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Die Ente, die Schnecke und das Sterben

Eutin Die Ente, die Schnecke und das Sterben

Die Hospizinitiative Eutin bietet jetzt auch eine Trauergruppe für Kinder an.

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Christine Naujoks, Marita Himmel und Sabine Kayser (von links) leiten gemeinsam mit Maren Kell (nicht auf dem Foto) die Trauergruppe für Kinder. Mindestens zwei Begleiterinnen sind bei den wöchentlichen Treffen dabei.

Quelle: Fotos: Britta Kessing

Eutin. Herzchen in Rot, Lila und Pink, lachende gelbe Sterne und Smileys zieren die Gläser, die Marita Himmel, Sabine Kayser, Christine Naujoks und Maren Kell regelmäßig aus dem Regal holen, um die Kerzen darin zu entzünden. Gebastelt haben die Teelichthalter Kinder im Alter von fünf Jahren. Wenn die Lichter darin zu flackern beginnen, treffen die Kinder sich mit Marita Himmel, Sabine Kayser, Christine Naujoks und Maren Kell, um sich mit einem kaum vorstellbaren Thema zu beschäftigem — dem Tod.

Seit Kurzem bietet die Hospizinitiative Eutin eine Trauergruppe für Kinder von fünf bis zehn Jahren an. Nachdem es mit dem Umzug der Initiative vor eineinhalb Jahren in die Albert-Mahlstedt-Straße 20 bereits die passenden Räume gab, stehen nun auch geschulte Kräfte bereit. Inzwischen hat sich die Gruppe zwar schon getroffen, es sind aber noch Plätze frei.

„Das Verständnis von Kindern hinsichtlich des Todes ist ganz anders als bei Jugendlichen oder Erwachsenen“, erklärt Sabine Kayser, „in jungen Jahren ist er für sie noch gar nicht begreifbar.“ Die Entwicklungspsychologie gehe davon aus, dass dieses Begreifen mit etwa zehn Jahren beginne, sagt Marita Himmel. Auch äußerten sich die Gefühle von Kindern anders: „Sie springen in die Trauer hinein und wieder raus. Sie sind fünf Minuten lang traurig, dann lachen sie wieder.“ Für Erwachsene sei das oft schwer verständlich, gerade, wenn sie selbst in Trauer seien, etwa der Lebenspartner beziehungsweise Mutter oder Vater des Kindes gestorben ist.

Diese Trauer wiederum würde sehr wohl von den Kindern wahrgenommen, so Himmel. „Sie wagen sich dann nicht an die Erwachsenen heran, weil sie sie nicht noch trauriger machen wollen.“ Nicht selten fehle zudem in dieser für alle schwierigen Situation der Blick dafür, was Kinder brauchen. „Es ist wichtig, dass sie Abschied nehmen“, sagt Himmel. Wer Kinder schont, täte ihnen keinen Gefallen.

„Dann sind sie auf ihre Fantasie angewiesen, stellen sich womöglich Schreckliches vor.“ Würde etwa gesagt, die Oma sei eingeschlafen, fürchteten sich Kinder nicht selten vorm Zubettgehen.

In der Gruppe können die Kinder Abschied nehmen, dem Tod begegnen. Sie können aber auch lernen, dass es anderen ebenso wie ihnen geht. „Wenn ein Elternteil fehlt, fühlen sich manche Kinder minderwertig“, erklären die Trauerbegleiterinnen. Und natürlich dürfen die Kinde nicht nur weinen, sondern auch herzlich lachen. „Der Vorteil ist ja, dass wir nicht betroffen sind wie die Angehörigen“, erklärt Kayser. „Wichtig ist vor allem, dass wir die Kinder mit einem guten Gefühl entlassen“, sagt Himmel und betont: „Wir sind keine Therapeuten.“ Hätten sie oder ihre Kolleginnen das Gefühl, dass in der Situation professionelle Hilfe nötig ist, sprächen sie das in der Familie an. Bei ihnen gehe es darum, die Kinder dabei zu unterstützen, das Erlebte mit in ihre Biografie aufzunehmen, zumeist in spielerischer Form. Kuscheltiere helfen dabei. Mit der samtweichen grau-braunen Schnecke in der Hand oder der quietschgelben flauschigen Ente fällt es leichter zu reden. „Wir fragen dann, wie es dem Tier geht, was es erlebt hat“, erzählen die Trauerbegleiterinnen.

Themenkomplexe der Trauerarbeit sind unter anderem Selbstwahrnehmung, Erinnerung, Kraftquellen und auch das Thema Schuld, besonders dann, wenn sich Kinder nach einem Freitod schuldig fühlen. Fragen sind dabei etwa: Was war schön mit dem gestorbenen Menschen? Wer oder was tröstet Dich? „Dabei geben wir natürlich nichts vor“, so die Trauerbegleiterinnen. Gehe es darum, wo der Verstorbene jetzt ist oder was nach dem Tod kommt, spreche man mit der Familie, ob sie einen Glauben vertritt. Zum Einsatz kommen dabei nicht nur Kuscheltiere, es werden Bilder gemalt, Erinnerungskästen zur Aufbewahrung von Fotos, Briefen und anderen Gegenständen des Verstorbenen gebastelt, Collagen gefertigt oder Kerzen fürs Grab verziert. Zudem gibt es Zeit zur Entspannung.

Wie lange die Kinder an der Gruppe teilnehmen, läge letztlich bei diesen, sagen die Trauerbegleiterinnen, meist sei es ein Jahr. Dann gibt es auch ein Fest. „Ziel ist es, dass die Kinder uns auch wieder loslassen“, erklären Kayser und Himmel, „wir versuchen sie auf einen guten Weg zu bringen, Abschied dabei positiv zu besetzen.“  

Auch Gruppe für Jugendliche geplant
Die Kindertrauergruppe (fünf bis zehn Jahre) trifft sich montags von 16 bis 17.30 Uhr bei der Hospizinitiative Eutin (Albert-Mahlstedt-Straße 20). Teilnehmen kann jedes Kind, das einen ihm nahe stehenden Menschen verloren hat, unabhängig davon, wie lange der Todesfall zurück liegt.


Für Jugendliche beginnt eine Trauergruppe (elf bis etwa 15 Jahre) im Januar.
Weitere Informationen und Anmeldungen unter Tel. 04521/

401881 (AB, Rückruf erfolgt).

Britta Kessing

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