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Ostholstein „Die Welt ist nicht so ordentlich, wie wir alle denken“
Lokales Ostholstein „Die Welt ist nicht so ordentlich, wie wir alle denken“
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21:21 03.07.2013
Ein kleines bisschen höher — oder tiefer? Hans-Peter Klausberger und Wolfgang Schiller bereiten im Kultur-Café Klausberger auf zwei Stockwerken die Ausstellung vor. Fast wäre es zu zeitlichen Engpässen gekommen, die Planung verlaufe „just in time“, wie Schiller sagt. Quelle: Foto: Lintschnig

„Krieg. Kapitalismus. Kartoffelfäule. Ist die Bandscheibe an allem Schuld?“ — so heißt Wolfgang Schillers Fotoausstellung. Dass man sich daraus kaum eine Vorstellung davon machen kann, was den Betrachter erwartet, ist gewollt. „Die Welt ist nicht so ordentlich, wie wir alle denken. Die Welt ist unordentlich“, sagt der 57-Jährige. Das soll der Titel der Ausstellung verdeutlichen, die heute um 19.30 Uhr im Kultur-Café Klausberger am Eutiner Markt eröffnet wird.

Für Wolfgang Schiller ist seine Kamera auch eine Möglichkeit, „Dampf abzulassen“, der Außenwelt zu zeigen, was in ihm gärt. Krieg ist ein Thema von Schiller, der elf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde und durch Erzählungen seiner Eltern einen Eindruck vom Krieg und all seinen Schrecken gewann. Heute macht es das Mitglied im Eutiner Friedenskreis wütend, wenn Deutschland Panzer nach Saudi Arabien liefert oder wenn deutsche Soldaten in Kriegsgebiete entsandt werden. „Damals war es undenkbar, dass deutsche Soldaten wieder in Kriegen kämpfen werden. Heute ist es normal. Wir haben aus dem Zweiten Weltkrieg nichts gelernt“, sagt Schiller kopfschüttelnd. Seine Wut und seine eigenen Gewalterfahrungen will der Eutiner in seinen Bildern zeigen.

Schiller mag es nicht, seine Fotos am Computer lange zu bearbeiten. „Für das Fotografieren nehme ich mir viel Zeit, aber nicht für die Nachbearbeitung“, so Schiller, der seine Bilder schon im Ostholstein-Museum ausgestellt hat. Bei einigen Werken hat er vier Bilder übereinandergelegt, manche sind gar nicht bearbeitet, ein Bild wurde durch die Heckscheibe seines Autos aufgenommen.

Im Kultur-Café Klausberger stellt Schiller zum ersten Mal seine Fotografien aus, obwohl er schon seit etwa drei Jahren mit Hans-Peter Klausberger befreundet ist. „Man schaut immer nach Künstlern in Berlin und Hamburg — dabei ist das Gute doch so nah“, sagt der Geschäftsführer der Bäckerei Klausberger, der etwa vier Ausstellungen pro Jahr in seinem Kultur-Café veranstaltet.

Inspiriert ist Wolfgang Schiller vom Dadaismus, der künstlerischen Bewegung, die „die bürgerlichen Wertevorstellungen auf den Kopf stellt“, in der nichts geordnet ist oder auf den ersten Blick Sinn ergibt. Schließlich macht auch unser Wirtschaftssystem, der Kapitalismus, für Schiller kaum einen Sinn: „Wenn man die heutige Gesellschaft mit der von vor 50 Jahren vergleicht, leben wir heute im Schlaraffenland. Wie kann man da denken, dass wir immer weiter wachsen und immer mehr erreichen müssen?“, fragt sich Schiller.

Ob die Kartoffelfäule den begeisterten Gärtner ebenso wütend macht wie der Krieg, und ob die Bandscheibe wirklich an allem Schuld ist, können Besucher heute Abend in den Bildern oder im Gespräch mit dem Künstler erfahren.

Die Ausstellung ist bis zum 4. September zu sehen.

Erste Ausstellung 1995
Wolfgang Schiller wurde 1956 in Eutin geboren und hat sein Abitur an der Johann-Heinrich-Voß-Schule absolviert. Nach seinem Lehramtsstudium in Hamburg ist Schiller nach Malente gezogen, wo er als Sozialpädagoge gearbeitet hat. Erste Fotografie-Erfahrungen sammelte Schiller mit 16 Jahren, seine erste Ausstellung hatte er 1995 im Ostholstein-Museum, sie trug den Titel „Lichtblicke“. Mehr als 11 000 seiner Bilder stellt Schiller auf dem Internetportal www.flickr.com aus.

Hannes Lintschnig

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