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Lokales Ostholstein Die Vermessung des Schlossgartens
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20:51 19.09.2013
Vermessungstechniker Matthias Beier markiert einen Baum an der Freilichtbühne mit einem orangefarbenen Punkt. Quelle: Fotos: Peyronnet

Orangefarbene Punkte an den Bäumen der Lindenallee im Eutiner Schlossgarten schrecken derzeit Spaziergänger auf. Sollen die Bäume etwa gefällt werden? Mitnichten. Die Punkte, die sonst der Säge geweihten Bäumen aufgesprüht werden, sind nur eine Gedächtnisstütze für Liane Buhmann und Matthias Beier. Die beiden Vermessungstechniker des Vermessungsbüros Vogel und Uliczka aus Eutin vermessen zurzeit den Eutiner Schlossgarten. Die Bäume mit Punkt haben sie bereits eingemessen. Insgesamt werden es am Ende an die 1000 Bäume sein.

Drei Wochen dauern die Arbeiten. Buhmann und Beier vermessen alles, was im Schlossgarten steht: jeden Baum ab einem Stammdurchmesser von 20 Zentimetern, jedes Bauwerk, jeden Weg, jedes Gewässer, jeden Wasserlauf. Mit Tachymeter (Messinstrument für Winkel und Strecken) und Reflektor (wirft das Messsignal zum Tachymeter zurück) wird die genaue Lage der Objekte und ihr Abstand zueinander festgelegt. Am Ende kommt ein Plan für die Ewigkeit dabei heraus, sagt Garten- und Landschaftsarchitektin Kathrin Franz, deren Büro in Leipzig im Auftrag der Stiftung Schloss Eutin die Bestandsaufnahme des Schlossgartens vornimmt. „Es geht darum, eine Grundlage für zukünftige Planungen zu haben, nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Landesgartenschau“, sagt Franz. Natürlich gibt es schon viele Pläne des Schlossgartens, die ältesten stammen aus dem 18. Jahrhundert, die jüngsten sind etwa 15 Jahre alt. „Wir überlagern die Vermessung mit den älteren Plänen. Das passt nicht immer, denn damals wurde nicht so genau gemessen, wie es heute Vogel und Uliczka tun“, sagt Franz.

Es geht aber um mehr, als nur den Ist-Zustand zentimetergenau zu dokumentieren. Es geht auch darum, die ursprünglichen Strukturen des Schlossgartens wieder herauszuarbeiten. „Was ist historischer Bestand, was ist Wildwuchs, was später hinzugekommen?“, nennt Franz die Fragen, die die Bestandsaufnahme und die Vermessung beantworten sollen. „Das ist ein bisschen Detektivarbeit.“ Bei ihren Untersuchungen hat die Gartenarchitektin, deren Schwerpunkt die Gartendenkmalpflege ist, herausragenden Bewuchs im Schlossgarten festgestellt. „Es sind fantastische alte Gehölze in dem Park, das ist eine große Besonderheit.“ Etwa alte Eschen und Platanen, die aber nicht mehr so recht zur Geltung kommen, weil sie von anderen Bäumen bedrängt werden oder zugewachsen sind. Diese Raritäten wieder sichtbar zu machen, die alten Strukturen wieder herzustellen, ist eines der Ziele der Kartierung. Und insofern kommt doch irgendwann die Säge zum Einsatz. „Aber das hält sich in Grenzen. Das ist ganz normal bei der Parkpflege, das ist wie Unkraut jäten“, sagt Kathrin Franz.

Am Ende liefert das Büro Vogel und Uliczka einen dreidimensionalen Plan, sagt Inhaber Jens Vogel. Drei Messwerte — Strecke, Horizontal- und Vertikalwinkel werden zu einem sogenannten CAD-Plan zusammengefasst. Der beinhaltet sogar den Wasserstand in Bächen und Teichen. Bis der Plan fertig ist, werden auch die orangefarbenen Punkte an den Bäumen verblasst sein. Vermessungstechniker Beier versichert, dass die Farbe völlig unschädlich sei und bald von selbst wieder verschwinde. Noch aber tragen die Linden der prächtigen Allee alle noch den farbigen Punkt, der die Spaziergänger erschreckt.

Garten mit Geschichte

14 Hektar groß ist der Eutiner Schlossgarten.

1760 als Barockgarten auf den Resten eines Gartens aus dem Jahr 1500 angelegt, wurde der Schlossgarten ab 1766 zu einem Landschaftsgarten umgestaltet.
335 Meter lang ist die 1788 gepflanzte große Lindenallee.

Susanne Peyronnet

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