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Ostholstein Die Kohlernte startet mit Verspätung
Lokales Ostholstein Die Kohlernte startet mit Verspätung
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10:00 01.12.2018
Später Start der Kohlernte auf Fehmarn: Landwirt Peter-Joachim Witt. Quelle: LOUIS GÄBLER
Fehmarn

Die Messer sind gewetzt, auf Fehmarns Äckern rollen seit dieser Woche wieder die Köpfe. Die Kohlernte ist in vollem Gang – allerdings mit vierwöchiger Verspätung. Der Grund ist die sommerliche Dürre. Sie ist auch dafür verantwortlich, dass die Ernte in diesem Jahr deutlich geringer ausfallen wird. Mit bis zu 50 Prozent Ernteeinbußen rechnen die Landwirte auf der Sonneninsel.

Wegen der Sommerdürre: Kohlernte startet mit vierwöchiger Verspätung

Fehmarn ist das letzte große Anbaugebiet für Wirsing, Rotkohl, Weißkohl und Rosenkohl in Ostholstein. Ein gutes Dutzend Landwirte beackert rund 140 Hektar auf der Insel. Im übrigen Kreis Ostholstein kommen bei einigen Gemüsebauern noch kleinere Flächen im Raum Grömitz und Neustadt hinzu – das war’s aber auch. Weitere Flächen sind selbst dem Kreisbauernverband nicht bekannt.

Peter-Joachim Witt, der in Blieschendorf direkt neben dem Gestüt von Olympia-Reiter Kay Rüder die „Witt Insel-Gemüse GmbH“ betreibt, hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. Ständig klingelt sein Smartphone – mal wird sein Einsatz auf dem Feld benötigt, dann muss er wieder in den riesigen Kühllagern auf dem Hof nach dem Rechten schauen.

Weizen bleibt die Hauptfrucht

Die Familie Witt beackert auf der Insel auf rund 200 Hektar. Davon entfallen 160 Hektar auf Weizen. Auf dem Rest werden Raps und diverse Kohlsorten angebaut. „Unser Vorteil hier ist das milde Insel-Klima. Das bekommt dem Wirsing besonders gut“, sagt Jo Witt und zieht damit einen Vergleich zu den stürmischeren Bedingungen für die Dithmarscher Landwirte an der Nordseeküste. „Wir bekommen den Wirsing in der Regel gut und unverletzt ins Lager. Hat die Blattoberfläche keine Sturmschäden, ist der Wirsing auch gut vier Wochen länger haltbar“, erläutert Witt.

Dennoch sei in diesem Jahr alles ganz anders gewesen. Erst gab es monatelang nasse, verregnete Felder. Dann kam die wochenlange Sommerdürre. Die Auswirkungen seien jetzt zu sehen. Die Kohlköpfe sind nicht nur kleiner, es gibt auch weniger. Fehmarns Kohlbauern rechnen mit einer durchschnittlichen Ertragseinbuße von gut 50 Prozent.

Arbeit mit doppelter Mannschaft

In der Regel wird Mitte Oktober mit der Ernte auf den Feldern gestartet. Doch die Früchte waren da noch lange nicht so weit. Also wurde bis diese Woche gewartet. Normalerweise dauert die Ernte zwei Monate. „Um den 20. Dezember waren wir fast immer durch“, sagt Witt. Gearbeitet wurde dann mit sechs bis acht Erntehelfern aus Rumänien – und zwar sechs Tage die Woche im Einsatz, nur der Sonntag ist frei.

Die Vitaminbombe

Er ist rund, appetitlich und urgesund: der Kohl. In ihm steckt ebenso viel Vitamin C wie in Zitrusfrüchten. Er ist reich an Vitamin B, Kalium, Kalzium, Natrium und blutbildendem Eisen. Seine Ballaststoffe senken auf natürliche Weise den Blut-Cholesterin-Spiegel. Das tolle Gemüse erfreut Feinschmeckergaumen mit seiner Vielseitigkeit: Kohl passt zu Krabben, Fisch, Fleisch und Wild. Und gut für die Figur ist er auch: in 100 Gramm Weißkohl stecken nur 25 Kalorien.

Jetzt arbeitet Witt mit doppelter Kapazität, um die Ernte rechtzeitig einzubringen. Aus Dithmarschen hat er einen weiteren Tieflader organisiert, aus Rumänien weitere Arbeitskräfte. Nun rackern 15 Feldarbeiter in zwei Kolonnen auf seinen Feldern. Das Ziel: bis Mitte Dezember sollen alle Kohlköpfe abgeerntet sein. Die Lagerung der Feldfrüchte erfolgt bis zum Abtransport auf dem eigenen Hof. Dort hat er Platz für 17 Hektar Kohl. In weiteren Lagerhäusern, die Witt hinzu gepachtet hat, bringt er den Rest unter.

Lieferung nach Süddeutschland

Und wohin geht der Kohl von Fehmarn? Da Witt auch unabhängiger Händler ist, kauft er Kohl von den Kollegen auf und vermarktet alles bei den großen Supermarktketten. „In der Regel beliefern wir die Frischemärkte in Süddeutschland – hauptsächlich in Bayern und in der Pfalz. Der größte Abnehmer ist allerdings ALDI-Süd“, sagt Jo Witt.

Louis Gäbler

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