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Ostholstein Die große Leere im Fischereihafen
Lokales Ostholstein Die große Leere im Fischereihafen
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20:46 29.09.2017
Als dieses Plakat bei Baltic Kölln in Heiligenhafen aufgehängt wurde, bestand noch Hoffnung, das Verbot zu verhindern. Quelle: Fotos: Mantik (3)
Heiligenhafen

Tristesse herrscht gestern Morgen im Fischereihafen in Heiligenhafen. Ein Kapitän berichtet, dass er seit sechs Uhr in der Früh am Hafen sei, aber keine Kunden gekommen seien. Um kurz nach 9 Uhr

Katerstimmung im Hafen: Das Angelverbot im Fehmarnbelt ist auf Fehmarn wie auch in Heiligenhafen das Thema überhaupt. In der Warderstadt blieben schon am Freitag die Gäste aus, fuhren nur zwei von fünf Kuttern raus. Kommenden Montag gibt es eine Krisensitzung.

„Wir müssen wieder in die Köpfe reinkriegen, dass wir weiter rausfahren. Es wird ja weiter geangelt.Thomas Deutsch

MS Einigkeit

verlässt er seinen Kutter. Früher sei der Freitag immer ein sehr guter Tag mit vielen Kunden gewesen. Statt auf Dorsch gehe er künftig mit seinen Freizeitanglern nun auf Plattfische. „Wir grasen die Sandbänke ab.“ Was solle er auch anderes tun?

Thomas Deutsch ist mit seiner „MS Einigkeit“ gestern auf der Ostsee. „Früher sind wir bis zehn Personen erst gar nicht rausgefahren, heute starte ich auch, wenn nur vier Gäste an Bord kommen“, sagt er. Gestern sind es immerhin derer zwölf. Am kommenden Montag werde bei einer Krisensitzung in Oldenburg das weitere Vorgehen in dieser Angelegenheit besprochen. Auch, ob es Sinn macht, juristischen Beistand einzuschalten. Deutsch: „In den Köpfen der Menschen steht: Angeln ist verboten.“ Dabei stimme dies ja nicht. Nur der Fehmarnbelt entfalle. Es sei die Aufgabe der Stunde, den Kunden dies zu verdeutlichen.

Betroffen sind aber nicht allein die Kuttereigner, sondern auch Angelgeschäfte, Gastronomen und Vermieter. Heiligenhafens Touristikleiter Manfred Wohnrade erklärt: „Wir müssen jetzt Antworten finden.

Welche Mittel müssen ergriffen werden, um gegen die Verordnung rechtlich vorzugehen? Wie können wir jetzt den Betrieben helfen, um das endgültige Aus zu verhindern?“

Rund zehn Prozent des touristischen Umsatzes in Heiligenhafen resultiere aus dem Angeltourismus. Familienbetriebe mit mehr als 30 Arbeitsplätzen seien in ihrer Existenz bedroht. Ähnliches Bild bei den Angelbedarfsläden. Harald Rebischke von „ASC Heiligenhafen“ sagt: „Allein das aktuelle Jahr hat es auf verschiedensten Ebenen in sich.“ Er zählt auf: Neben dem Verbot im Fehmarnbelt gebe es das Bag-Limit für Dorsch und Verbot des Vater-Kind-Angelns auf Seebrücken. In Großenbrode gebe es keinen Ganzjahreshafen mehr für Sportboote, damit Wasservögel Ruhezonen haben. Geplant sei zudem von der EU in Brüssel ein Aalangelverbot. Deutschlandweit gebe es weitere Repressalien gegen Angler wie das Nachtangelverbot, da die Fische laut Nabu schlafen müssten. Rebischke: „Wenn wir als Beispiel die 2500 Tonnen Dorsch nicht aus der Ostsee holen dürfen, muss das Eiweiß anders ersetzt werden.“ Wie über Schweinefarmen, die viel Gülle produzierten.

Im Kreistag kündigte der stellvertretende Landrat Timo Gaarz (CDU) an: „Wir müssen weiterhin eine kraftvolle Allianz schmieden, die diesen kalkulierten Wahnsinn rückgängig macht.“ Der parlamentarische Druck müsse aufgebaut werden, insbesondere im Interesse der Menschen vor Ort, die ihre beruflichen Existenzen verlieren.

Offensichtlich gibt es aber nicht nur Gegner der Verbotszone. Fehmarns Grünen-Politikerin Christiane Stodt-Kirchholtes sagte in der Stadtvertretung auf Fehmarn: „Statt sich zu freuen, dass die Natur rund um die Insel geschützt wird, protestiert man wegen ein paar Hobbyanglern, die in ihrem Fang eingeschränkt werden.“

Über solche Aussagen schütteln die Kuttereigner in Heiligenhafen und auf Fehmarn nur den Kopf. Thomas Deutsch beschreibt die aktuelle Stimmung in seiner Branche wie folgt: „Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit und große Verärgerung.“

Peter Mantik

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