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Die Rückkehr des Eismanns

Lensahn Die Rückkehr des Eismanns

Sibirien war gestern: Der Lensahner Wolfgang Kulow hat wieder deutschen Boden unter den Füßen. In den LN erzählt er exklusiv von seinen Abenteuern am anderen Ende der Welt.

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Kulow on Ice: Der Lensahner brach mit seinem Mountainbike auf, um der extremen Witterung Sibiriens zu trotzen.

Quelle: Fotos: Kulow/hfr

Lensahn. Vom Schnee in den Schnee. Der Aeroflot-Flug SU 2346 aus Moskau/Scheremetjewo mit Abenteurer Wolfgang Kulow an Bord landet pünktlich um 11.40 Uhr in Hamburg/Fuhlsbüttel. Die Expedition mit dem Mountainbike auf dem Baikalsee in Sibirien war die wohl gefährlichste, sicher aber die kälteste Expedition seines Lebens. Mitgebracht hat der 63-Jährige eine Welt aus Erinnerungen.

Der Lensahner Wolfgang Kulow ist zurück vom Baikalsee-Abenteuer.

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Rückblick zum zugefrorenen Baikalsee. Es sind minus 25 Grad Celsius. Kulow hat es neben der Kälte mit einem undurchschaubaren Labyrinth aus Eisbergen zu tun, mit tiefen Gräben im Eis, wo es im Wasser 1400 Meter in die Tiefe geht und mit „Schnee, Schnee, Schnee“. Kulow stellt sich bis zum letzten Tropfen Kraft dieser Herausforderung. „Ich habe auch hammermäßig abgenommen, bestehe nur noch aus Haut und Rippen.“ Er wiegt sieben Kilogramm weniger, „reine Muskelmasse“, wie er sagt.

Kulow beschreibt seine Tour wie einen Mix aus Paradies und Inferno. „Tagsüber war es sonnig, das Eis glatt, die Natur unbeschreiblich schön, einfach spektakulär. Doch wenn die Sonne unterging, wurde es eisig, kam Sturm auf.“ Insgesamt vier Mal stürzt er. Einmal weht ihn ein Orkan einfach vom Rad. Kulow steht immer wieder auf. Sein Wille hält Stand.

Einmal ruft er in der Redaktion an und erzählt, er habe sein Rad 15 Kilometer weit geschoben. Der Weg sei das Ziel. Er gesteht sich aber auch: „Die Natur spielt mit mir. Sie bestimmt, ob ich den Norden des Baikalsees und damit die Transsibirische Eisenbahn erreiche.“ Tut er nicht. Auf Höhe der Insel Olchon, 400 Kilometer vor dem Ziel, ist Endstation. Jeder weitere Anlauf wäre lebensgefährlich. Kulow dreht mit seinem Drahtesel um. Insgesamt hat er nach 17 Tagen 752 Kilometer auf seinem Tachometer. „Ich habe alles getan, was möglich war. Mein Equipment war perfekt. Es sollte einfach nicht sein.“

Nach erzwungener Umkehr dann doch noch ein kleines Trostpflaster. So scheint es zumindest. Im Eis eingefroren entdeckt er einen 100-Euro-Schein. Entkräftet denkt er sich: „Das ist schnell verdientes Geld.“ Mit dem Messer bohrt er ein Loch ins Eis, holt den Schein heraus. Es ist eine Fälschung . . .

Heftige Stürme muss Kulow überstehen. Einmal ist der Wind so heftig, dass er nachts sein Zelt abbauen muss, weil er es sonst zu verlieren droht. „Mir flogen die Eisschrauben des Zelts um die Ohren.

Ich dachte nur, jetzt cool bleiben und bloß nichts von der Ausrüstung verlieren.“ Er hat die Orientierung verloren, weiß nicht, wo das Festland liegt. In seiner Expeditionskleidung harrt er aus, bis es hell wird. „Ohne diese Spezialkleidung hätte ich es nicht geschafft“, sagt Kulow.

Trotz Hightech ist er immer wieder auch in punkto Einfallsreichtum gefordert. „Ich hab‘ doch glatt meinen Löffel verloren. Den brauchte ich natürlich zum Essen. Also habe ich mir einen neuen aus Plastik geschnitzt.“ Diesen hat er auch als Souvenir mitgebracht. Über all dies wird noch zu sprechen sein. Die Fernsehsender stehen bereits Schlange. Am Montag bei Sat 1, NDR und ZDF haben ebenfalls angefragt. Aber erst einmal muss er ins Bett und den Jetlag bezwingen.

Kulow wäre nicht Kulow, wenn er nicht bereits das nächste Event ins Augen fassen würde: das erste Unterwasser-Radrennen der Welt mit seinem Freund Joey Kelly . . .

• Eine Foto-Galerie finden Sie im Internet auf www.ln-online.de

„Ich habe hammermäßig abgenommen, bestehe nur noch aus Haut und Rippen.“
Wolfgang Kulow

Peter Mantik und Thomas Klatt

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