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Die Post kam niemals an: Ermittlungen gegen Brief-Diebe

Neustadt Die Post kam niemals an: Ermittlungen gegen Brief-Diebe

Verschwundene Briefe sorgen seit Monaten für Ärger im Raum Neustadt. Mehrere Bürger haben bereits Anzeige bei der Polizei erstattet. Einige Sendungen verschwanden ganz — andere wurden geöffnet, wieder zugeklebt und dann zugestellt. Die Post versichert, dass die Vorfälle untersucht werden.

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Post einstecken und hoffen, dass sie ankommt: In den vergangenen Monaten verschwanden etliche Briefe im Raum Neustadt.

Quelle: Sebastian Rosenkötter

Neustadt. Polizeisprecher Dierk Dürbrook bestätigt den LN, dass seit Herbst vergangenen Jahres sechs Fälle angezeigt worden seien. Fünf liegen bereits bei der Staatsanwaltschaft in Lübeck. Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders weiß um die Lage. Es seien „immer wieder einzelne Briefsendungen“ betroffen. „Menschen die wissen, dass sie etwas bekommen sollten, haken nach. Dann wird bekannt, dass nie etwas angekommen ist“, erläutert Anders.

Die Zahl der Betroffenen dürfte also weit höher sein als die Zahl der Anzeigen — denn nicht jeder Absender prüft, ob seine Schreiben angekommen sind.

Eine Betroffene ist die Sierksdorferin Barbara Podehl. Bereits im Dezember erzählte sie den Lübecker Nachrichten erstmals von verschwunden Glückwunschkarten. Unter anderem seien in Umschläge verpackte Karten, die sie am 24. Juni, 8. Juli und 31. August in den Briefkasten an der Panoramic-Wohnanlage in Sierksdorf eingeworfen habe, nie angekommen. Am 25. November habe sie ihre Schreiben dann in einen Kasten am Neustädter Markt geworfen. Auch diese sind weg.

Das letzte Negativerlebnis widerfuhr ihr im Januar. Sie erhielt einen Brief von ihrer Freundin aus Neustadt, gefüllt mit einem gefalteten Zeitungsausschnitt ohne Anschreiben. „Der Brief wurde in der Mittagszeit am 20. Januar 2016 in den Briefkasten am Kreuzweg in Neustadt geworfen. Als ich den Brief zwei Tage später gegen 13 Uhr in meinem Briefkasten fand, wunderte ich mich, dass er mit Klebefilm verklebt war, erst nach dem Öffnen habe ich dann gemerkt, dass der Umschlag oben aufgeschlitzt worden war“, erinnert sie sich. Ein Anruf bei der Absenderin bestätigte ihre Vorahnungen. Die Freundin hatte den Brief nach dem erstmaligen Schließen nicht erneut verklebt. Barbara Podehl erstattete daraufhin Anzeige. „Den aufgeschlitzten Umschlag hat der Beamte behalten“, sagt sie.

Das Problem ist seit Monaten bekannt. Wie genau die Ermittlungen ablaufen, wollen Polizei und Post nicht sagen. Zuletzt betonte Postsprecher Martin Grundler am vergangenen Montag, dass er zum Sachstand nichts Neues mitteilen könne, da die internen Untersuchungen noch laufen würden. „Unsere Kollegen vom Sachgebiet Sicherheit arbeiten — wie immer in solchen Fällen — eng mit der Polizei zusammen“, so Grundler weiter. Gegenüber den LN hatte er sich bereits am 14. Dezember in einem Telefonat und anschließend in mehreren E-Mails ähnlich geäußert. Dabei bat er die LN darum, nicht zu berichten, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Doch seitdem sind viele Wochen vergangen. Was die internen Ermittler in dieser Zeit gemacht haben, wollte Grundler nicht sagen.

Zum normalen Verfahren bei der Leerung der Briefkästen in Neustadt und Umgebung erklärt der Postsprecher, dass dafür nicht immer primär Postbeamte eingesetzt würden: „Zum Teil sind es Firmen im Auftrag der Deutschen Post, zum Teil leeren auch Mitarbeiter wie zum Beispiel die Zusteller auf ihrer Tour die Briefkästen.“ Darüber hinaus erklärt Martin Grundler, welche Voraussetzungen Personen erfüllen müssen, die Briefkästen leeren. „Die Firmen und ihre Mitarbeiter müssen unter anderem die notwendigen Lizenzen zum Transport, einen Handelsregistereintrag haben, zuverlässig sein und die notwendige Qualität sicherstellen. Die Mitarbeiter müssen ein Führungszeugnis vorlegen.“ Außerdem würden die Mitarbeiter der Firmen auf das Postgeheimnis verpflichtet.

Strafe für Täter und Hilfe für Opfer

Hohe Strafe: Der Lübecker Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders sagt, dass aktuell wegen des Verdachts der Unterschlagung und der Verletzung des Postgeheimnisses ermittelt werde. Das Strafmaß ist erheblich. Es sieht bei Unterschlagung eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor. Bei einer Verletzung des Postgeheimnisses würden einem Angeklagten sogar bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe drohen.

Kundentelefon: Kunden, die feststellen, dass verschickte Briefe geöffnet oder verschwunden sind, sollten dies laut Postsprecher Martin Grundler unter der Nummer 0228/4333112 reklamieren.

• Onlinehilfe: www.deutschepost.de

Sebastian Rosenkötter

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