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Die Geburtsstunde der Rettungsflieger

Eutin/Siblin Die Geburtsstunde der Rettungsflieger

40 Jahre Luftrettung in Ostholstein werden am 10. Juni mit einem Tag der offenen Tür auf dem Landeplatz in Siblin gefeiert – die LN widmen der Erfolgsstory eine dreiteilige Serie – spannende, emotionale und schöne Geschichten.

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Heiner Wolgast war bis zu seiner Pensionierung im Dezember 2007 mehr als 30 Jahre als Pilot im Einsatz.

Eutin/Siblin. Der 1. Juni 1976 ist ein sonniger, windiger Tag. Als kurz vor Mittag ein leuchtend gelb lackierter Hubschrauber zum ersten Mal am Eutiner Kreiskrankenhaus landet, erkennt kaum jemand die volle Bedeutung des Augenblicks. Noch gibt es reichlich Zweifel am Nutzen und der Sinnhaftigkeit des Projektes. Heute – 40 Jahre und fast 42 000 Einsätze später – ist Einwohnern Ostholsteins und der Nachbarkreise klar: Mit der Indienststellung von „Christoph 12“ hat an jenem Tag eine neue Ära im Rettungsdienstsystem begonnen. Das ist ein guter Grund zum Feiern: Am Freitag, 10. Juni, gibt es auf dem heutigen Landeplatz bei Siblin einen Festakt und einen Tag der offenen Tür.

LN-Bild

40 Jahre Luftrettung in Ostholstein werden am 10. Juni mit einem Tag der offenen Tür auf dem Landeplatz in Siblin gefeiert – die LN widmen der Erfolgsstory eine dreiteilige Serie – spannende, emotionale und schöne Geschichten.

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Fliegender Reporter

Die LN erhielt als erste Zeitung eine Mitfluggenehmigung im neuen Rettungshubschrauber. Am 17. Juni 1976 begleitete Eckhard Meier die „Christoph 12“-Crew. Bis zum Wechsel in den Ruhestand 2011 war er noch etliche Male im Cockpit der Rettungsflieger. Zum 40-jährigen Jubiläum öffnet Eckhard Meier sein Archiv.

Wie viele Menschen genau der schnellen Hilfe aus der Luft ihre Gesundheit oder gar ihr Leben verdanken, wird sich nie feststellen lassen. Gemeinsam mit dem so genannten bodengebundenen Rettungsdienst einschließlich Notarztsystem verfügt die Region über ein Stück Daseinsvorsorge, das modernsten Anforderungen genügt. Das war 1976 noch ganz anders. Nicht selten kam ein Sanitäter mutterseelenallein mit dem Krankenwagen angebraust, und ein Arzt am Unfallort oder bei akuten Erkrankungen war die absolute Ausnahme oder schlichtweg glücklicher Zufall – heute unvorstellbar.

Angesichts von fast 100 Verkehrstoten pro Jahr in den frühen 70er Jahren in Ostholstein (2015 waren es 13) wird deutlich, wie notwendig die Revolution im Rettungswesen war. Natürlich haben auch Gurtpflicht, Tempo 100 auf Landstraßen und vielfältige technische Verbesserungen zu mehr Sicherheit geführt, doch die Bedeutung einer schnellen ärztlichen Versorgung nach Verkehrsunfällen ist unbestritten. Doch nicht nur die Verkehrsteilnehmer profitierten: Schnell stellte sich heraus, dass – anders als angenommen – der Hubschrauber deutlich häufiger zu internistischen Notfällen gerufen wurde als zu Unfällen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Heiner Wolgast ist ein Mann der ersten Stunde, wenn es um die Luftrettung geht. Zwei Wochen nach Indienststellung war er zum ersten Mal als Pilot in Eutin eingesetzt. Die Ära Wolgast endete erst 31 Jahre später, als er am 13. Dezember 2007 bei der Fliegerstaffel Nord der Bundespolizei in Fuhlendorf bei Bad Bramstedt in den Ruhestand ging. „Das war meine Welt“, sagt er mit unverhohlener Wehmut in der Stimme, als er in uralten LN-Ausgaben blättert und die Artikel und Bilder aus seiner beruflichen Laufbahn Revue passieren lässt. Mehr als 8000 Stunden hat er am Steuerknüppel eines Hubschraubers gesessen, viele davon im Rettungsdienst in Eutin, in Bremen oder Duisburg. „Die Bo 105 als erstes Baumuster für die Flugrettung in Eutin war wie ein schneller Porsche“, erinnert er sich, „doch richtig beliebt war bei Ärzten und Sanitätern die wenig später eingesetzte dicke Bell 212. Viel Platz und zuverlässig ohne Ende. Man konnte sich immer auf sie verlassen, auch unter schwierigsten Bedingungen.“

Mit breitem Grinsen berichtet der 68-Jährige von den Anfangsjahren, als noch nicht hinter jedem Strauch jemand mit dem Handy stand und alles filmte. „Bei der Schneekatastrophe 1979 habe ich mal einem Kollegen von der Bundeswehr 500 Liter Sprit geschenkt, weil er sich über dem völlig zugeschneiten Kreisgebiet ein bisschen verflogen hatte und nun Treibstoffmangel bekam. Also ging er auf meinen Vorschlag zum Tanken in Eutin 'runter – und auf den für eine Bezahlung notwendigen Papierkrieg mit den sprichwörtlichen fünf Durchschlägen haben wir verzichtet. Wenn jemand Offizielles nachfragen sollte, hätte meine Maschine an dem Tag eben wegen starkem Gegenwind ungewöhnlich viel verbraucht. Von so manchem Fliegergruß über Häusern von Freunden und Verwandten, die auf dem Kurs lagen und wenn wir keine Patienten an Bord hatten – wir mussten ja den Hubschrauber in der Bevölkerung auch ein bisschen bekannt machen – redet niemand mehr. Heute wäre man eine Stunde nach solchen Aktionen sofort die Pilotenlizenz los, weil der Chef inzwischen alles auf Youtube gesehen hat.“

Eines hat sich gegenüber der Anfangszeit nicht geändert. Wolgast: „Wenn ich irgendwann von den schrecklichen Bildern träume, die zu vielen Einsätzen dazu gehören, steige ich aus – das war meine feste Absicht. Aber ich bin dabei geblieben. Das heißt nicht, dass man für die Patienten nichts mehr empfindet. Es geht um eine gewisse professionelle Distanz, die man bewahren muss und ohne die man diesen Beruf nicht ausüben kann. Umso schöner war es stets, wenn sich Tage und Wochen später Angehörige oder Betroffene meldeten und sich bei der Christoph-Besatzung bedankten. Darüber freuen sich alle sehr.“

Heute macht den Piloten die moderne Technik die Arbeit leichter. Ob elektronische Navigation statt Kartenstudium, leisere Triebwerke oder Anti-Kollisionswarngeräte – es hat sich vieles verändert. Aber eines ist geblieben: Das Einsatzspektrum mit Starts und Landungen in jedem, wirklich jedem Gelände und jeder Bebauung. Und sei sie noch so eng. Dieser Beruf verlangt ein Höchstmaß an Können – heute wie vor 40 Jahren.

Nächsten Sonntag: Skeptiker und Kämpfer – Einsatz für „Christoph 12“

Eckhard Meier

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