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Ostholstein Die Wüste schweißt zusammen
Lokales Ostholstein Die Wüste schweißt zusammen
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21:33 21.09.2016
„Jungs von der Ostseeküste“, so die Aufklärer in Mali, bauen ihr Bodenüberwachungsradar auf. Mit dieser Technik gelingt es ihnen, eine sonst unüberschaubar große Fläche aufzuklären und somit Gefahren für die Bevölkerung und die eigenen Kameraden frühzeitig zu erkennen.

Der Mali-Einsatz der Eutiner Aufklärer neigt sich dem Ende zu. Bald kommen die ersten Soldaten zurück. Welchen Herausforderungen sie sich in dem afrikanischen Land stellen mussten, macht der folgende Bericht deutlich, den sie geschickt haben. Wir veröffentlichen ihn im Wortlaut:

Ein Spähwagen „Fennek“ aus Ostholstein in Mali. Quelle: Fotos: Hfr

Die brennend heiße Sonne sowie trockene, staubige Luft waren die ersten Eindrücke der Eutiner Soldaten, als sich die Flugzeugtür am internationalen Flughafen von Gao öffnete und sie ins Freie traten.

An das Wüstenklima und die glühende Hitze von bis zu 55 Grad haben sich die Frauen und Männer des Aufklärungsbataillons 6 in den folgenden Monaten gewöhnt, seitdem sie im Rahmen der Vereinten Nationen in Mali unterwegs sind. Sie gehören dem zweiten deutschen Einsatzkontingent „Asifu“ („all sources information fusion unit“) der Mission „Minusma“ an.

In Gao liegt das niederländisch geführte Camp Castor, in dem auch die Bundeswehrsoldaten untergebracht sind. Rund ein Viertel der aktuell 850 Camp-Bewohner gehören zum Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ aus Eutin. Insgesamt sind derzeit rund 500 deutsche Soldaten in Gao stationiert.

Zum Auftrag der Eutiner Kompanie gehört es, ein Bild der Lage zu liefern. Dass dieser Auftrag sehr fordernd ist und die von den Vereinten Nationen gestellten Ansprüche äußerst ambitioniert erscheinen, verdeutlicht nicht zuletzt der Einsatzraum der Kompanie. Er erstreckt sich in Nord-Süd-Ausdehnung über 1000 Kilometer und in Ost-West-Ausdehnung über 700 Kilometer. Damit ist er größer als die Bundesrepublik Deutschland.

Die Eutiner Soldaten sind im nordmalischen Gao jedoch nicht nur in der Aufklärungskompanie eingesetzt. So ist der Eutiner Kommandeur Oberstleutnant Alexander Radü der aktuelle Führer des deutschen Einsatzkontingents und damit der Vorgesetzte aller Bundeswehrsoldaten in Gao. „Für mich ist es Privileg und Ehre zugleich, die mir bereits in Eutin unterstellten Soldaten sowie alle weiteren Bundeswehrangehörigen hier im Auslandseinsatz führen zu dürfen“, berichtet Radü

und fügt hinzu: „Der Umstand, dass das Aufklärungsbataillon 6 die allererste deutsche Aufklärungskompanie überhaupt in Gao stellt, macht mich und uns alle dabei umso mehr stolz.“ Darüber hinaus findet man Eutiner Bataillonsangehörige auch bei der Unterstützungskompanie oder in der Instandsetzung.

Die Männer und Frauen im Feldlager Camp Castor sind ein verschworener Haufen, der gemeinsam anpackt und eine Einheit bildet. Dabei ist es egal, ob es sich um Eutiner oder Hagenower handelt, ob Aufklärer oder Logistiker, ob Deutsche oder Niederländer. Die widrigen Rahmenbedingungen tragen dazu bei, dass sich die Soldaten als Schicksalsgemeinschaft verstehen, die nur gemeinsam stark ist. Temperaturen von über 45 Grad tagsüber und über 30 Grad nachts sind die Regel, unterbrochen durch kurzfristig auftretende Sandstürme. In der jetzt herrschenden Regensaison kann es zu Schauern kommen, die wegen ihrer Intensität, aber auch aufgrund des trockenen Bodens zu wahren Fluten innerhalb und außerhalb des Feldlagers führen können. Hinzu kommen Schlangen, Skorpione und anderes Getier, mit dem man sich das Feldlager teilen muss.

Der Pioniergeist und das noch ungewohnte Einsatzgebiet führen dazu, dass die Männer und Frauen des Camp Castor nationenübergreifend eng zusammenarbeiten und sich als Teil eines größeren Ganzen verstehen. Am Ende des Tages, wenn die Soldaten das Erlebte Revue passieren lassen, überwiegt täglich der Stolz darüber, Dinge geleistet und vollbracht zu haben, von denen andere noch in der Zukunft profitieren können. Und wenn man dann noch ein Paket aus der Heimat, beispielsweise gestiftet von der Kameradschaft des Aufklärungsbataillons 6 aus Eutin, in den Händen hält, dann wähnt man sich doch wieder fast im schönen Ostholstein.

Die Gefahr fährt mit

Im April gingen die ersten Soldaten aus Eutin mit Bataillonskommandeur Alexander Radü an der Spitze nach Mali. Dass der Einsatz nicht ungefährlich ist, erlebten die Aufklärer Anfang Juli, als eine Patrouille bei einem Halt nördlich von Gao beschossen wurde. Zum Glück ging der Vorfall glimpflich aus. Weder wurden Soldaten verwundet noch Fahrzeuge beschädigt.

pao/minusma/gao

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