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Ostholstein Die Musik von Haydn weckt seine Fantasie
Lokales Ostholstein Die Musik von Haydn weckt seine Fantasie
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22:21 02.07.2013
Von Thomas Klatt
Eine innige Verbindung zwischen Schüler und Lehrer: Markus Föhrweißer unterrichtet Alexander Tock (12) und bereitet ihn auf eine Karriere als Berufspianist vor. Quelle: Foto: Thomas Klatt

Sie sind talentiert und träumen von einer Karriere als Maler, Musiker oder Schauspieler. An Ostholsteins Schulen gibt es eine Menge unentdeckter Talente, die vielleicht einmal den Ruf Ostholsteins weit über die Landesgrenzen hinaus tragen könnten. Die Lübecker Nachrichten sprachen mit den jungen Menschen über ihre Träume und Zukunftsvisionen, aber auch über einen Alltag, der manchmal mehr Entbehrungen fordert als der von gleichaltrigen Freunden und Klassenkameraden. Einige von ihnen stellen die LN in den kommenden Wochen auf der Kulturseite vor.

Alexander Tock (12) sitzt kerzengerade auf seinem Klavierhocker im Musikraum der Jacob-Lienau- Gemeinschaftsschule. Sein konzentrierter Blick wechselt zwischen Tasten und Noten, die ihm an diesem Nachmittag ein Klavierstück Haydns vorgeben. „Das war schon ganz gut“, lobt Markus Föhrweißer, Leiter der Kreismusikschule Ostholstein. Ein Lächeln huscht über Alexanders Gesicht. Einfühlsam und auf Augenhöhe kommen die Anweisungen Föhrweißers: „Repetierte Noten haben ein Ziel, sie sind wie eine Verstärkung“ und „Spiel mal in Zeitlupe“.

Der Musiklehrer weiß, wie er seinen Schützling aufbaut, auch wenn der mal einen Fehler macht: „Computer kann man programmieren. Aber Du bist kein Computer. Ein Computer spielt fehlerfrei, was Du in ihn einprogrammierst. Du aber, Du spielst mit dem Herzen.“ Das leuchtet Alexander ein. Behutsam korrigiert Föhrweißer dann immer wieder Nuancen im Tempo und in der Lautstärke. Alexander weiß, was sein Lehrer von ihm will, setzt die meisten Anregungen auf Anhieb um.

„Mit vier Jahren ist er immer um unser Klavier herumgetanzt“, erzählt seine Mutter, die ebenfalls Klavier spielt. Auch die Oma hat schon Klavier gespielt. Nach einer zweijährigen musikalischen Früherziehung sei dann klar gewesen, dass Alexander sein größtes musikalisches Potenzial am Klavier hat. 2009 erhielt Alexander mit acht Jahren seinen ersten Klavierunterricht. Nur zwei Jahre später, mit zehn, gewann er bereits den ersten Preis bei „Jugend musiziert“ in Lübeck. Es folgten weitere Konzerte und bei einem Podium junger Künstler im Jagdschlösschen am Uklei-See. 2012 dann der zweite Platz beim Hamburger Instrumental-Wettbewerb des Landesverbandes der Tonkünstler und Musiklehrer.

Täglich eine halbe Stunde muss Alexander zum Üben einplanen. Unmittelbar vor Konzerten können es auch schon mal ein bis zwei Stunden sein. Immer mal wieder unterbrochen von Pausen, in denen Alexander das Klavier Klavier sein lässt und mit Freunden nach draußen geht und spielt — so wie andere Kinder seines Alters auch.

Nicht weniger virtuos als das Klavierspiel ist Alexanders Sprache. Man mag kaum glauben, dass einem da ein Zwölfjähriger gegenüber sitzt, der etwas vom Ansporn erzählt, etwas erreichen zu wollen, der spürt, dass er die Menschen mit seiner Musik erfreuen kann, und der auch weiß, „dass ich mich anstrengen muss — aber es lohnt sich“. Er sei sich bewusst, dass sein Unterricht für ihn eine „kostbare Gelegenheit“ darstellt. Gefördert wird Alexander vom Kiwanis-Club Ostholstein, der ihm wöchentlich eine Unterrichtsstunde bei der Kreismusikschule spendiert.

„90 Prozent sind Fleiß, aber Alexander bringt darüber hinaus auch die nötige Begabung und das Verständnis für die Musik mit“, lobt Föhrweißer. Zwei Jahre wird er seinen Schüler noch unterrichten, bevor er in den Ruhestand geht. Bis dahin hofft er, für Alexander einen geeigneten Lehrer gefunden zu haben, der dessen Begabung weiter fördert.

Ein guter Notendurchschnitt eröffnet dem jungen Musiker viele Perspektiven. Doch für Alexander steht der künftige Arbeitsplatz längst fest. „Berufsmusiker“ lautet sein Ziel. Rock und Pop mag er nicht, zum Einschlafen hört er Klassik, weil er sich dabei schwierige Passagen am besten einprägen kann. Haydn mag er, weil der mit seiner Musik soviel Fröhlichkeit verbreite und einfach Spaß mache.

Alexander: „Bei Haydns Klavierstücken kann ich mir leicht Geschichten dazu vorstellen.“

Auf Aufforderung schließt er die Augen. Wo er mit 20 Jahren steht, soll er sich einmal ausmalen. Die Antwort lässt nicht auf sich warten: „Ich sitze vor einem Gremium aus Professoren, gehöre zu den besten der Aufnahmeschüler. Ich habe Lampenfieber, kann das aber kontrollieren und genieße die Situation — und dann spiele ich.“ Föhrweißer ist sich sicher, dass Alexander einmal Berufspianist wird.

Weit könne er es bringen. Wie weit, das werde man dann sehen.

„90 Prozent sind Fleiß, er hat aber Begabung.“
Markus Föhrweißer

Thomas Klatt

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