Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Deutsche Aufklärer gerieten in Mali unter Beschuss
Lokales Ostholstein Deutsche Aufklärer gerieten in Mali unter Beschuss
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:32 26.07.2017
Mali-Einsatz des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“ aus Eutin – keine ungefährliche Mission. Quelle: Fotos: Bundeswehr/michael Kandler
Anzeige
Eutin

„Nordmali ist sehr unruhig, entsprechend gefährlich ist der Einsatz für unsere Soldaten.“ Das hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) immer wieder betont, seit der Bundestag Ende Januar die Beteiligung der Bundeswehr an der UN-Mission „Minusma“ beschloss. Am Mittwoch um 14.15 Uhr unserer Zeit gab es die Bestätigung. Eine Patrouille mit mehreren Fahrzeugen wurde nördlich von Gao beschossen. Offenkundig waren es Eutiner Aufklärer. Es war das erste Mal, dass deutsche Einsatzkräfte in dem westafrikanischen Land unter Feuer gerieten.

Zur Galerie
Keine offizielle Bestätigung, aber offenbar waren Eutiner Soldaten betroffen – Zum Glück wurde niemand verwundet – Schützen konnten nicht identifiziert werden.

Der Vorfall ging glimpflich aus. „Es wurden keine deutschen Soldaten verwundet und keine Fahrzeuge beschädigt. Alle an der Patrouille beteiligten deutschen Soldaten befinden sich wieder im Camp Castor“, erklärte gestern früh das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam. Zu dem Beschuss mit Handwaffen sei es während eines Halts gekommen. „Die Patrouille wich aus und verlegte zurück nach Gao“, so das Einsatzführungskommando.

In Potsdam wollte man auf Anfrage nicht bestätigen, dass Aufklärer aus Eutin betroffen waren. „Wir trennen ein Einsatzkontingent nicht nach Standorten“, sagte ein Sprecher. Aus anderen Kreisen erfuhren die LN jedoch, dass deutsche Kräfte einer Aufklärungskompanie Ziel der Attacke waren – das deutet auf Eutin. Die Patrouille sei auf dem Weg Richtung Kidal gewesen. Der Beschuss erfolgte demnach aus einer Ortschaft mit einer großkalibrigen Handfeuerwaffe, war aber so kurz, dass die Schützen nicht ausgemacht werden konnten. Das Feuer sei nicht erwidert worden. Die Einsatzregeln erlauben das auch nur, wenn der Gegner aufgeklärt werden konnte.

Rund 120 Soldaten des in der Eutiner Rettberg-Kaserne stationierten Aufklärungsbataillons 6 sind derzeit in Mali, dessen Norden von islamistischen Kämpfern bedroht ist. Die Aufklärer sollen der UN-Blauhelmtruppe Minusma zu einem besseren Lagebild verhelfen. Sie sind mit Spähwagen und Drohnen vor Ort. Dazu kommen zu ihrem Schutz eine schnelle Eingreiftruppe aus Hagenower Panzergrenadieren und Objektschützer aus dem niedersächsischen Schortens. Insgesamt sind nach Angaben des Einsatzführungskommandos aktuell rund 500 Bundeswehr-Soldaten an der Minusma-Mission beteiligt, weitere 150 trainieren im Rahmen einer zweiten Mission im ruhigeren Süden des Landes malische Soldaten.

„Das bestätigt meinen Eindruck, dass dies kein ungefährlicher Einsatz, sondern von der Bedrohungslage mit Afghanistan vergleichbar ist“, kommentierte der Verteidigungsexperte und Ostholsteiner Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens (CDU) den Vorfall. Gädechens weiter: „Die Straße nach Kidal ist kein Wanderpfad, das ist brandgefährlich da oben.“

Das Bundestagsmandat erlaubt die Entsendung von bis zu 950 Soldaten nach Mali. Das dürfte bald ausgeschöpft werden. Von der Leyen will zum Jahresende große Heron-Drohnen schicken, die fast den gesamten gefährlichen Norden des Landes beobachten können.

 pet

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige