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Ostholstein Diakonie begleitet Suchtkranke
Lokales Ostholstein Diakonie begleitet Suchtkranke
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22:33 22.11.2016
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Eutin

. Weihnachten 2001, Fritz Klunzig (Name von der Redaktion geändert) war auf dem Weg zu einer Weihnachtsfeier nach Hamburg. Bevor er ins Auto stieg, nahm er drei Schmerztabletten und trank Alkohol. Auf der Fahrt „tankte ich mit Flachmännern auf“, erzählt der heute 55-Jährige. Dann der Auffahrunfall, kurz darauf noch einer. Die Polizei maß einen Alkoholwert von 1,6 Promille. „Da ist mir bewusst geworden, dass ich meinen Konsum nicht mehr im Griff hatte“, sagt er. Nach Entgiftung und Langzeittherapie kam 13 Jahre später „aus sehr privaten belasteten Gründen“ der Rückfall. Nur mithilfe der ambulanten Therapie der Vorwerker Diakonie in Lübeck hat er den erneuten Weg aus der Polytoxikomanie-Sucht, also aus der Abhängigkeit von mehreren Substanz, geschafft. Diese begleitende Rehabilitation für alkohol- und medikamentenabhängige Erwachsene bietet die Beratungsstelle nun auch in der Lübecker Straße in Eutin an.

„Für Ostholstein ist das ein ganz neues Angebot. Es war fällig, dies auch in Eutin anzubieten“, sagt Friedemann Ulrich, Leiter der Suchthilfe der Vorwerker Diakonie. Die durch die Renten- oder Krankenversicherung getragene Therapie dauert ein halbes bis ein Jahr und besteht aus wöchentlichen Gruppen- sowie Einzelgesprächen. Fritz Klunzig besuchte seit 2002 schon die Selbsthilfegruppe „Freundeskreis“ in Eutin, wand sich nach seinem Rückfall 2014 aber sofort an die Suchthilfe. Er hatte ein Verlangen nach professionelle Unterstützung, sagt Klunzig.

Die Suchtkranken werden nicht nur in Sachen Antragstellung bei Versicherungen beraten, sondern können sich auch behandeln lassen und sich dabei mit ihrer Sucht und ihrer Lebensgeschichte auseinandersetzen. „Die Sucht ist eine missverständliche Konfliktlösungsstrategie“, erklärt Dirk Preugschat, zuständiger Sozialtherapeut bei der Suchthilfe. Anders als bei Klinikaufenthalten hat der Patient die Chance, ein gutes Therapieangebot wahrzunehmen, ohne aus seinem Alltag ausbrechen zu müssen. Eine stationäre Behandlung kam auch für den selbstständig tätigen Klunzig nicht infrage. „Die ambulante Therapie war genau der Weg und die Hilfe, die ich mir erhofft hatte“, sagt er. Sowohl die Teilnahme an der kostenfreien Motivationsgruppe, in der am Anfang mit den Patienten allgemein über Sucht, Prävention, Rückfall und Therapieformen gesprochen wird, hätte ihn aufgefangen. Aber auch die Einzelgespräche hätten ihm viel gebracht, weil die Therapeuten hinter die Jalousien geschaut haben. In der Gruppentherapie konnte er an anderen Schicksalen teilhaben.

Die Grenze zwischen Konsum und Abhängigkeit sei schwimmend, sagt Klunzig. Das größte Argument für die Abhängigkeit sei der Kontrollverlust – nach dem Unfall in Hamburg und dem Rückfall hat sich der 55-Jährige in Lübeck helfen lassen. Nun wird Abhängigen auf ihrem Weg in die Abstinenz auch in Eutin geholfen. Denn Klunzig, der seit 2015 seine Krankheit im Griff hat, weiß: „Allein schafft man es nicht.“

Beke Zill

LN

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