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Ostholstein Die Kreise – ein Stück Heimat
Lokales Ostholstein Die Kreise – ein Stück Heimat
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20:37 22.09.2017
Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (rechts) übergibt das erste Exemplar des Buches „150 Jahre Kreise in Schleswig-Holstein“ im Eutiner Schloss an Ministerpräsident Daniel Günther (beide CDU). Quelle: Fotos: Susanne Peyronnet
Eutin

Ostholstein war bei den 20 Landkreisen von Wilhelms Gnaden nicht dabei, auch der Altkreis Eutin nicht, dafür der Kreis Oldenburg, aber auch so kleine wie Süderdithmarschen und Norderdithmarschen, Tondern und – eine Besonderheit – der Stadtkreis Altona. Ostholstein kam erst durch eine Fusion der Kreise Eutin und Oldenburg zustande und gehört damit zusammen mit Rendsburg-Eckernförde, Dithmarschen und Nordfriesland zu den Kreisen, die bei der Kreisreform 1970 entstanden. Jünger ist nur noch der 1973 gegründete Kreis Schleswig-Flensburg.

„Die Provinz Schleswig-Holstein wird in zwanzig Kreise getheilt“, verfügte Wilhelm, König von Preußen, am 22. September 1867. Daraus ergibt sich ein Jubiläum, das gestern im Eutiner Schloss gebührend gefeiert wurde. Eingeladen hatte der Schleswig-Holsteinische Landkreistag.

„Wir stehen zu den Kreis- strukturen.Daniel Günther (CDU)

Ministerpräsident

Doch warum überhaupt Kreise? „Man hat damals schon erkannt, dass man eine Ebene der Überörtlichkeit braucht für Aufgaben, für die die Gemeinde zu klein ist“, erläutert Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU), der zugleich Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Landkreistages und Präsident des Deutschen Landkreistages ist. Zu den Aufgaben der Kreise gehören die früher sogenannte Armenfürsorge, der Straßenbau, das Vorhalten von Krankenhausbetten – wie das geschieht, ist den Kreisen überlassen –, die Abfallbeseitigung, der Rettungsdienst und die Katastrophenabwehr. Den weitaus größten Teil der Aufgaben nimmt das Soziale ein, ob Kinder- und Jugendhilfe, Leistungen für Asylbewerber, Unterhaltsvorschuss. „Die Bedeutung der Kreise hat noch zugenommen“, sagt Sager. Zu den neuen Aufgaben, unterstrich er, gehörten die Energiewende, der demografische Wandel, Klima- und Naturschutz, die Digitalisierung und das aktuelle Migrationsgeschehen. Anschließend zitierte Sager einen Satz des damaligen Ministerpräsidenten Björn Engholm (SPD) von 1992. Land und Kommunen sei es gelungen, „in einem guten Sinne preußisch“ zu sein: „Offen für Flüchtlinge (wie einst die Hugenotten), liberal gegenüber Minderheiten und mit einem starken Staat, der das Recht und die Unversehrtheit jedes Einzelnen schützt und sich von niemanden an der Nase herumführen lässt.“

Ähnlich, sogar auf lange Sicht, sieht das Ministerpräsident Daniel Günther (CDU): „Die Kreise sind eine Erfolgsgeschichte der letzten 100 Jahre“, sagte er den 150 Gästen im Rittersaal des Eutiner Schlosses. „Wir stehen zu diesen Kreis- und Kommunalstrukturen und halten sie für absolut zukunftsfähig.“ Sprich: An weitere Kreisfusionen werde nicht gedacht.

2005 gab es in Kiel Bestrebungen, Kreise zusammenzulegen. Für die nähere Zukunft rechnet Sager nicht nur wegen Günthers Versicherung von gestern nicht mit solchen Ideen. „Die große Koalition hat 2005 bemerkt, welche Widerstände es dagegen gibt.“ Zudem seien die bestehenden Kreise jeder für sich groß genug. Pinneberg als flächenmäßig kleinster Kreis habe 300000 Einwohner, und der Kreis Rendsburg-Eckernförde sei fast so groß wie das Saarland.

Aber ein Kreis ist mehr als nur ein überörtliches Sozial-, Gesundheits- oder Bauamt. Er ist auch ein Gefühl. Er gibt seinen Bewohnern einen Begriff von Heimat. Selbst in einem Kunstgebilde wie dem Kreis Ostholstein. „Heute kommt es den Ostholsteinern wie selbstverständlich vor, dass sie Ostholsteiner sind“, sagt Sager. „Das geht vielen flüssig über die Lippen.“

Warum Kreise auch Heimat sind, erklärte Professor Oliver Auge von der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel, der den Festvortrag hielt. Bei der „drastischen Neugliederung“ von 1867 waren die Preußen so klug, die neuen Kreise nicht nur nach ihren Kreisstädten, sondern nach ihren Regionen zu benennen, zum Beispiel Stormarn oder Steinburg. Ein Trick, dessen sich auch die Ostholsteiner bei ihrer Kreisfusion 1970 bedienten.

Zur Identifizierung mit dem neuen Kreis, sagt Sager, habe aber auch das Autokennzeichen beigetragen. Es sei damals gut gewesen, ein gemeinsames zu finden und nicht den gleichen Fehler wie im Kreis Rendsburg-Eckernförde zu machen. Dort sei mit dem Kennzeichen RD der Eckernförder Teil des Kreises weggewischt worden. Aber nicht nur deshalb gilt nicht nur in Ostholsteins ein Satz von Oliver Auge: „Die Kreise stehen für den Begriff Heimat schlechthin.“

Susanne Peyronnet

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