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Die Suche nach der idealen Getreidesorte

Giddendorf Die Suche nach der idealen Getreidesorte

Der Versuchsring Ostholstein forscht auf Gut Friedrichstal über Schädlingsbekämpfung bei Weizen und Gerste.

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Bei Friedrichstal informierte der Versuchsring über seine Versuche. Um sich für die richtige Getreidesorte zu entscheiden, müssten die Landwirte jedoch am besten das Wetter der kommenden Monate vorhersagen können.

Giddendorf. Sie heißen „Getreidehähnchen“ oder „septoria tritici“ und sie lieben Feuchtigkeit und Wärme — Schädlinge und Pilze, die ganze Ernten vernichten können. Und da es im Frühsommer vor allem vom Regen jede Menge gegeben hat, ist für die Landwirte in diesem Jahr guter Rat teuer. Mindestens vier Mal musste in dieser Saison das Getreide gespritzt werden. Glück hat, wer bei der Aussaat im vergangenen Herbst auf entsprechend resistentere Sorten gesetzt hat. Welche das sind, erforscht der Versuchsring Ostholstein seit Jahrzehnten mit Feldversuchen auf Gut Friedrichstal. Gestern stellte der Verband knapp 100 Mitgliedern die Erfolge auf dem Acker vor.

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„Schädlingsbekämpfung ist in Teilen wie eine Haftpflichtversicherung.“ Gesche de Vries, Agrarwissenschaftlerin

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„Es ist schwierig, den optimalen Zeitpunkt für das Spritzen zu treffen“, sagt Agrarwissenschaftlerin Gesche de Vries von der Nordischen Universität Agrar GmbH. Das Problem sind Halm-Basis-Krankheiten, einfache Blattläuse oder auch Ährenfusarien, Pilze, die begünstigt durch den Regen während der Weizenblüte die Pflanzen in diesem Jahr vielerorts befallen haben. Nur wenige Tage bleiben den Landwirten dann um zu handeln. Andernfalls kann der wertvolle Brotweizen dann nur noch ans Vieh verfüttert werden. Teilweise müssten die Landwirte aber auch bereits im April Schädlinge bekämpfen, wenn sie noch gar nicht wüssten wie das Wetter wird und wie sich wann welche Schädlinge entwickeln, sagt Wissenschaftlerin de Vries. 30 bis 40 Euro kostet jede Gabe Bekämpfungsmittel pro Hektar.Und für den Preis ist das Mittel erst auf dem Hof und noch nicht ausgebracht.

Aber es ist nicht nur die Resistenz des Weizens, die de Vries bei ihren Sortenversuchen vergleicht. Es geht auch um optimale oder flexible Aussaat-Zeitpunkte, die Stoppelweizentauglichkeit, die allgemeine Standfestigkeit und nicht zuletzt den möglichen maximalen Ertrag. Auf bis zu 130 Doppelzentner je Hektar bringen es einige Sorten auf den guten Böden im Norden Ostholsteins, wenn die Bedingungen stimmen. „Grundsätzlich gibt es oft fünf Gründe, die für eine Sorte sprechen, aber auch immer mindestens einen dagegen“, sagt Expertin de Vries.

Die absolute Topsorte habe man noch nicht gefunden. Eine „fast absolute Topsorte“ der vergangenen Jahre, die Sorte Santiago, sei gerade vom Züchter vom Markt genommen worden. Gründe seien dafür offiziell nicht genannt worden, allerdings gebe es Meldungen über eine besondere Rostanfälligkeit, die vor allem im angelsächsischen Raum aufgetreten sein soll. Eine andere vielversprechende Sorte, Tobak, die als winterhart, lang und standfest bei hohen Erträgen gelte, habe sich in diesem Jahr als besonders anfällig für die Ährenfusarien erwiesen.

Für welches Saatgut sich der Landwirt am Ende entscheide, hänge letztlich von vielen Faktoren ab. Gleiches gelte für Zahl und Zeitpunkt der Pflanzenschutzmaßnahmen.

Auf entsprechende vorbeugende Maßnahmen im April komplett zu verzichten, berge jedoch ein enormes Risiko, warnt die Wissenschaftlerin. „Die Schädlingsbekämpfung zu diesem Zeitpunkt ist letztlich wie eine Haftpflichtversicherung“, sagt de Vries.

Für diese Saison empfiehlt die Expertin jetzt auftretende Krankheiten auch mal zuzulassen, um überhaupt noch einigermaßen zu ernten. Denn das wird in diesem Jahr ohnehin schon sehr spät — und nach dem Spritzen müsse je nach Mittel etwa vier Wochen bis zum Dreschen gewartet werden.

Versuchsring Ostholstein
280 Mitglieder hat der vor etwa 60 Jahren gegründete Versuchsring Ostholstein. Der Verein lässt unabhängig von der Industrie in Friedrichsthal zu Düngung und Pflanzenschutz bei verschiedenen Raps- und Getreidesorten forschen. Partner ist die Nordische Universität Agrar GmbH.

Holger Marohn

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