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Ostholstein Die Namen der bislang Namenlosen
Lokales Ostholstein Die Namen der bislang Namenlosen
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20:17 21.01.2016
Am 24. März 2013 wurde dieses Mahnmal auf dem Gelände des Neustädter Ameos-Klinikums enthüllt. Es ist eine Erinnerung an hundertfachen Mord. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Eine Stele auf dem Gelände des Ameos-Klinikums erinnert bereits an die Opfer der NS-Euthanasie in Neustadt. Am Holocaust-Gedenktag, dem 27. Januar, wird dieser Gedenkort um ein weiteres Mahnmal ergänzt. Drei große Tafeln geben 931 namenlos Deportierten und Ermordeten ihre Namen zurück.

Nahezu 300000 Menschen befand das NS-Regime als kostspielige „nutzlose Esser“ und ließ sie in den Jahren zwischen 1939 und 1945 aus psychiatrischen Einrichtungen verschleppen und systematisch ermorden. Sie wurden vergast, zu Tode gespritzt, ausgehungert — weil sie behindert, psychisch krank, alt und verwirrt waren oder als asozial galten.

Aus der damaligen Landesheilanstalt Neustadt in Neustadt, dem Vorläufer des heutigen Ameos-Klinikums, wurden über 1000 Patientinnen und Patienten in Tötungsanstalten deportiert. Ameos hat sich diesem dunklen Kapitel gestellt, hat es von Prof. Friedrich Ernst Struwe aufarbeiten und dokumentieren lassen und 2013 einen Gedenkort geschaffen.

Die Namen der bislang Namenlosen aus Neustadt sichtbar zu machen, ihnen ein Teil ihrer Würde zurückzugeben, macht sich der Arbeitskreis Cap Arcona zur Aufgabe. Sein Vorhaben stieß jedoch auf Widerstände. Die verschleppten und ermordeten Patienten beim vollen Namen zu nennen, ist immer noch heftig umstritten. Wie die meisten Archive in Deutschland lehnte es auch das Landesarchiv Schleswig ab, Einsicht in die Krankenakten und Transportlisten aus Neustadt zu gewähren, die seit 2009 dort verwahrt werden.

Erst durch ein Widerspruchsverfahren und nach einer Anhörung vor dem unabhängigen Schiedsausschuss in Schleswig ist es dem Arbeitskreis Cap Arcona gelungen, die Transportlisten einzusehen und abzuschreiben. In fast dreijähriger Recherchearbeit ließen sich 931 Namen von Opfern der NS-Euthanasie ermitteln. Ideell und finanziell vom Ameos-Klinikum unterstützt, konnte der Arbeitskreis ein Mahnmal in Auftrag geben, das von dem Designer und Grafiker Hans- Dieter Holtz konzipiert und von den Neustädter Firmen Schlosserladen und F & F Lasertechnik ausgeführt wurde.

Die drei Namenstafeln zum Gedenken an die Deportierten und Ermordeten der NS-Euthanasie werden im Rahmen einer Feierstunde am kommenden Mittwoch, 27. Januar, um 11.30 Uhr im Hans-Ralfs-Haus im Wiesenhof in Neustadt der Öffentlichkeit übergeben.

LN

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