Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Dicke Luft beim Ausbau des schnellen Internets
Lokales Ostholstein Dicke Luft beim Ausbau des schnellen Internets
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:13 23.01.2017
ZVO-Chefin Gesine Strohmeyer zeigt ein Leerrohr für Glasfaserkabel. Es bündelt mehrere Dutzend Glasfasern. Signale können mit bis zu 40 Gigabit pro Sekunde übertragen werden. Quelle: Foto: Petersen
Sierksdorf/Eutin

„Wir sind nur dort zum Zuge gekommen, wo der Markt nicht funktioniert hat. Jetzt, wo wir tätig werden und den Flickenteppich stopfen wollen, sucht man sich wieder ein Stück heraus“, klagt Verbandsvorsteherin Gesine Strohmeyer.

Die Stadtwerke Eutin weisen die Vorwürfe als „ein bisschen abwegig“ zurück.

Die ZVO-Breitbandsparte wurde gegründet, um überall dort in Ostholstein Glasfaserleitungen zu verlegen, wo private Anbieter wegen der geringen Anschlussdichte kein Interesse zeigen. Nur in diesen „weißen Flecken“ darf der ZVO aktiv werden – und erhält im Gegenzug Fördermittel vom Bund. In einem Markterkundungsverfahren hatten im vergangenen Jahr die privaten Anbieter ihre Ausbau-Interessen benannt, der ZVO ermittelte daraus straßengenau sein Ausbaugebiet. Hier wird der Verband das Leitungsnetz bauen, es aber nicht selbst betreiben. Aufgeteilt in vier Lose werden dafür in einer europaweiten Ausschreibung Pächter gesucht. Vergangene Woche fand das letzte Bietergespräch der ersten Runde statt.

Doch „mitten im Prozess“, so Strohmeyer, expandierten jetzt auf einmal Telekom und Eutiner Stadtwerke punktuell in Orte, für die sie vorher kein Interesse bekundet hätten. Die Telekom etwa betreibe auf Fehmarn und auch andernorts das Vectoring, ein Aufrüsten vorhandener Kupferleitungen, die aber trotzdem hinter dem Glasfaserkabel zurückblieben. „Jetzt, wo wir tätig werden müssen, kommen sie um die Ecke“, moniert Strohmeyer. Für den ZVO bedeute dies ein permanentes Überarbeiten seines Gebietes, was die Betreibersuche nicht einfacher mache. Noch sei aber kein Interessent abgesprungen. „Wir haben für alle Lose attraktive Bewerber, keine Region fällt hinten runter“, versichert Strohmeyer und betont, der ZVO werde in jedem Fall in die verbleibenden weißen Flecke das schnelle Internet bringen. Schon jetzt werden bei jeder Tiefbau-Maßnahme Leerrohre für Glasfaserkabel unter die Erde gebracht.

Deren Verlegung soll in diesem Jahr beginnen, die Reihenfolge der Orte bestimme der künftige Betreiber. Dem Breitband-Projekt würden aber unnötig „Steine in den Weg gelegt“, meint Strohmeyer. Das zielt vor allem auf die SWE, die schon in Süsel als Breitband-Anbieter aktiv wurden. „Dass uns innerhalb der kommunalen Familie das Leben schwer gemacht wird, das hätte ich nicht gedacht“, sagt die ZVO-Chefin.

Bei den Stadtwerken Eutin stößt sie damit auf Unverständnis. „Unsere Planungsprozesse werden nicht vom ZVO beeinflusst. Wir überlegen, wo es sinnvoll ist und werden dann tätig“, wundert sich Alexander Baumgärtner, kaufmännischer Leiter der SWE, über die Kritik. „Die Welt dreht sich weiter“, jedes Unternehmen müsse sich permanent auf den Wettbewerb einstellen, das gelte auch für den ZVO.

Baumgärtner verweist darauf, dass der ZVO anders als die Stadtwerke Fördermittel in Anspruch nehme. Dass dem Verband Nachteile durch eine Verkabelung Kasseedorfs durch die SWE entstehen, kann er nicht erkennen.

Die Stadtwerke werden heute um 19 Uhr im Bauausschuss der Gemeinde ihre Pläne vorstellen. Am Donnerstag laden sie zudem um 19 Uhr alle Kasseedorfer zu einer Informationsveranstaltung in die Alte Schulscheune ein. Der Eutiner Versorger will nach Stendorf, Sagau und Kasseedorf das schnelle Internet bringen – „im ersten Schritt“, wie Baumgärtner betont. Weitere würden geprüft. Voraussetzung für den Ausbau ist, dass sich 60 Prozent der Haushalte für einen Anschluss entscheiden.

Die Nachzahlung bei der Müllabfuhr wird fällig

Kommende Woche wird der ZVO an die 68000 Haushalte in Ostholstein nachträglich die Abfall-Gebührenbescheide für 2016 verschicken. Weil die alte Gebührensatzung vom Oberverwaltungsgericht Schleswig in Teilen verworfen wurde, konnte der ZVO im vergangenen Jahr kein Geld für die Müllabfuhr einziehen. Jetzt wird nach einer neuen Satzung abgerechnet. Keiner werde mehr bezahlen, viele aber weniger, heißt es beim ZVO. Der Verband stellt sich auf vermehrte Anfragen ein und verstärkt seinen Telefon-Service. Da zum Jahresende viele Vermieter Betriebskosten abrechnen, gab es zuletzt auch Klagen über die ausstehenden Bescheide.

 Arnold Petersen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!