Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Der ungewollte Teich von Neversfelde
Lokales Ostholstein Der ungewollte Teich von Neversfelde
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:44 10.02.2016
Zu Füßen des Hauses von Familie Jagszent erstreckt sich eine etwa 5000 Quadratmeter große Wasserfläche. Quelle: Fotos: Peyronnet
Anzeige
Neversfelde

 Nur die Hochbeete ragen noch über den Wasserspiegel hinaus.

„Das Wasser läuft nicht mehr ab, es steigt sogar.“

Sigrid Jagszent, Gartenbesitzerin

„Das geht so seit Mitte November. Da fing es an, sich aufzustauen“, berichtet Sigrid Jagszent, die mit ihrem Mann Hans am Lerchenweg in Neversfelde wohnt. Hinter dem Siedlungshaus der Familie aus den frühen 1960er-Jahren erstreckt sich ein großer, abfallender Garten, der in einer Senke endet. Enden sollte. Zurzeit endet er schon auf halber Strecke zwischen dem Haus und dem Gemüsegarten, der auf dem flachen Teil des Geländes liegt.

Ganz hinten hinter dem Grundstück liegt ein kleiner Teich. Früher lief dort immer das Regenwasser hinein und dann weg. „Aber jetzt läuft es nicht mehr ab, es steigt sogar“, klagt Sigrid Jagszent. Der viele Regen dieses Winters hat die Situation noch verschärft. Mittlerweile ist vom Nutzgarten fast nichts mehr übrig, und auch Kompost und Brennholz sind längst zur Hälfte im Wasser versunken.

Familie Jagszent wendete sich hilfesuchend an die Gemeine Malente und an den Wasser- und Bodenverband. Beide hätten signalisiert, dass sie nicht zuständig seien. Nächste Station war die Untere Wasserbehörde beim Kreis Ostholstein. Jetzt bewegt sich etwas, berichtet Sigrid Jagszent. Zum einen habe die Wasserbehörde das Straßenbauamt hinzugezogen. Zum anderen sei ein Ortstermin anberaumt worden. Am kommenden Montag wollen sich Vertreter von Wasserbehörde, Wasser- und Bodenverband sowie der Gemeinde Malente ein Bild von der Lage machen. Davon erhofft sich Sigrid Jagszent eine Lösung ihres Problems.

Falls es weiter stark regnet, könnte dieses Problem bald eines der Gemeinde und des Kreises werden. Denn das Wasser steht schon fast auf Höhe des Grebiner Weges, der an einer Seite des neu entstandenen Teiches verläuft. Es fehlt nicht mehr viel, dann schwappt das Wasser über die Straße.

Gerd Schumacher, bis zum vergangenen März 15 Jahre lang Vorsteher des Wasser- und Bodenverbandes Schwentine, kennt in Neversfelde und Umgebung jedes Rohr, jeden Wasserlauf und jede feuchte Stelle.

Und er kennt die Ursache des überschwemmten Gartens: ein seit Jahren zerbrochener und nun verstopfter Vorfluter, ein verrohrter Ablauf. Er führt jenseits des Grebiner Weges unter Schumacherschem Ackerland entlang. Auch die Bruchstelle kenne er genau, denn an einer Stelle auf dem Acker sei der Boden seit Jahren aufgequollen. „Ich habe immer gesagt: Ihr müsst euch darum kümmern.“ Die Gemeinde habe aber darauf beharrt, das gehe sie nichts an, sie kümmere sich nur um die Straßenentwässerung. Dass es nun noch ein halbes Jahr gedauert habe, bis ein Ortstermin zustande gekommen ist, sei ihm unverständlich, so Schumacher.

Eines ist für ihn aber auch klar. Der kaputte Vorfluter kann nicht erneuert werden. Unter der Straße hindurch zu bohren, verbiete sich, weil dort eine Starkstromleitung und ein Natokabel verlaufen, ein Anfang der 1960er-Jahre heimlich verlegtes Befehlskabel, das von Malente nach Kiel führt und für den Fall gedacht war, dass „der Russe kommt“.

Schumacher hat eine genaue Vorstellung davon, wie das Problem anders gelöst werden kann. „Rein bautechnisch ist das leicht machbar. Ich hätte das Wasser schon vor einer Woche weggehabt.“

Allerdings bedürfe es dafür einer wasserbehördlichen Genehmigung.

Susanne Peyronnet

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige