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Die letzte Ruhestätte der Stinde-Schwestern

Lensahn Die letzte Ruhestätte der Stinde-Schwestern

Vor 100 Jahren wurde die Asche von Sophie Stinde in das Grab ihres Vaters gesenkt – Dort ruht auch die Asche von Conradine Stinde.

Lensahn. Der Betrachter des „Familiengrabes“ der Stindes auf dem Lensahner Friedhof sieht sich fünf schlichten Eisenkreuzen und einem kleinen Feldstein gegenüber. Drei Kreuze stehen für den Lensahner Pastor und Kirchenpropst Conrad Georg Stinde (1805-1881), seine erste Ehefrau Holdy Anna geb. Gardthausen (1811-1848) und seine zweite, in Koselau geborene Ehefrau Bertha geb. Horn (1817-1904). Die beiden anderen Kreuze sind aufgestellt für den 1846 in Lensahn geborenen, in jenem Jahr auch verstorbenen Sohn Constantin und für den 1844 in Kirchnüchel geborenen, 1860 in Kopenhagen verstorbenen Sohn Conrad Ernst Sophus. Die schwer lesbare Schrift auf dem Feldstein weist auf den hier ruhenden, in Kirchnüchel geborenen Sohn und Schriftsteller Julius (Ernst Wilhelm) Stinde (1841-1905) hin, dessen 175. Geburtstag am heutigen Sonntag ist.

 

LN-Bild

Ein Bildnis von Conradine Stinde.

Quelle:

Nichts am „Stinde-Grab“ deutet darauf hin, dass die Asche von zwei Töchtern der zweiten Ehe des Pastors, die der Kunstmalerin, Theosophin und Anthroposophin Sophie Maria Nicoline Stinde (1853-1915) und der Schriftstellerin Conradine Henriette Charlotte Stinde (1856-1925), ebenfalls auf dem Friedhof eingesenkt worden ist. Und doch verhält es sich so.

Nach demTod von Sophie Stinde am 17. November 1915 in München und der Feuerbestattung am 22. November versandte das Krematorium die Asche an die bisherige Lebensgefährtin von Sophie, Gräfin Pauline von Kalckreuth (1856-1929), ebenfalls Kunstmalerin und in München Vorsitzende des theosophischen/anthroposophischen Zweiges im Sinne der spirituellen Weltanschauung von Rudolf Steiner (1861-1925).

Sophies Schwester Conradine, die seit 1904 in Berlin lebte, war nicht einverstanden, dass „die Asche irgendwo in der Welt umherwandert“. Conradine forderte die Gräfin im Februar 1916 brieflich auf, ihr unverzüglich mitzuteilen, „wo die Asche sich befindet, da ich sie nach Lensahn in das Grab des Vaters überführen will“. Pauline von Kalckreuth bat Rudolf Steiner um Rat. „Im schlimmsten Fall muss ich die Asche selbst nach Lensahn bringen.“ Steiner wird ihr dazu geraten haben, denn nach ihm „bilden die irdischen Reste eines Menschen mit der ganzen Erde ein Ganzes, und es ist uns bei einem treuen Zugehörigen mit Bezug auf diesen Ort jede Stelle auf der Erde im Grunde genommen gleich nahe.“

Im Mai 1916 reiste Conradine Stinde nach München, ordnete Sophies Nachlass und wollte „gleich nach Pfingsten die Asche unserer geliebten Freundin in Lensahn in Holstein in das Grab senken.“

Gräfin von Kalckreuth fuhr im Juni 1916 – mit dem Zug – nach Lensahn, trug in einem „kleinen Holzschrein von unlackiertem Eichenholz“ Sophies Asche mit sich und stieg im Hotel Reimers ab. Am 14.

Juni 1916 – vor hundert Jahren –, an einem Mittwochnachmittag um 14 Uhr, soll Sophies Asche in das Grab des Vaters gegeben worden sein. Die Gräfin habe den Schrein bis zum Grabe tragen und allein einsenken dürfen; nur Conradine sei noch zugegen gewesen und Pastor Hermann Meyer (1850-1935), der anfangs den Konfirmationsspruch erwähnt habe: „Der Herr ist mein Hirte.“ Die Gräfin habe gegen Ende der Feier die Worte gesprochen: „Unersetzlich bist du uns in unseren Erdenreihen.“ So schildert es Andrea Hitsch unter Wiedergabe von Passagen aus im Einzelnen nicht näher benannten Briefen Pauline von Kalckreuths in ihrem 2015 erschienenen Buch „Im Zeichen der Weisheit. Zu Sophie Stindes Leben und künstlerischem Werk (1853-1915)“.

Im Beerdigungsregister der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde zu Lensahn für die Jahre 1916-1937 (VIII, S. 7/8) ist ein Begräbnis der Urne allerdings nicht verzeichnet. Hat Pastor Meyer – gegen dessen Wahl als Nachfolger ihres Vaters sich Sophie Stinde im Brief an ihren Halbbruder Julius vom 15. Dezember 1881 ausgesprochen hatte („Meyer will man durchaus nicht.“) – den Eintrag versäumt? Oder wurde eine kirchliche Amtshandlung im eigentlichen Sinn nicht vorgenommen?

Bezüglich des Begräbnisses von Conradine Stinde gilt anderes. Die Urne der im Januar 1925 in Berlin verstorbenen und eingeäscherten Schriftstellerin wurde am 25. Juni 1925 in das väterliche Grab in Lensahn eingesenkt (Nr. 23 des Beerdigungsregisters, S. 223/224). Hans- Peter Adamsen, in Lensahn Pastor von 1921 bis 1926, vermerkte als Amtshandlung „Rede am Grabe“.

*Gastbeitrag von Dr. Harald Klückmann. Klückmann ist pensionierter Jurist, war zuletzt Vorsitzender Richter am Landessozialgericht in Hamburg. Er hat familiäre Wurzeln in Lensahn.

Dr. Harald Klückmann

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