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Ostholstein „Die Authentizität der Musik und Tänze ist das Wichtigste“
Lokales Ostholstein „Die Authentizität der Musik und Tänze ist das Wichtigste“
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20:10 03.07.2013
Diese beiden Frauen traten 2010 mit einer Gruppe von Folklore-Tänzern aus Weißrussland in Neustadt auf. Quelle: Fotos: Maxwitat*, Rosenkötter
Neustadt

Neustadt — Heinrich Evers engagiert sich seit 1958 für das Folklore-Festival in Neustadt, leitet zudem das Kuratorium und ist erster Vorsitzender des Vereins Europäische Trachtenwochen an der Ostsee. Die LN sprachen mit dem 72-Jährigen und Hauptorganisatorin Barbara Helbach (46) über die Unterschiede deutscher und südländischer Folkloregruppen und erfuhren, warum Folklore keineswegs angestaubt ist.

Lübecker Nachrichten: In 15 Tagen startet das 28. Folklore-Festival in Neustadt. 400 Trachtenträger aus 13 Nationen werden eine Woche lang in Gastfamilien leben. Ist die Organisation überhaupt ehrenamtlich zu bewältigen?

Barbara Helbach: Es gibt viele ehrenamtlich engagierte Leute, die die vielfältigen Aufgaben — wie in den Bereichen Finanzen, Kartenvorverkauf, Programm, Gruppenbetreuung, Werbung und Büro — meistern. Der Aufwand ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen, was daran liegt, dass unser Anspruch an die Festwoche steigt. Stunden darf man da nicht zählen, jedoch lohnt sich der Aufwand.

LN: Herr Evers, Sie haben schon vor ihrem 18. Geburtstag begonnen, sich für das Festival zu engagieren. Was sind die größten Unterschiede zu den Anfängen in den 50ern?

Heinrich Evers: 1951 hatten wir bis auf eine österreichische nur deutsche Gruppen. Die Idee der Veranstaltung, die damals noch Trachtenwoche hieß, war es auch, Flüchtlingen aus den ehemaligen Ostgebieten ein Forum für ihre Trachten und Tänze zu bieten. Heute haben wir vorwiegend Gäste aus Europa, aber auch aus Amerika, Afrika und Asien.

LN: Das Wort Folklore hört sich nicht frisch und modern an. Warum ist Folklore auch heute interessant?

Helbach: Ja, es hört sich vielleicht etwas altbacken an. Wer das Festival aber einmal erlebt hat, der kommt immer gern wieder und stellt fest, dass viele junge Leute teilnehmen und die Veranstaltung keineswegs altbacken ist.

Evers: Früher hießen wir ja Trachtenwoche, da lautete der Vorwurf, dieses wäre nicht mehr zeitgemäß. Also haben wir die Veranstaltung in Folklore-Festival umbenannt. Das ist trendiger. Zudem ist Folklore durchaus auch für junge Leute attraktiv, schließlich sind etliche der Teilnehmer in diesem Jahr zwischen 16 und 20 Jahre alt.

LN: Wie schaffen Sie es, Jugendliche anzulocken?

Helbach: Es gibt am Dienstag, 23. Juli, einen Kinder- und Jugendtag. Nachmittags wird Kinderanimateur „Grünschnabel“ da sein, abends gibt es mehrere Konzerte unter dem Titel „Rock meets Folk“. Zudem findet am Sonnabend, 20. Juli, die R.SH-Party-Tour statt. Außerdem messe ich die Anziehungskraft für Jugendliche an meinem eigenen, 16-jährigen Sohn, der sich ebenfalls auf die Woche freut.

LN: Wie werben Sie für die Trachtenwoche?

Helbach: Wir nutzen Facebook und unsere Internetseite. So können Besucher sich schon im Vorfeld über die Gruppen und das Programm informieren.

Evers: Zudem werden wir erstmals bis Eutin und an die Stadtgrenze Lübecks mit Plakaten werben. Außerdem dürfte das Konzert von „Santiano“ am Freitag, 19. Juli, viele neue Gäste anlocken, die vielleicht in den Tagen danach noch andere Veranstaltungen besuchen.

LN: Was unterscheidet deutsche von südländischer Folklore?

Helbach: Jede Folklore hat ihre Reize, wobei die deutsche vielleicht etwas langsamer ist. Wenn aber abends gefeiert wird, haben alle Teilnehmer viel Temperament.

Evers: Das Wichtigste ist die Authentizität der Musik und Tänze. Wir wollen nicht, dass Schotten griechische Tänze präsentieren.

LN: Was müssen Sie in den kommenden Tagen noch organisieren?

Helbach: Im Prinzip steht alles. Wir brauchen aber noch zehn Betten für vier Slowaken und sechs Kanadier.

LN: Etwa 180 000 Euro kostet das Festival. Wie wird es finanziert?

Evers: Finanziert wird das Festival überwiegend von Sponsoren, Spendern, Cateringvergaben sowie Einnahmen aus den drei kostenpflichtigen Veranstaltungen. Das sind neben dem Benefizkonzert von „Santiano“ das Kirchenkonzert und die Abschlussveranstaltung, für die es noch einige Karten gibt. Zudem beteiligt sich die Stadt Neustadt mit 60 000 Euro an den Kosten.

LN: Worauf freuen Sie sich am meisten?

Helbach: Eigentlich auf alle Veranstaltungen, am meisten aber auf die Gäste in unserem Haus.

Evers: Auf die ganze Woche, wobei . . . wenn ich an das Kirchenkonzert und den Fackeltanz aller Gruppen zum Abschluss denke, bekomme ich schon jetzt Gänsehaut.

Interview: Sebastian Rosenkötter

Prominenter Schirmherr
Axel Prahl, bekannt aus dem Münsteraner Tatort, übernimmt die Schirmherrschaft für das 28. Folklore-Festival, 19. bis 27. Juli, in Neustadt.


Karten für das Kirchenkonzert, 25. Juli, und die Abschlussveranstaltung, 27. Juli, gibt es in der Verkaufshütte auf dem Marktplatz und auf www.folklore-festival-neustadt.de.

„Santiano“ ist ausverkauft.

LN

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