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Ostholstein Die tierischen Dauergäste
Lokales Ostholstein Die tierischen Dauergäste
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18:38 21.10.2013
Anke Barsuhn beobachtet „Hanni“ den Waschbären, wie er sich ganz lang macht.  Quelle: Sebastian Rosenkötter
Stolpe

In Stolpe (Gemeinde Altenkrempe) werden seit 1999 hauptsächlich Katzen betreut. Aber auch Nagetiere und das ein oder andere Wildtier finden den Weg auf das Gelände von Anna Gomberg, der Vorsitzenden des Vereins. Ziel ist es, die Tiere aufzupäppeln und sie dann neu zu vermitteln – an Menschen, die sich gut kümmern.Doch manche der Gäste werden zu Bewohnern und bleiben lange, manchmal für immer. Es gibt Enten, die nicht mehr fliegen können, Kaninchen, die nicht in den Backofen sollen und Waschbären, die nicht ausgewildert werden dürfen. Das sind nur einige der Dauerbewohner der Tierhilfe. Die LN sprachen mit Anna Gomberg über die verletzten und schwer vermittelbaren Tiere, erfuhren von ungewöhnlichen Liebschaften zwischen einer Schildkröte und von der streitsüchtigen „Angela M.“. ser

Wilde Waschbären fast zahm

„Georgina“ und „Hanni“ sollten eigentlich schon längst an eine Wildtierstation abgegeben werden. Doch bislang wurde daraus nichts. Deshalb teilen sich die beiden jungen Waschbären einen geräumigen Käfig. Ähnlich wie Affen benötigen sie viel Beschäftigung. „Ich schneide zum Beispiel ein Loch in den Deckel eines Eimers und hänge diesen unters Dach. Dann sind die beiden stundenlang beschäftigt, Essen aus dem Eimer zu holen“, erklärt Mitarbeiterin Anke Barsuhn. Auswildern darf man die beiden übrigens nicht. Es sind Exoten und bei denen verbietet dies der Gesetzgeber. Somit müssen „Georgina“ und „Hanni“ erstmal bleiben. Um ihnen die Wartezeit so angenehm wie möglich zu gestalten, gibt es leckeres Bananenmus und Streicheleinheiten.

Vor dem Backofen gerettet

„Hänsel“ und „Gretel“ – so heißen die zwei Deutschen Riesen, die seit dem Frühjahr über das Gelände der Tierhilfe hoppeln. Die beiden sind Schlachtkaninchen, die oft mehr als sieben Kilogramm wiegen. „Sie kommen aus einem Privathaushalt. Wenn wir sie abgeben, besteht die Gefahr, dass sie doch noch geschlachtet werden. Deshalb bleiben sie bis zu ihrem Lebensende hier“, sagt Gomberg.

Die Schildkröte, die Schuhe liebt

„Julius“ ist einer von zwei Schildkrötenmännern. Gemeinsam mit vier Weibchen leben die beiden bei der Tierhilfe. „Er ist der Ferrari unter den Schildkröten. Wenn er bunte Schuhe sieht, will er hinterher. Er verwechselt sie mit einer Schildkrötenfrau“, sagt Anna Gomberg über den liebestollen „Julius“. Zu essen bekommen die griechischen Landschildkröten Bananen und Salat.

Verwilderte Stubentiger

Drei Katzen leben auf dem Gelände der Tierhilfe. Es sind „Sissi“, „Brüderchen“ und „Tine“. Sie sind seit Jahren da, werden gefüttert, geimpft und entwurmt. „Sie gehören zu uns, lassen sich aber nicht mehr vermitteln. Die sind schon alt und wollen auch nicht gerne angefasst werden. Sie sind etwas verwildert“, sagt Gomberg. Trotzdem hat sie die Vierbeiner lieb gewonnen. Sie dürfen sogar ins Haus hinein und sich ein gemütliches Plätzchen suchen – und „Tine“ lässt sich neuerdings sogar streicheln.

Fluglahm nach Verkehrsunfall

Zwei Enten leben in Stolpe. Beide sind flugunfähig, wären in freier Wildbahn eine leichte Beute für Füchse und Hunde. Die eine Ente wurde vor rund sieben Jahren verletzt auf einer Fahrbahn gefunden, die andere 2010 angefahren und von den Autofahrern zur Tiefhilfe gebracht. Zu fressen bekommen die beiden meist Weizen und Weißbrot.

„Hannes“ und seine Frauen

Die Polizei brachte zwei der drei Hühner zur Tierhilfe. Sie sollten eigentlich in den Suppentopf. Jetzt leben sie mit Hahn „Hannes“ zusammen. Auch sie gehören zu den Dauerbewohnern der Anlage und werden nicht mehr abgegeben. Ihre Miete zahlen sie in Form von Eiern. Und manchmal werden sie mit Krabben, Reis oder Nudeln verwöhnt.

Die streitsüchtige Gans „Angela M.

Seit dem Winter lebt Kanadagans „Angela M.“ bei der Tiefhilfe. Das Tier hat kaputte Flügel und wird nie wieder fliegen können. Anna Gomberg beschreibt sie als unsozial und streitsüchtig. „Sie zupft anderen im Vorbeigehen an den Federn“, so Gomberg.Doch „Angela M.“ kann auch anders. Im Mai 2013 bekam sie eine kleine Graugans als Mitbewohnerin. Diese könnte sich in diesen Tagen eigentlich mit ihren in freier Wildbahn lebenden Artgenossen auf in den Süden machen. Doch die Gans denkt nicht daran. Sie hat sich in „Angela M.“ verliebt. Die beiden kuscheln oft miteinander. 

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