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Ostholstein Die Geschichte hinter dem Fassaden-Haus
Lokales Ostholstein Die Geschichte hinter dem Fassaden-Haus
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03:35 04.01.2013
Man denkt zwangsläufig an eine Filmkulisse aus Babelsberg.“Kerstin Schmidt, Eigentümerin
Grube

An Heiligabend brannte eine Kerze im Fenster, im Hintergrund leuchtete der Weihnachtsbaum malerisch — so wie in den meisten anderen Haushalten auch. Doch ansonsten war und ist an diesem Haus im Herzen Grubes augenblicklich nichts so, wie es bei den übrigen ist.

Rückblick: Am 13. Juni 2012 hatten das Einfamilienhaus sowie das Nachbarhaus nach einem Nagetierbiss in eine Stromleitung lichterloh gebrannt — bis auf die Grundmauern. Einzig die Frontseite konnte von den mutig gegen die Flammen ankämpfenden Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren gerettet werden. Monate später ist der bürokratische Marathon danach beendet, sind zahllose Formulare ausgefüllt, ist die Baugenehmigung für den Neuaufbau erteilt und die Ruine dahinter entrümpelt.

„Der materielle Schaden ist entsetzlich, wir haben viele Dinge verloren, die uns am Herzen lagen. Doch mittlerweile ist der Humor bei uns zurückgekehrt“, sagt die Dame des Hauses. Kerstin Schmidt und ihr Mann Mathias leben seit dem Brandtag in ihrer Ferienwohnung im hinteren Bereich des Grundstückes — mit Blick auf die Unglücksstelle.

„Es war schon eine Umstellung, von 200 auf 40 Quadratmeter umzusiedeln“, erzählt Kerstin Schmidt. Das Haus befinde sich seit 1905 in Familienbesitz. „Deshalb wollen wir retten, was noch zu retten ist.“ Das ist nicht viel. Schmidt sagt mit einem Lächeln: „Man denkt zwangsläufig an eine Kulisse aus den Filmstudios Babelsberg, wenn man daran vorbeigeht.“ Die Menschen auf der Straße würden sie immer wieder darauf ansprechen. Ihr Gatte Mathias ergänzt: „Die Zuversicht ist zurückgekehrt. Man muss in einer solchen Situation die Ruhe bewahren, so gut es geht. Ich hätte aber niemals gedacht, dass sich das ganze Prozedere so lang hinzieht.“

Die Stunden direkt nach dem Feuer waren dabei die schwersten. Mathias Schmidt blickt zurück: „Die Nachbarn, bei denen wir anfangs auch unterkamen, waren ein großer Rückhalt. Wir hatten ja kein Dach mehr über dem Kopf.“ Ohnehin habe das gesamte Dorf große Anteilnahme für sie und ihre Nachbarn, Familie Schwardt, deren Haus komplett abgebrannt war, gezeigt.

Daher versprechen die Schmidts auch: „Unsere Abrissparty mit Punsch und Wurst war schon sehr nett, doch zum Richtfest laden wir bestimmt das halbe Dorf ein.“ Im Februar sollen je nach Witterung die Bauarbeiten beginnen, spätestens Weihnachten 2013 wollen sie ihr neues, altes Heim bezogen haben. Dann wird sie wieder brennen, die Kerze im Fenster, und der Weihnachtsbaum steht dann wieder innerhalb der eigenen vier Wände in der warmen Stube.

Peter Mantik

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