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„Die Anstrengungen tragen Früchte“

„Die Anstrengungen tragen Früchte“

Landrat Reinhard Sager sieht Ostholstein auf einem guten Weg – und doch ärgert ihn etwas.

Herr Sager, worüber haben Sie sich 2016 besonders gefreut?

 

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Landrat Reinhard Sager (CDU) an seinem Schreibtisch im Eutiner Kreishaus. FOTO: PETERSEN

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Der Kreis kann wieder deutlich mehr investieren. Dank Hochkonjunktur und Niedrigzinsen gewinnen wir Gestaltungsspielraum unter anderem für soziale Themen. Das ist eine gute Entwicklung.

Und was hat Sie geärgert?

Dass immer mehr Menschen den Respekt vor Politik und Verwaltung verlieren und einen unangemessenen Ton an den Tag legen. Hier landen Mails auf dem Rechner, in denen wird nicht ein sachlicher Grund anerkannt. Selbst im Kreistag sind Auftritte zu erleben, die nicht immer angemessen sind.

Der Kreis kommt aus den roten Zahlen, kalkuliert für 2017 sogar mit einem Millionen-Überschuss. Wann dürfen die Gemeinden auf eine Absenkung der Kreisumlage hoffen?

Darüber ist nachzudenken, auch wenn es den meisten Gemeinden und Städten in Ostholstein deutlich besser geht als dem Kreis. Die Steuern vor Ort sprudeln wie nie zuvor. Und ab 2018 stehen den Kommunen obendrein gewaltige Entlastungen durch den Bund ins Haus. Dennoch: Hält der Trend an, sollten wir darüber nachdenken, ob es mit der Kreisumlage nicht auch mal wieder in Richtung Senkung gehen kann.

Wann könnte das so weit sein?

Bis einschließlich 2018 ist der Kreis an die Konsolidierungsvereinbarung mit dem Land gebunden, die uns über 12 Millionen Euro Hilfe von der kommunalen Familie und dem Land beschert hat.

Danach sehe ich einen Silberstreif am Horizont.

Warum sinken bei der guten Lage nicht die Sozialausgaben?

Weil zu den Sozialausgaben des Kreises nicht nur das so genannte Hartz IV zählt, sondern auch die Eingliederungs- oder Behindertenhilfe. Die steigt rasant, zuletzt um rund eine Million pro Jahr.

Dazu kommen die Flüchtlinge. Über 1000 sind bei den Jobcentern gemeldet, aber die Arbeitsaufnahmen liegen bislang nur im kleinen zweistelligen Bereich.

 

Stichwort Beltquerung: Der mögliche Baubeginn wurde gerade wieder verschoben. Glauben Sie noch daran, dass es mit dem Tunnel etwas wird?

Ja, Dänemark ist nach allem, was wir hören, fest entschlossen, die Querung zu verwirklichen. Die Skandinavier wollen diese Verbindung nach Zentraleuropa, für sie ist dies wichtiger als für Deutschland. Dennoch habe ich keinen Zweifel, dass auch Deutschland den Staatsvertrag einhalten wird.

Und die neuen Verzögerungen?

Die können wir nutzen, etwa für ein kluges Ausgleichsmanagement. Der Kreis hat extra eine Kraft eingestellt, um Eingriffe zu minimieren und zu viel Verlust von wertvollem Ackerboden zu vermeiden. Auch der Lärmschutz steht ganz oben auf unserer Agenda. Aber ärgerlich ist es schon: Manche in der Kreisverwaltung arbeiten seit zehn oder gar 20 Jahren an dem Projekt, ohne dass es wirklich vorangeht.

Ist das Projekt eher Chance oder Risiko für Ostholstein?

Es hält sich die Waage. Der künftige Güterverkehr ist eine Belastung, umgekehrt verbessert sich unsere Erreichbarkeit auf Straße und Schiene. Für eine Tourismusregion ist das wichtig.

Auch für bestimmte Gewerbeansiedlungen, aber auch als Wohnstandort, bedeutet es eine Chance. Ziel der Kreispolitik ist es, die Risiken zu minimieren und die Chancen zu maximieren.

Der Ausbau der Windkraft bewegt die Menschen ebenso. Wie fällt Ihr Urteil über die neuen Regionalpläne aus?

Die vollständigen Pläne werden erst Ende Januar vorliegen. Aber insgesamt wird die Windkraftnutzung in Ostholstein deutlich abnehmen, was ich begrüße. Die Rotoren sind nicht nur ein Einschnitt in die Landschaft, sie belasten auch die Ortschaften. Der Widerstand wächst, viele Menschen fordern größere Abstände. Die Windkraft sollte möglichst küstennah genutzt werden, besser noch offshore.

Wird die 380-kV-Leitung überhaupt noch gebraucht?

Die Ostküstenleitung gehört auf den Prüfstand. Bisher höre ich von der Landesregierung und dem Netzbetreiber, dass die Leitung nicht infrage stehe. Das bezweifle ich, ich möchte Fakten sehen.

Tennet muss die Wirtschaftlichkeit begründen, die Bundesnetzagentur diese Wirtschaftlichkeit feststellen. Geht das nicht, kann die Leitung nicht gebaut werden. Der Kreis hat hierauf keinen Einfluss.

Es gibt es viel Ärger über die vom Bund geplanten Einschränkungen beim Freizeitangeln im Fehmarnbelt. Wie ist der aktuelle Stand?

Der Fisch ist noch nicht an Land gezogen, es gibt noch keine Entwarnung, aber die Allianz dagegen steht. Hier werden vom Bund ökologische Anliegen falsch gewichtet. Die Gefahren gehen nicht von Anglern oder Kite-Surfern aus, aber ein wichtiger Wirtschaftszweig wird gefährdet.

Beim geplanten Landschaftsschutzgebiet Bungsberg stehen Sie am Pranger. Landwirte sprechen von kalter Enteignung, weil der Kreis die Windkraft einschränken will. Zählen hier wirtschaftliche Argumente nicht?

Das Bungsberg-Gebiet zählt zu den schönsten Landschaften Ostholsteins, wenn nicht Schleswig-Holsteins. Deshalb wollen wir planerisch Einfluss nehmen auf die Windenergie. Auf der anderen Seite im Kreis Plön ist das bereits erfolgt – ohne dass es größere Beachtung gefunden hat. Auch hier in Ostholstein haben sich nur einzelne Vertreter der Landwirtschaft kritisch geäußert.

Manche sehen ebenso landwirtschaftliche Bauvorhaben bedroht.

Für diese Sorge gibt es keinen Grund. Die Orte und ein 250 Meter breiter Umkreis werden ausgenommen, für sie gibt es gar keine Einschränkungen. Und die Ausübung der ordnungsgemäßen Landwirtschaft bleibt im gesamten Landschaftsschutzgebiet selbstverständlich unangetastet. Betroffen könnten diejenigen sein, die genau dort hofften, Windräder aufstellen zu können. Aber es muss auch Gebiete geben, die frei bleiben.

Der neue Krankenhausplan der Landesregierung sieht vor, dass die Sana-Klinik Eutin nur noch Schwangere nach der 32. Schwangerschaftswoche versorgt. Haben Sie Ihren Frieden damit gemacht?

Es ist und bleibt so, dass die qualitative Versorgung von werdenden Müttern und Kindern absolute Priorität hat. Wenn es wie in Eutin bei vier, fünf oder sechs Fällen im Jahr bleibt, dass ein Kind geboren werden muss, das keine 1500 Gramm wiegt, dann sind diese Fälle in einer Uni-Klinik mit ihren Möglichkeiten besser aufgehoben. Das kann ich nachvollziehen. Eutin soll aber als Schwerpunkt für Gynäkologie, Entbindung und Kinderheilkunde weiter ausgebaut werden.

Kommunen im Nord-Kreis wollen dagegen klagen, ist zu hören.

Da frage ich: Wogegen? Gegen die bestmögliche Versorgung von Mutter und Kind doch wohl nicht.

Viele befürchten, es ist der Einstieg in den Ausstieg bei der Geburtenhilfe.

Klare Antwort: In Eutin mit über 1000 Geburten im Jahr wird es keine Reduzierung der Geburtshilfe geben. Das ist weder das Konzept der Landesregierung, noch unser.

 

Was wird Sie als Landrat 2017 vor allem beschäftigen?

Bei der Integration ist die Arbeit ja längst nicht getan. Es wird noch verdammt schwierig, diejenigen, die dauerhaft bleiben können, in Arbeit und Ausbildung zu bringen. Das bleibt eine Daueraufgabe.

Und was sind die Themen neben dieser Daueraufgabe?

Die großen Infrastrukturprojekte, die Inklusion – wir haben als erster Kreis einen kompletten Aktionsplan zur Barrierefreiheit verabschiedet – und die touristische Entwicklung mit weiteren großen Projekten und Hotelbauten. Es trägt jetzt Früchte, dass wir die öffentliche Infrastruktur erheblich nach vorne gebracht haben. Im hochqualitativen Hotelbereich an der Küste haben wir bereits die Ganzjahresbelegung erreicht – eine gute Entwicklung, weil es zu mehr Dauerarbeitsplätzen führt.

2017 wird ein neuer Landtag und ein neuer Bundestag gewählt. Juckt es den Christdemokraten Reinhard Sager manchmal in den Fingern, in diesen Wahlkämpfen mitzumischen?

Ich habe ausreichend Wahlkämpfe geführt: für einen Sitz in der Grömitzer Gemeindevertretung, den Kreistag, den Landtag, für die Direktwahl als Landrat. Nein, das juckt mich nicht. Aber ich bin immer hochinteressiert an der landespolitischen Entwicklung.

Sie haben Rot-Grün, Schwarz-Rot, Schwarz-Gelb und Rot-Grün-Blau in Kiel erlebt. Welche Kombination war denn am kommunalfreundlichsten?

Generell denken alle Landesregierungen viel zu sehr an die eigene Kasse. Da gibt es keine großen Unterschiede. Wir Kommunen haben mit jeder Regierung unsere Sträuße auszutragen, um mit unseren berechtigten Belangen durchzudringen.

Interview: Arnold Petersen

Seit bald 16 Jahren Landrat in Ostholstein

Reinhard Sager ist ein waschechter Ostholsteiner. Der 57-Jährige wurde in Suxdorf in der Gemeinde Grömitz geboren. Dort übernahm der ausgebildeter Diplom- Verwaltungswirt auch seine ersten politischen Ämter. Von 1982 bis 1988 saß er für die CDU in der Grömitzer Gemeindevertretung. Von 1990 bis 1995 war er Kreistagsabgeordneter, von 1992 bis 2001 Mitglied im Kieler Landtag. Im Mai 2001 machten die Ostholsteiner Sager zu ihrem ersten direkt gewählten Landrat. Seitdem wurde er zwei Mal im Amt bestätigt, zuletzt im März 2015 durch den Kreistag. Seit 2014 vertritt Sager als Präsident des Deutschen Landkreistages bundesweit die Interessen der Kreise.

LN

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