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Ostholstein Der elfjährige Ole braucht einen eigenen Defibrillator
Lokales Ostholstein Der elfjährige Ole braucht einen eigenen Defibrillator
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18:21 18.06.2016
Ole Hamann (11) braucht dringend einen eigenen „Defi“. Das wissen auch Vater Klaus-Peter Lundius (von links), die Notfallsanitäterin Esther Timm von der JUH und Oles Mutter Pia Hamann. Quelle: Christina Düvell-Veen

Seine Eltern haben Tränen in den Augen, wenn Ole von seinem allergrößten Traum erzählt. Ihr Sohn möchte keine neue Spielkonsole, kein Fahrrad und auch kein Handy. „Ich wünsche mir nur einen ,Defi‘“, sagt der Elfjährige leise, schaut dabei Mutter Pia Hammann (47) und Vater Klaus-Peter Lundius (49) an. Beide nicken ihm liebevoll zu und erklären, warum es diesen Wunsch gibt.

Ole beschreibt es kurz mit: „Ich habe was mit dem Herzen.“ Dabei ist es natürlich sehr viel komplizierter. Bei Ole wurde im Alter von drei Jahren ein seltener Herzfehler, das Long-QT-Syndrom, festgestellt. Dieser Gendefekt ist eine lebensgefährliche Krankheit. Ärzte in Eutin, aber auch ihre Kollegen an den Uni-Kliniken in Lübeck und Kiel empfehlen, immer einen Defibrillator, kurz „Defi“

genannt, dabei zu haben. „Da wir nicht wissen, wann sein Herz einmal aussetzt, und dies kann jederzeit passieren, muss schnell gehandelt werden. Jede Minute zählt“, wissen auch Oles Eltern. Sie stellten einen Antrag bei ihrer Krankenkasse „Viactiv“ in Essen, erfuhren von dort aber eine Ablehnung und legten Widerspruch ein. Mitarbeiter der Krankenkasse lehnten den Antrag auf Kostenübernahme erneut ab. Der für Ole beantragte Defibrillator sei in dem Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen nicht aufgeführt, heißt es, und weiter: „Ein Defibrillator – so nützlich er auch im Notfall sein kann – erfüllt diese Hilfsmitteleigenschaft nicht, da er das eigentliche Risiko eines solchen Notfalls nicht minimieren kann.“

Da sie von Ärzten und anderen Experten immer wieder hörten, ein „Defi“-Einsatz könne lebensrettend sein, wandten sich Oles Eltern an Esther Timm, Notfallsanitäterin bei der Johanniter Unfallhilfe (JUH) in Eutin. Von ihr wusste Klaus-Peter Lundius, der im Ehrenamt stellvertretender Ortswehrführer in Eutin ist, dass sie in ihren Erste-Hilfe-Kursen auch den Umgang mit „Defis“ lehrt und sich somit mit der Technik auskennt. Ein Gerät kostet etwa 1500 Euro, berichtete Esther Timm. Besser aber noch wäre für Ole eine „Defi“-Weste, die er ständig trägt, und die in Notfällen sofort eigenständig reagiert.

Esther Timm rief eine Spendenaktion ins Leben und warb dafür bereits während der Jubiläumsfeier „40 Jahre Rettungshubschrauber Christoph 12“. 512 Euro kamen an dem Tag zusammen. Geld wanderte in die aufgestellte Spendendose, wurde aber auch über den Verkauf von Kaffee und Kuchen gesammelt, den die Jugendfeuerwehr Eutin organisiert hatte. Ole gehört seit einem Jahr zu ihnen und ist einer der eifrigsten Besucher von Dienstabenden. Kein Wunder also, dass sein Berufswunsch „Feuerwehrmann in einer großen Stadt“ ist.

Jetzt aber besucht er erst einmal die Gustav-Peters-Grundschule in Eutin. Dort ist sein Vater als Hausmeister beschäftigt. Als Angestellter der Eutiner Stadtverwaltung fand Lundius mit seinen Sorgen auch bei Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz offene Ohren. „Bei uns in der Schule, aber auch in anderen Schulen und in einigen Sportstätten wurden „Defis“ angebracht, Lehrer und Mitarbeiter bekamen Schulungen", berichtet Lundius dankbar. Gleiches gelte für das Kaufhaus LMK und für andere öffentliche Plätze.

Die kleine Familie, zu der auch die Schwester Lia (9) gehört, versucht, so natürlich wie möglich mit Oles Krankheit umzugehen. Er spielt mit seinen Freunden, treibt Sport, so gut es geht, mag das Textile Werken in der Schule besonders gerne, hat dagegen für Mathe weniger übrig, und er liest für sein Leben gerne Comichefte. Anders als andere Jungs aber muss Ole dreimal täglich Betablocker einnehmen, und er weiß genau, wann seine Kräfte nachlassen. Dann legt er sich mal kurz hin und lässt seine Umgebung wissen: „Ich mach’ jetzt erst einmal die Augen zu.“

Wer Ole und seine Familie unterstützen möchte, bekommt weitere Informationen bei Esther Timm – per E-Mail an esther.timm@johanniter.de. Adresse:

JUH-Unterkunft, 23701 Eutin, Max-Planck-Straße 7.

Punktuelle Stromstöße beenden Kammerflimmern

Das Long-QT–Syndrom (LQTS) umfasst seltene, genetisch bedingte, funktionelle Störungen des Herzens. Es tritt mit einer Häufigkeit von 1:5000 bis 1:15000 bei allen lebend geborenen Babys auf.

Typisch ist anfallsartig auftretendes Herzrasen, das zu Schwindelattacken und plötzlicher Bewusstlosigkeit bis zum Herzstillstand führen kann.

Defibrillatoren oder Schockgeber können Herzrhythmusstörungen – dazu gehören Kammerflimmern oder Kammerflattern – durch punktuelle Stromstöße beenden. Quelle: Klinikum Heidelberg/Merriam-Webster

Christina Düvell-Veen

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