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Ostholstein „Die Kirche erneuert sich ständig“
Lokales Ostholstein „Die Kirche erneuert sich ständig“
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20:12 28.10.2017

Ein Satz wie ein Paukenschlag. Dirk Süssenbach kommt schnell zum Punkt. Kirchenvertreter aus anderen Ländern würden sich immer wieder wundern, dass die Zahl der gläubigen Christen im LutherLand abnehme. „Deshalb sehen und erleben wir die Feier mit einer gewissen Nachdenklichkeit“, sagt Süssenbach. Während es vor 200 Jahren noch selbstverständlich gewesen sei, in die Kirche zu gehen, erlebe man heute eine große Konkurrenz auf dem Freizeitmarkt. „Früher war der Sonntagsgottesdienst ein Pflichttermin. Dort wurden Verlautbarungen der Regierung verlesen und Geschäfte abgeschlossen“, so Süssenbach. Und der Sonntagstermin war damals sogar noch mehr: eine Art Heiratsmarkt.

Anfang Juli machte das Schiff der Nordkirche im Neustädter Hafen fest. Quelle: Fotos: Ser, Ln-Archiv, Hfr
Propst Dirk Süssenbach.
Propst Dirk Süssenbach.

„Vielen Leuten geht es auch ohne Kirche gut. Dirk Süssenbach

Propst

Was Martin Luther vor Hunderten von Jahren als „dem Volk aufs Maul schauen“ bezeichnete, drückt Süssenbach heute anders aus. Er versucht, die Lebenswirklichkeit der Ostholsteiner kennenzulernen. „Wir bemühen uns ernsthaft darum“, sagt der Propst. So sei er unter anderem in Sozialkaufhäusern, bei den Tafeln und in Schlichtwohnungen gewesen. Letztere befinden sich in Neustadt gegenüber der Ancora-Marina. „Da prallen soziale Wirklichkeiten aufeinander“, sagt er. Armut, psychische Belastung durch zu viel Arbeit, all dies spiele eine Rolle im Alltag der Menschen.

Umso wichtiger sei es, dass die Kirche Veranstaltungen anbietet, die sich an bestimmte Personengruppen aus unterschiedlichen Milieus richtet.

In den vergangenen Monaten sei man besonders präsent gewesen: Konzerte, Lesungen, Diskussionsrunden, der Besuch des Kirchenschiffes „Artemis“ in Neustadt – die Liste der Veranstaltungen ist lang.

„Wir haben ein breites Spektrum abgedeckt, sind mit Selbstironie und Humor auf die Menschen zugegangen“, resümiert der Propst das ablaufende Luther-Jahr. „Es war keine Heldenfeier“, betont Süssenbach. So habe man Luther auch kritisch betrachtet, seinen Judenhass thematisiert und ihn ein Stück von seinem Sockel heruntergeholt.

Dabei hat der Kirchenkreis auch vor neuen Wegen nicht Halt gemacht. Unter anderem wurde ein Youtube-Kanal eingerichtet („Schatzkiste Glauben“). Aktionen wie diese würden laut Süssenbach wunderbar zu Luther passen. Dieser habe immer wieder eine Erneuerung der Kirche gefordert. In Ostholstein ist die Nordkirche seiner Meinung nach deshalb auch auf einem guten Weg. „Mir ist in diesem Jahr eine Lebendigkeit begegnet, die mich überraschte. Es war ein besonderes Jahr, dass ich so nicht erwartet habe“, sagt er.

Das ist los in Ostholstein

Reinfeiern: Am Abend (30. Oktober) vor dem Jubiläum lädt der Kirchenkreis zu zwei Veranstaltungen ein. In der Oldenburger Johanniskirche (ab 18 Uhr) sowie in der Eutiner Michaeliskirche (17.30 Uhr) gibt es Musik, Kleinkunst, geistliche Beiträge und Auftritte des Figurentheaters „Radieschenfieber“.

Ein Abend für die Jugend: In der Scharbeutzer Strandkirche steigt am 30. Oktober um 18 Uhr ein Jugendgottesdienst, gefolgt von einem offenen Singen sowie einem Auftritt von „Radieschenfieber“.

Auswahl an Gottesdiensten: Am 31. Oktober gibt es in allen ev. Kirchen in Bad Schwartau Gottesdienste (Beginn jeweils um 10 Uhr). In Niendorf findet der Gottesdienst ab 11 Uhr in St. Petri statt. Auf Fehmarn gibt es in St. Nikolai einen ökumenischen Gottesdienst (10 Uhr). In St. Petri in Bosau ist ein Gottesdienst mit Abendmahl geplant (10 Uhr). In Curau geht es um 18 Uhr los.

Bockbier und Schinkenschnitten: So will die Kirche in Cismar am 31. Oktober den 500. Jahrestag der Reformation feiern (17 Uhr).

„Futtern wie bei Luthern“ in Ahrensbök: Eine Tafel in der Kirche, verkleidete Frauen und Männer, mittelalterliche Musik – am 31. Oktober ab 15.17 Uhr in der Marienkirche.

Reformationsnachmittag in Curau: Los geht es um 16 Uhr im Gemeindehaus, Dorfstraße 6.

Theater: Helga Wahrlich und Klaus Troemer geben am 31. Oktober in der Niendorfer Petri-Kirche (16.30 Uhr) amüsante Einblicke in Luthers-Eheleben.

Musikalische Andacht: Eine Vertonungen von Lutherliedern ist am Dienstag in der St.-Johannis-Kirche in Oldenburg geplant.

„Luther Fabulant“: So heißt der Titel einer Lesung mit Pastorin Claudia Süssenbach am 31. Oktober um 19 Uhr in der Süseler Laurentius-Kirche.

Weitere Infos auf www.kirchenkreis-ostholstein.de

Sebastian Rosenkötter

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