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Der hölzerne Glockenturm in Landkirchen wird gerettet

Fehmarn Der hölzerne Glockenturm in Landkirchen wird gerettet

Das Kulturdenkmal drohte zu zerfallen. Es könnte älter als gedacht sein. Jetzt fließen Spenden und Gelder aus Berlin.

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Bettina Hagedorn (SPD) und Architekt Torsten Ewers demonstrieren, wie marode das Holz war.

Landkirchen a. F. Die Handwerker trotzen der bitteren Kälte. Und kommen sichtbar gut voran. Sie haben ein ehrgeiziges Ziel: Der marode hölzerne Glockenturm neben der St.-Petri-Kirche zu Landkirchen wird für rund 400 000 Euro aufwändig saniert. Eine riesengroße Herausforderung, die nur möglich ist, weil 200000 Euro aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes fließen.

Die Bundestagabgeordnete Bettina Hagedorn (SPD) hatte sich 2015 im Berliner Haushaltsausschuss erfolgreich dafür eingesetzt. In dieser Woche überreichte sie gemeinsam mit dem stellvertretenden Landeskonservator Dr. Dirk Jonkanski den offiziellen Förderbescheid. „Für unsere Kirchengemeinde ist das ein ganz großer Tag“, betonte Landkirchens Pastor Bertolt Kark-Carlson.

Vielleicht gibt es sogar noch eine zusätzliche ganz große Überraschung. Denn bislang sind alle davon ausgegangen, dass der mächtige, 24 Meter hohe Glockenturm aus dem Jahr 1638 stammt. Doch im Landesamt für Denkmalschutz glaubt man, dass er wesentlich älter ist.

Laut Jonkanski ist die Inschrift mit der Jahreszahl 1638 lediglich auf eine Instandsetzung zurückzuführen: „Denn seinem Gefüge nach stammt das Gerüst mindestens aus dem 16. Jahrhundert.“ Experten am Hamburger Institut für Holztechnologie und Holzbiografie sollen anhand der Jahresringzählung jetzt Genaueres ermitteln. In Norderbrarup (Kreis Schleswig-Flensburg) konnten sie zuletzt bei einem vergleichbaren kirchlichen Bauobjekt die Jahreszahl 1441 ermitteln.

Die bronzene Glocke in Landkirchen weist immerhin das Datum 1494 auf. Und: Der Grundstein für die dreischiffige St.-Petri-Kirche gleich nebenan wurde bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gelegt.

Vorrangiges Ziel ist es, den Glockenturm zu Landkirchen, der seit 1968 ein Kulturdenkmal von besondere Bedeutung ist, vor dem drohenden Verfall zu bewahren. Dafür arbeiten Architekt Torsten Ewers, der Kirchenkreis und die Denkmalpflege mit versierten Handwerkern zusammen, die sich mit alten Bauwerken bestens auskennen. Als Dankeschön überließen sie anlässlich des offiziellen Termines aber Hagedorn — mit Unterstützung durch Ewers — den symbolischen Hammerschlag im Glockenturm-Inneren.

Pastor Karl-Carlson und das „Turm-Team Landkirchen“ freuen sich, dass die Finanzierung jetzt nahezu endgültig gesichert ist. Weitere 40000 Euro gibt der Kirchenkreis, rund 75 000 Euro fließen von der Versicherung nach einem Sturmschaden im Jahr 2014. Dazu kommen nunmehr fast 70000 Euro durch Spenden, Veranstaltungen und andere Aktionen der Kirchengemeinde.

Karl-Carlson: „Das alles zeugt vom guten Zusammenhalt auf der Insel und einem lebendigen Gemeindeleben im Mittleren Kirchspiel.“ Hagedorn sprach ausdrücklich von einem „Symbol der Heimat“ in Landkirchen: „Niemand möchte sich dort ein Leben ohne den Glockenturm vorstellen.“

Seit dem 1. Dezember 2015 laufen die Arbeiten am maroden Turm. „Begonnen wurde mit der Grundplatte und der Sanierung der umlaufenden Feldstein-Fundamentmauer, auf der der Turm ruht“, so Matthias Höls, Leiter der Bauabteilung des Kirchenkreises. Danach folgen die Erneuerung tragender Bauelemente, der Einbau von Sicherungsmaßnahmen sowie die neue Bekleidung und Eindeckung. Vom Kirchenkreis nahm Synodenpräses Dr. Peter Wendt am offiziellen Termin teil.

Mit großem Respekt würdigte Bürgermeister Jörg Weber (SPD) das Engagement: „Wir haben sonst oft das Gefühl, von Berlin oder Kiel verlassen zu werden.“ Immerhin flossen mehr als 20 Prozent des Denkmalschutz-Sonderprogrammes nach Fehmarn.

„In Holstein ist es eines der mächtigsten, vielleicht auch ältesten Glockenhäuser.“
Dr. Dirk Jonkanski, stv. Landeskonservator

Gerd-J. Schwennsen

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