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Ostholstein Diabetiker-Radtour mit E-Bikes: 1100 Kilometer in neun Tagen
Lokales Ostholstein Diabetiker-Radtour mit E-Bikes: 1100 Kilometer in neun Tagen
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23:25 22.09.2016
In der zwölfköpfigen Gruppe waren Teilnehmer aus ganz Deutschland vertreten. Quelle: hfr

An Fahrradfahren mag Hans-Jürgen Eindorf dieser Tage nicht denken. Das lässt sein gebrochener Fuß auch gar nicht zu. Doch der 63-Jährige ist auf den Geschmack gekommen. Hinter ihm liegt ein großes Abenteuer. Er gehörte zu zwölf Diabetikern, die, von der Deutschen Diabetes Hilfe eingeladen, mit E-Bikes von Timmendorfer Strand zur Zugspitze radelten. Mit kleineren Umwegen bedeutete dies: 1100 Kilometer in neun Tagen.

 

Glücklich am Ziel: Hans-Jürgen Eindorf auf der Zugspitze. Quelle: hfr

Zuckerkrankheit

Diabetes mellitus ist eine krankhafte Störung des Blutzuckerspiegels. In Deutschland sind acht Millionen Menschen davon betroffen. Es gibt verschiedene Typen und Formen der Krankheit, darunter auch Diabetes bei Kindern (circa 30000 in Deutschland) oder auch Diabetes in der Schwangerschaft (kann sich zurückbilden).

„Ich hatte anfangs richtig Angst, glaubte nicht, es zu schaffen“, erzählt der Heiligenhafener rückblickend. Daher habe er vorab seine Hausaufgaben erledigt, sei viel Rad gefahren, um nicht Probleme beim stundenlangen Sitzen auf dem Sattel zu bekommen. Denn die „Tour de Diabetes“ verlangte den Teilnehmern vieles ab. „Am ersten Tag waren es 130 Kilometer, am zweiten sogar 145“, berichtet Eindorf, der seit sechs Jahren eine leichte Form der Diabetes hat. Die Gruppendynamik und das professionelle Expertenteam hätten ihn motiviert, die gesamte Tour durchzustehen. „Wir hatten einen Arzt, eine Beraterin sowie einen Professor dabei“, erzählt Eindorf. Auch hätten alle Teilnehmer Sensoren am Arm getragen. „Das war der Wahnsinn. Man konnte richtig sehen, wie nach einer Stunde Fahrt der Zuckergehalt im Blut sank.“ Durch die körperliche Anstrengung hätte er seine Medikamente weit geringer dosieren können, als daheim im Alltag.

Etappenziele seien Lüneburg, Hannover, Friedland, Bad Salzungen, Schweinfurt, Nürnberg, Donauwörth, Ammersee und final die Zugspitze gewesen. Eindorf erinnert sich: „Nach dem Frühstück hieß es immer gleich losradeln. Denn wir hatten zu festen Zeiten am Zielort Termine.“ Die Gruppe sei immer erwartet worden. Mal von einem Bürgermeister, mal von Journalisten. Erst nach dem Abendbrot sei für die Gruppe Freizeit und Gemütlichkeit angesagt gewesen.

Die Ankunft auf der Zugspitze als Höhepunkt im doppelten Sinne sei für alle etwas Besonderes gewesen. „Nicht jeder kam wie ich ohne Krisen durch.“ Vor allem Teilnehmer mit einer schwereren Form der Diabetes hätten an Bergaufstiegen ihre Probleme gehabt. Die hatte Eindorf erst nach seiner Rückkehr in Heiligenhafen, als er sich nach zwei Tagen das Bein brach. „Eines ist aber sicher, wenn ich das Bein wieder belasten kann, werde ich verstärkt radeln.“ Die positiven Effekte auf die Krankheit durch den Sport hätten ihn zu einem Umdenken gebracht. Ohnehin hätten alle Teilnehmer nach diesen neun kräftezehrenden und schönen Tagen vieles für sich mitgenommen. Eindorf schwärmt: „Wir hatten viel Spaß, aber auch einen großen Zusammenhalt.“

Daher soll auch der Kontakt unter den Teilnehmern nicht abreißen. Anfang 2017 ist ein Treffen in Berlin geplant.

 Peter Mantik

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