Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Die seltenen Ponys aus dem Norden
Lokales Ostholstein Die seltenen Ponys aus dem Norden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:54 25.08.2016
 In der Roten Liste der GEH fallen die Lehmkuhlener Ponys in die Kategorie I: „extrem gefährdet“.  Quelle: Fotos: S. Latzel

Hübsch, kräftig, freundlich, von adliger Herkunft und ein überaus seltener Vertreter seiner Art – das ist „Kurt“. Genauer: „Baron Kurt“, beheimatet in Dakendorf (Gemeinde Ahrensbök) und ein Lehmkuhlener Ponyhengst. Der einzige noch verbliebene reinrassige Lehmkuhlener Ponyhengst, sagt seine Besitzerin Anna Wegener, die sich dafür einsetzt, dass sich genau das ändert. Auf ihrem von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) zertifizierten Arche-Hof Birkeneck züchtet sie die Rasse, die die Interessengemeinschaft (IG) zum Erhalt des Lehmkuhlener Ponys das „nationale Kinderreitpony Schleswig-Holsteins“ nennt.

Zur Galerie
„Baron Kurt“ ist der einzige verbliebene Hengst für die Zucht in Dakendorf und deshalb natürlich besonders wertvoll.

Ein Lob, das „Balu“, „Stine“, „Sunny“, „Stella“ und „Sophie“ offenbar zu Recht verdienen. Entspannt lassen sich die Stuten von Marie, Jule, Sandy und Hannah, 13 bis 17 Jahre alt, auf der Koppel des Hofes striegeln, satteln und reiten, während Fohlen „Samira“ ungestüm zwischen ihnen umher springt. Der drei Monate junge Nachwuchs ist dunkelbraun bis schwarz, mit einer weißen Blesse.

Unter den Lehmkuhlener Ponys gibt es aber auch Graue, Füchse und Schecken. 25 Tiere mit einem „Lehmkuhlener“ Blutanteil von 50 Prozent oder mehr existierten noch, sagt Anna Wegener, „und die meisten davon werden in Schleswig-Holstein gehalten“.

Dort hat die Rasse auch ihren Ursprung: Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Baronin von Donner auf dem Gut Lehmkuhlen bei Preetz die Zucht mit Stammvater „Marquis Ito“. Das Lehmkuhlener Pony entstand aus den Rassen Westmoreland-, Fell-, Dartmoor- und Rum-Pony sowie dem Dülmener Wildpferd. Zunächst züchtete die Baronin die Tiere als Reitponys für ihre Kinder, später verschenkte sie die Lehmkuhlener auch an befreundete Adelsfamilien. „Es war immer eine kleine Rasse“, erklärt Anna Wegener, aber bis zu 80 Ponys soll es gegeben haben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gut jedoch verkauft, und die Ponys wurden in ganz Deutschland verteilt. In der Roten Liste der GEH fallen die Lehmkuhlener Ponys in die Kategorie I: „extrem gefährdet“. Dabei wäre es wirklich schade, wenn diese Rasse aussterben würde – Anna Wegener kann diverse positive Eigenschaften der Ponys, deren Stockmaß bei etwa 1,35 Metern liegt, aufzählen:

„Sie sind kräftig und kompakt wie ein kleines Reitpferd, und können auch Erwachsene bis 60 Kilo Gewicht tragen. Sie sind wesensfest und charakterstark, lernfähig, arbeitssam und kinderfreundlich.“

Wie aber können sich die Lehmkuhlener Ponys retten lassen? Laut dem Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg gelten sie bereits als ausgestorben, weil der Haupt-Züchter sie einst aus finanziellen Gründen abgemeldet habe, berichtet die Betreiberin des Arche-Hofes. Anna Wegener und ihre Mitstreiter von der IG setzen sich derzeit für die Anerkennung der Rasse durch den Zuchtverband für deutsche Pferde ein. Sie wollen die Ponys bei Schauen und Veranstaltungen präsentieren und so für sie werben, und sie wollen verschollene Tiere finden, um diese für die Weiterzucht zu nutzen.

Anna Wegener hat ihre Ponys einst nach dem Tod eines Züchters aus Niederkleveez übernommen. Die Zucht sei ein „Vabanquespiel“, meint sie. Künstliche Besamung komme nicht in Frage, weil die Spermagewinnung teuer und für die Tiere sehr stressig sei. Hengst „Kurt“ dürfe nichts passieren, erklärt sie, und er müsse so viel wie möglich decken: „Wir müssen es einfach versuchen.“

„Das Pony zwischen den Meeren“

Quadratisch, praktisch und vielseitig: So wird „das Pony zwischen den Meeren“ von der IG zur Erhaltung des Lehmkuhlener Ponys beschrieben.

Es sei ein ideales Reitpony für Kinder, heißt es auf der Internet-Seite der IG: robust, gutmütig und nervenstark, mit elegantem Auftreten und ausgezeichneten Springanlagen.

Lehmkuhlener Ponys wurden zudem einst in der Landwirtschaft und sogar als Zirkuspferde eingesetzt und eignen sich auch als Kutschpferde.

• Viele weitere Informationen über diese besonderen Tiere finden sich im Internet unter dem Link

https://sites.google.com/site/

iglehmkuhlenerpony

 Sabine Latzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zum 23. Mal finden die „Fehmarn-Days of American Bikes“ statt.

24.08.2016

Angebote für alle Altersgruppen: Drei neue Kurse starten im September beim Oldenburger Sportverein (OSV).

24.08.2016

Uneinigkeiten zwischen Mitgliedern sind zu groß – Bisheriger Vorsitzender will Sitz in der Stadtverordnetenversammlung behalten und kündigt nachhaltige Entwicklung an.

24.08.2016
Anzeige