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21:24 30.08.2016
Jean-Philipp Sievers beim Betanken seiner „Piper PA-12 Super Cruiser“ – Baujahr 1947 – auf dem Flugplatz Grube. Quelle: Thomas Klatt

Jura war ihm „irgendwie zu langweilig“. Stattdessen machte Jean-Philipp Sievers seine Leidenschaft für die Fliegerei zum Beruf. Seit 30 Jahren fliegt der 53-Jährige jetzt schon mit Werbebannern über Ostholstein. Und hat dabei auch schon einige kuriose Aufträge an Land gezogen.

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Jean-Philipp Sievers beim Betanken seiner „Piper PA-12 Super Cruiser“ – Baujahr 1947 – auf dem Flugplatz Grube.

„Viele Menschen freuen sich über diese alte Form der Werbung.“ Jean-Philipp Sievers

Schon mit 16 Jahren hatte Sievers mit der Fliegerei begonnen. Sein späteres Studium finanzierte er bereits über die Bannerwerbung in der Luft. „Irgendwann wurde mir dann aber klar, dass das eine gute Kombination zwischen beruflicher Selbstständigkeit und meinem Hobby ist“, erinnert sich Sievers. Gedacht getan: Er kaufte sich einen Oldtimer der Lüfte, eine „Piper PA-12 Super Cruiser“ – Baujahr 1947.

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Doch bevor der 53-Jährige mit seiner "Piper" starten kann, muss erst alles vorbereitet werden - inklusive Tanken.

Die alte Lady trägt ihn seitdem über die Gebiete, die seinen Auftraggebern als lukrativ für die Werbung erscheinen. Freizeitparks, Teppich- und Küchenfirmen, Autohäuser oder die Karl-May-Spiele zählen zu seinen Auftraggebern. Darüber hinaus bringt Sievers aber auch Grußbotschaften an den Himmel: „Immerhin rund 30 Prozent meiner Aufträge sind Heiratsanträge oder die Bekanntgabe von Hochzeiten.“ Auch Jubilare und Geburtstagskinder können beizeiten ihnen zugedachte Glückwünsche am Himmel lesen. Ganz aktuell wirbt Sievers zudem für einen Besuch der Landesgartenschau in Eutin. Und auch die traurige Nachricht von Sterbefällen hat er bereits auf diese Weise überbracht. „Auftraggeber sind dann oftmals Angehörige von Personen, die in irgendeiner Weise der Fliegerei verbunden gewesen sind.“

Um 8 Uhr morgens holt Sievers seine einmotorige Piper aus dem Hangar des kleinen Flugplatzes in Uetersen. Arbeitsbeginn. Bis zu 500 Quadratmeter groß können die Werbebanner sein, die Sievers hinter sich herschleppt. Für die Aufnahme wird ein am Banner befestigtes Seil „wie eine Wäscheleine“ rund zwei Meter über dem Boden gespannt. Ein weiteres, mit einem Anker versehenes Seil zieht Sievers im Flugzeug hinter sich her. Hakt sich der Anker im Bannerseil fest, wird es im Flug vom Boden aufgenommen. „Klappt nicht immer auf Anhieb, aber meistens spätestens beim zweiten oder dritten Anlauf.“

Geflogen wird im Sommer wie im Winter, wobei die kürzeren Tage in der dunklen Jahreszeit das Zeitfenster zum Fliegen natürlich einschränken. „Die Zeit nutze ich dann vor allem zum Warten der Ausrüstung, aber auch, um neue Kunden für diese Form der Werbung zu aquirieren.“

Die Hochzeit der Himmelsbotschafter ist zwar längst vorbei – Sievers datiert sie auf Mitte der 60er Jahre – doch hat sich die Bannerwerbung ein Nischendasein bewahrt. Sievers: „Die Menschen werden auf allen neuen medialen Kanälen mit so viel Werbung überfrachtet, dass einige sich über diese althergebrachte Form immer wieder freuen.“

Einmal, so erinnert er sich, habe er einen Auftrag von einem Mann bekommen, der mit Hilfe einer Bannerbotschaft seine Frau zurückgewinnen wollte. Kurze Zeit später sei das Paar dann eng umschlungen bei ihm erschienen und habe sich mit einer Flasche Sekt bedankt. Für Jean-Philipp Sievers ein weiterer Grund, warum es ihm Spaß macht, seine „himmlischen Botschaften“ zu verbreiten.

 Thomas Klatt

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