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„Die 14 Jahre als Bürgermeister waren eine erfüllte Zeit für mich“

Jahre „Die 14 Jahre als Bürgermeister waren eine erfüllte Zeit für mich“

Am 31. Juli 2016 geht Klaus-Dieter Schulz (CDU) als Eutiner Verwaltungschef in den Ruhestand. Im Januar feiert er seinen 66. Geburtstag. Ein Rückblick und Ausblick.

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Eutins Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz mit der Amtskette — ein Geschenk der Schützengilde aus dem Jahr 1968.

Quelle: Benthien

Jahre. Die letzten Monate Ihrer Amtszeit stehen bevor. Sind Sie schon auf Abschiedstour?

Klaus-Dieter Schulz: Das könnte man denken, aber das Gegenteil ist der Fall. Wir haben noch 135 Tage bis zur Landesgartenschau. Mit dem Fix-Datum im Hinterkopf weiß man, dass man bis dahin voll durchziehen muss. Es gibt noch eine Menge zu tun, Zeitplan und Finanzen sind im Auge zu behalten.

Mit welchen Gefühlen gehen Sie in den letzten Neujahrsempfang, die letzten Ausschüsse, die letzten Sitzungen der Stadtvertretung?

Schulz: Ich bin ja aus Überzeugung nach Eutin gekommen, mit dem Ziel, erster direkt gewählter Bürgermeister zu werden. Das Amt durfte ich 14 Jahre ausüben. Es war eine erfüllte Zeit für mich, nicht immer leicht, aber jetzt freue ich mich auch auf den Ruhestand.

Sie wollten ein Bürgermeister für alle sein, haben Sie bei Ihrem Amtsantritt 2002 gesagt. Ist der Vorsatz geglückt?

Schulz: Ich glaube ja. Man kann nicht alle zufriedenstellen, das liegt im Naturell der Menschen. Aber für alle da zu sein, losgelöst von parteilichen, konfessionellen oder sonstigen Rahmenbedingungen, das denke ich, ist mir gelungen und werden mir viele Leute auch bestätigen.

Wirtschaftsförderung, mehr Übernachtungskapazitäten für Touristen, die Parkplatzsituation verbessern, Eutin als Einzelhandelsstandort voranbringen — das wollten Sie 2002 angehen. Es sind immer noch aktuelle Themen. Woran liegt das?

Schulz: Durch die Schließung der Jugendherberge — das war ein herber Schlag — haben wir 15000 Übernachtungen verloren. Auch das Abbrennen des Voß-Hauses war ein herber Verlust. Wir haben versucht, Rahmenbedingungen zu schaffen, um ein Hotel in die Innenstadt zu bekommen. Es ist bisher nicht gelungen. Aber ich hoffe, dass wir im Zusammenhang mit der Landesgartenschau und der Stadtsanierung doch noch mal die Chance haben, unten an der Stadtbucht ein Hotel zu platzieren. Die Parkplatznot ist ein gefühltes Thema. Wir haben neue Parkplätze im Bereich der Heinrich-Westphal-Straße geschaffen, auf der anderen Seite des Bahnhofs genauso. Es gibt an der Oldenburger Landstraße weitere 100 Parkplätze, die nach der Gartenschau zur Verfügung stehen, ebenso sind dort dann 25 Plätze für Wohnmobile verfügbar. Zumal wir den Schlossparkplatz nach der LGS wieder bekommen, haben wir an Stellplätzen aus meiner Sicht keine Not. Ich erinnere auch an den Parkplatz vom Kreis, der jeden Tag von 15 Uhr bis um 6 Uhr am nächsten Morgen und an den Wochenenden genutzt werden kann.

Stichwort Einzelhandelsstandort.

Schulz: Wir haben ein integriertes Stadtentwicklungskonzept aufgebaut mit einem Einzelhandelskonzept, das beschlossen ist. Das hat es über Jahre nicht gegeben. Das wichtigste Ziel, das wir dabei hatten, war die Innenstadtbelebung. Wir haben für die Innenstadtsicherung Sortimente festgelegt, die es auf der grünen Wiese nicht gibt. Das sind erstmal verlässliche Rahmenbedingungen für den Einzelhandel. Das soll erstmal eine andere Stadt auf den Tisch legen. Wie eine wirtschaftliche Entwicklung funktioniert und warum immer noch Geschäfte leer stehen, das sind Dinge, die hängen ja auch mit Investoren und Eignern zusammen. Wir haben es mit Firmen zu tun, die nicht hier sitzen, die in Geschäften Immobiliendeals sehen und nicht das Ziel der Innenstadterhaltung verfolgen. Mit zwölf Prozent Leerstand sind wir im Vergleich zu anderen Städten noch relativ gut davor, aber die Attraktivität muss gesteigert werden, deshalb ja auch die Stadtsanierung. Diese in Verbindung zum Einzelhandelskonzept — ich finde, mehr können Politik und Verwaltung nicht machen. Die Wirtschaft muss von sich aus laufen.

Wie steht es mit der Jugendherberge, geht der Bau 2017 los?

Schulz: Wir sind in engem Kontakt mit dem Jugendherbergswerk. Die Standortwahl ist mit dem Bauhof ja längst gefallen. Aufgrund des europäischen Beihilferechts hat das DJH allerdings Probleme, da läuft ein Beschwerdeverfahren, ob Zuschüsse Beihilfe sind. Man muss sehen, wie es für die Jugendherbergen ausgeht. Ohne Zuschüsse wird kaum gebaut werden können.

Der Haushalt 2015 ist mit einem kalkulierten Fehlbedarf von 4,9 Millionen Euro verabschiedet worden. Der Etat 2016 ist noch in Arbeit. Die für dieses Jahr erwartete Gesamtverschuldung wurde in einer Größenordnung zwischen 47 und 48 Millionen Euro angenommen. Das sind erschreckende Zahlen.

Schulz: Wir lagen Mitte Dezember bei einer Gesamtverschuldung von 40 Millionen Euro. Für das laufende Jahr erwarten wir rund 43 Millionen — wenn der Haushalt im Februar so beschlossen wird.

Das sind gewaltige Summen, aber es ist immer der Gegenwert zu betrachten: alle Investitionen, die in die Infrastruktur fließen. Und Eutin muss sich für die nächsten 20 bis 25 Jahre neu aufstellen.

Das war es, was wir mit der Stadtentwicklung angestrebt haben.

„Ich muss die Landesgartenschau nicht eröffnen“, haben Sie mehrfach geäußert. Das werden Sie aber doch am 28. April tun. Mit welchen Erwartungen?

Schulz: Ich bin dabei! Die größte Erwartung ist, dass wir den Eröffnungstermin am 28. April erreichen und alles fertig haben. Für die Veranstaltungen wünsche ich mir, dass

die Angebote von den Eutinern positiv aufgenommen werden und gesehen wird, dass das, was wir häufig zu Lasten des Einzelnen ausgeführt haben, einen Schritt nach vorn für die Stadt bedeutet. Diese positive Stimmung muss dann dazu führen, dass wir das angestrebte Besucherkontingent von 650000 bis 660000 erreichen.

Es zeichnet sich ab, dass bis zur Eröffnung der LGS wohl nicht alle Bauvorhaben abgeschlossen sein werden, zum Beispiel die Treppe an der Peterstraße.

Schulz: Das ist Stadtsanierung.

Ja, aber die Treppe sollte für Bahnreisende das Entree zur LGS sein . . .?

Schulz: Der Bahnhofvorplatz wird fertig sein, und der barrierefreie Zugang in die Stadt wird unter Protalis hindurchführen. Wir müssen sehen, wie weit wir mit der Treppe kommen. Wenn sie nicht ganz fertig ist, wird das keine Beeinträchtigung sein.

Bitte vollenden Sie: Wenn die LGS ein Erfolg wird, . . .

Schulz: . . . dann hat die Stadt auf Jahrzehnte Gutes davon.

Wenn die LGS kein Erfolg wird, . . .

Schulz: . . . dann hat sie dennoch in der Konsequenz der Infrastruktur viele Vorteile davon.

Nach dem 3. Oktober 2016 kommt noch viel auf die Stadt zu. Auf welchem Weg ist Eutin?

Schulz: Dank der Städtebauförderung hat Eutin die Riesenchance, sich modern und zeitgemäß aufzustellen. Über den jährlichen Maßnahmenplan sind die Dinge im Einzelnen zu beschließen. Was die Stadt sich leisten kann und will, das hängt von künftigen Beschlüssen ab.

Was braucht Eutin?

Schulz: Die Stadt wäre gut beraten, wenn sich die Erkenntnis durchsetzen würde, dass Entscheidungen zum Wohle der Stadt, nicht zum Wohle Einzelner oder einzelner Gruppen getroffen werden müssen. Der gemeinschaftliche Ansatz ist ja da, aber man sollte auch mal einem fachlichen Urteil folgen und nicht dem eigenen Gefühl.

Worin sehen Sie Ihre persönlichen Erfolge für Eutin? Was hat nicht geklappt?

Schulz: Von persönlichen Erfolgen möchte ich nicht sprechen. Ich habe einen wunderbaren Beruf ausüben dürfen, der dazu beitragen sollte, eine Entwicklung für die Stadt hinzubekommen. In den vergangenen 14 Jahren haben wir viel geschafft, im Sport, in der Kultur, in vielen anderen Bereichen. Wir mussten uns unglaublich anstrengen, aber das Rathaus verfügt über ein gutes Team. Auch das Zusammenwirken von Politik und Verwaltung war unterm Strich gut, weil wir die richtigen Beschlüsse gefasst haben.

Woran hat es gelegen, dass es zwischen der Selbstverwaltung und der Verwaltung insbesondere im vergangenen Jahr häufig geknirscht hat?

Schulz: Man muss immer fragen: Wie geht man miteinander um? Die meisten Dinge sind einheitlich, mit großer Mehrheit beschlossen worden. Das Negative wird zu leicht in den Vordergrund gerückt. Dabei ist unglaublich viel positiv gelaufen, ich denke an die Bauleitplanung, an Investitionen. Da frage ich mal: Was will man eigentlich mehr? Dass es Auseinandersetzungen gibt, und dass es ganz besondere Leute gibt, die immer alles ganz genau wissen wollen, ist doch auch klar.

Welchen Rat können Sie Ihrem Nachfolger/Ihrer Nachfolgerin geben?

Schulz: Einen offenen und ehrlichen Umgang pflegen, sich nicht als Werkzeug benutzen zu lassen.

Worauf freuen Sie sich als Privatmann?

Schulz: Darauf, dass ich wieder Herr meiner Zeit werde, diese vielen Meckereien und Beschwerden nicht mehr ertragen muss und mich als normaler Mensch in dieser Stadt bewegen kann. Es ist doch eine große Last, die dann von mir abfallen wird.

Interview: Ulrike Benthien

Im Ruhestand ist Sport angesagt
alt war Klaus-Dieter Schulz, als er eine Ausbildung bei der Hansestadt Lübeck begann, die er später als Diplomverwaltungswirt abschloss. Er war Sportamtsleiter, als er sich um das Bürgermeisteramt in Eutin bewarb. Seit 1. Januar 2002 ist Schulz Chef im hiesigen Rathaus.
Der 65-Jährige wohnt mit Lebensgefährtin Iwona Kicala in Fissau. Er hat zwei Kinder und zwei Enkel und ist ein begeisterter Handwerker. Im Ruhestand beabsichtigt er, sich wieder mehr sportlich zu betätigen: Golf, Tennis und Rudern zählen zu seinen Hobbys.

LN

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