Idee. Ich glaube zu wissen, woran es zurzeit hapert und sehe mich durch verschiedene Einzelgespräche bestätigt.

Seit längerem schon gibt es die „Zukunftswerkstatt Eutin“, in der sich verschiedene Akteure zusammengefunden haben. Federführend sind Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt und Per Köster von der Eutin GmbH. Die Arbeit dieser Gruppe finde ich sehr wertvoll. In Kürze wird es eine öffentliche Präsentation geben. Ein Produkt der Zukunftswerkstatt ist der Flyer „Eutiner Sommerreigen“, der bereits auf der Landesgartenschau verteilt wird und als Vorschau für 2017 auf die Schönheiten, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen in Eutin hinweist.

Die geplante Jugendherberge könnte neue Gäste bringen. Wie ist der Verhandlungsstand mit dem Deutschen Jugendherbergswerk? Ist ein Baubeginn 2017 möglich?

Behnk: Ich hoffe es – und auf eine Aussage vom DJH dazu. Mit dem Geschäftsführer werde ich mich in Kürze auf der LGS treffen und die Flächen nochmal begehen. Das Jugendherbergswerk steht zu Eutin, das ist ganz wichtig. Wir sollten ihm den roten Teppich ausrollen. Eine Jugendherberge würde Eutin viele positive Effekte bringen: Übernachtungs-Kapazitäten, eine Belebung der Stadt mit Kindern und Jugendlichen. Man sollte auch nicht vergessen, dass ein Multiplikatoreneffekt eintritt. Die Gäste, ob jung oder älter, werden mit Familie und Freunden wiederkommen.

Ein zweites Bürgerbegehren für das Haus des Gastes wollten Sie vermeiden, indem Sie den Dialog suchen. Nun ist es doch in Vorbereitung.

Behnk: Leider, aber man muss das akzeptieren. Das ist Demokratie. Ich habe mehrfach mit dem verstorbenen Eckhard Ahrens gesprochen, auch er wollte kein zweites Bürgerbegehren. Es ist schade, dass die Zusage nach seinem Tod nicht mehr gilt. Einig sind sich alle darin, dass die Fläche mit dem Haus des Gastes eine wichtige Stelle in Eutin ist. Darauf will ich versuchen aufzubauen. Es ist eine 1a-Lage. Wichtig ist mir, dass Perspektiven für Eutin und diesen Standort nicht verbaut werden.

Die Wirtschaftsvereinigung Eutin (WVE) will den Verkehrsversuch mit Sperrung des Rosengartens stoppen und will mehr Einfluss in der Kommunalpolitik. Wie stehen Sie dazu?

Behnk: Alle Kräfte in einer Stadt sollen kommunalpolitischen Einfluss haben. Sie sind aufgerufen, sich über die Fraktionen bei der nächsten Kommunalwahl mitaufzustellen. In jeder Einwohnerfragestunde ist Gelegenheit, sich einzubringen. Die Fraktionen sind offen, man kann sie ansprechen. Der Dialog mit der WVE ist immer gesucht worden. Ich werde mich da auch nicht versperren, es geht nur gemeinsam. Die Unternehmer in der Stadt, ob in der WVE oder nicht, sind eine wichtige Größe, und ich würde sie immer mit einbeziehen. Zum Verkehrskonzept habe ich im Wahlkampf schon gesagt: Es kann nur greifen, wenn zuvor alle Facetten beleuchtet worden sind. Wir müssen prüfen, ob wir weitere Parkflächen zur Verfügung stellen können, dann ein Parkleitsystem einrichten. Der Eutiner weiß, wo er parken kann, aber für Fremde, die in die Stadt kommen, ist es schwierig. Die WVE-Sorgen kann ich nachvollziehen. Ein Verkehrsversuch ab Oktober, im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft, ist ein völlig unpassender Zeitraum.

Der Neubau für die Feuerwehr an der Kerntangente, die Sporthalle am ehemaligen Güterbahnhof, die Erweiterung der Wisser-Schule, die weitere Stadtsanierung – Eutin hat viele Großprojekte und das bei einer Gesamtverschuldung von rund 42 Millionen Euro. Wie soll der Spagat bewältigt werden?

Behnk: Das ist nicht einfach. Eutin hat viel angeschoben, und viele Projekte müssen auch realisiert werden. Barrierefreiheit und Inklusion gehören ebenfalls dazu, die Schulsituation insgesamt, sehr wichtig ist die Wiederherrichtung der Schlossterrassen als Veranstaltungsort. Das alles bei einem Schuldenstand, der bedrückend ist. Ich gehe aber davon aus, dass die Situation beherrschbar ist und bleiben wird. Das möchte ich aber noch weiter analysieren und auch sehen, wo Prioritäten gesetzt werden müssen. Etliche Projekte warten ja schon länger auf Realisierung, und für einige Bereiche ist es wirklich dringend.

Die Rückkopplung „was will der Bürger“ haben Sie im Wahlkampf zugesagt. Wie wollen Sie das einhalten?

Behnk: Ich bin in der Stadt ansprechbar, werde aber auch von mir aus den Kontakt zu Akteuren, Vereinen und Verbänden suchen. Wie angekündigt, wird es eine regelmäßige Bürgersprechstunde geben. Ich möchte den Eutinern das Gefühl geben, dass sie sich an mich wenden können.

 Gespräch: Ulrike Benthien

Sieg in allen 16 Wahlbezirken

71,3 Prozent (4960 Stimmen) holte Carsten Behnk (49) am 28. Februar und gewann die Wahl zum Bürgermeister von Eutin. Der parteilose, aber von der CDU unterstützte Bewerber setzte sich dabei in allen 16 Wahlbezirken gegen SPD-Kandidatin Regina Poersch (SPD) durch. Seine Amtszeit beträgt sechs Jahre.

Carsten Behnk war zuvor Geschäftsführer der Kulturstiftungen und Leiter des Fachdienstes Bildung, Kultur und Sport des Kreises Ostholstein. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.

LN

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