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Ostholstein Die zwei von der Tankstelle gehen in den Ruhestand
Lokales Ostholstein Die zwei von der Tankstelle gehen in den Ruhestand
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02:25 03.01.2013
Bosaus Zentrum verändert sich: Gustav Harm und seine Frau Renate schließen die einzige Tankstelle. Quelle: sas

Eine Ära geht zu Ende: Gustav „Guschi“ Harm (69) und Ehefrau Renate, Besitzer der Bosauer Tankstelle, gehen in den Ruhestand. Damit verschwindet im Ort Bosau zugleich die Hermes-Paketannahme. Und ob er den Fahrradverleih weiterführt, entscheidet Guschi Harm erst, wenn er weiß, wie ihm das Rentnerleben schmeckt.

Mit dem Ende der Tankstelle verliert der Ort nicht nur den Benzinverkauf. Guschi: Der Name ist Synonym für die inoffizielle Tourismuszentrale, für Hilfe in fast allen Lebenslagen und für einen Ort, an dem alle Informationen zusammenlaufen. Bis heute hilft Harm älteren Bosauern beim Ausfüllen von Formularen, und wer jemanden im Ort sucht, ist noch nie ohne Antwort aus der Tankstelle gekommen.

„Für die meisten Probleme, Fragen und Sorgen gab es für mich in all den Jahren einen Satz, der stets weiterhalf: ,Fragen Sie doch mal bei unserem Guschi an der Tankstelle‘“, sagt Sven Sacknieß, der Vorsitzende des Bosauer Tourismusvereins. „Diese Anlaufstelle wird uns und unseren Touristen fehlen.“

Denn nun ist Schluss. Kein Sprit mehr in Bosau, keine Informationen, kein Paketdienst. „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ hat sich Guschi Harm entschlossen, die Tankstelle zum Jahreswechsel zu schließen. 60 Jahre stand sie mitten in Bosau. Angefangen hatte alles 1952, als Gustav Harm senior die erste, noch mit einer Handpumpe versehene Zapfsäule vor seinem Haus aufstellte (Benzinpreis damals: 56 Pfennig).

Gelernt hatte Gustav Harm den Beruf des Schuhmachers, so wie sein Vater auch. Im Hause Harm richtete der Senior eine Schuhmacherwerkstatt und einen Schuhladen ein. 1940 übernahm er im Nebenerwerb die Postfiliale von Bosau. 1952 hatte ein Freund des alten Harm die Idee, eine Tankstelle zu bauen, wurde dann aber von Mercedes nach Süddeutschland abgeworben und überredete Guschi Harms Vater, an seiner Stelle das Geschäft mit dem Treibstoff aufzunehmen. „Am 2. Januar 1952 kam ein Lastwagen von Gasolin und brachte Fässer mit Benzin, eine Fasspumpe, einen Zehn-Liter- Messeimer und eine Mischkanne für Zweitaktergemisch“, erinnert sich Guschi Harm. Wenig später wurde die Tankstelle modernisiert, nun gab es ein Gestell, auf dem das Fass stand, und zwei Fünf-Liter- Messgläser. 1954 bekam die Tankstelle ein Dach, die ersten runden Tanksäulen wurden aufgebaut und die Schuhmacherei aufgegeben. Es blieben Tank- und Poststelle. Der junge Guschi Harm hatte seine Lehre als Radio- und Fernsehtechniker absolviert und wollte zum Bund gehen. Doch dann wurde sein Vater erwerbsunfähig, Guschi übernahm Tankstelle und Post. Bis 2004 war er Mitarbeiter der Post. Anfang der 70er Jahre (Spritpreis: 58 Pfennig) kam der Fahrradverleih hinzu. Dank des Gehaltes und der Rente der Post konnte Guschi Harm die Tankstelle bis heute betreiben. Einen Nachfolger würde sie nicht ernähren. Es gibt jedoch einen Interessenten, der eine Tankstelle in Hutzfeld eröffnen möchte.

In diesen Tagen beginnt der Rückbau. Am Ende soll der Vorplatz des Harmschen Hauses wieder Garten werden.

Susanne Peyronnet

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