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Die Menschenwürde bleibt in der Heimat

Ahrensbök Die Menschenwürde bleibt in der Heimat

Syrer berichten Ahrensböker Schülern von ihrer Flucht.

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Die Syrer Hanan Kolo (l.) und Abdul Aziz Almasri erzählten. Initiiert wurde die Runde von Pastorin Kirstin Mewes-Goeze und Axel Petermann.

Quelle: Foto: Latz

Ahrensbök. Lohnt es sich für Piraten, ein Schlauchboot voller Flüchtlinge zu überfallen? Die haben doch nichts mehr, was es sich zu stehlen lohnt, oder? Auf derlei Fragen kann es überraschende Antworten geben, erfuhren jetzt die Schüler einer achten Klasse der Arnesboken-Schule. Sie nahmen an einer Gesprächsrunde mit zwei Syrern teil, die von ihren Erfahrungen berichteten. Sie ist Teil der Aktion „Schule ohne Rassismus“. „Was bedeutet das Verlassen der Heimat – damit sollen sich die Jugendlichen beschäftigen“, sagt Axel Petermann, Mitinitiator der Aktion, zu der er zusammen mit der Ahrensböker Pastorin Kirstin Mewes-Goeze ins Gemeindehaus geladen hatte.

Infos beim Helferkreis

Die Gesprächsrunde ist Teil des Projektes „Ahrensbök gibt, Ahrensbök bekommt“. Informationen dazu gibt es beim Helferkreis Ahrensbök unter Telefon 04525/1687 oder bei der Gemeinde unter Telefon 04525/ 495144.

Dabei erzählt der 27-jährige Abdul Aziz Almasri aus Damaskus die Geschichte seiner Flucht, die von Beirut über Istanbul nach Izmir führte. Von dort startete Almasri die Überfahrt zur griechischen Insel Samos – nachts, mit etwa 50 weiteren Flüchtlingen in einem überfüllten Schlauchboot, dessen Motor kaputtging. „Ich habe mit meinem Handy unsere Koordinaten an Facebook durchgegeben und um Rat gebeten“, sagt Almasri. „Es hieß dann, wir sollten versuchen, ins griechische Hoheitsgebiet zu gelangen – dann würde Hilfe kommen.“ Damit sei er aber auch das Risiko eingegangen, Piraten anzulocken.

„In solch einem Boot ist viel Geld“, erklärt der Syrer seinen überraschten Zuhörern: „Fast jeder hat um die 2000 Euro für seine Flucht dabei.“ Hinzu kämen Handys, Uhren und Schmuck der Flüchtlinge. Nicht jeder Schüler kann mit diesen Schilderungen etwas anfangen – einige sind überfordert, demonstrieren Unwillen und Desinteresse. Die meisten aber versuchen, sich eine Flucht vorzustellen. „Was müsstet ihr zurücklassen?“, fragt Petermann. „Die meisten Jugendlichen nennen die Familie und Freunde, ihr Zuhause. „Menschenwürde“, fügt Almasri hinzu: „Ich habe auf meiner Flucht Haustiere gesehen, denen es besser ging als mir.“

Hanan Kolo aus Aleppo berichtet den Besuchern, dass er eineinhalb Jahre in Istanbul auf seine Weiterfahrt gewartet habe. 1100 Dollar habe er für die Bezahlung der Schleuser gebraucht, so der 28-Jährige. Doch in seiner Heimat Syrien habe er nicht bleiben können: Ebenso wie Aziz sollte er zum Militär eingezogen werden. „Wir sollten auf Menschen schießen, das wollten wir nicht“. „Was habt ihr im Krieg erlebt?“, möchten die Schüler wissen. Kolo erzählt von Bomben und von Soldaten, die Menschen verprügeln, aber es fällt ihm nicht leicht: Es kämen viele schlimme Erinnerungen hoch.

Die Schüler stellen nach, wie eng es in einem Schlauchboot sein kann, quetschen sich alle in eine Ecke, hocken sich hin. „Das war nicht schön“, sagt einer. Dann ist der Ausflug in die Welt der Flüchtlinge beendet, die Mädchen und Jungen stürmen hinaus, in die Sonne. Petermann und Mewes-Goeze sehen ihnen nach. „Es bringt etwas“, sagt Petermann überzeugt, „es ist absolut wichtig, dass die Schüler Menschen wie Abdul Aziz und Hanan kennenlernen.“

latz

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