Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Diebesbanden haben es auf Außenborder abgesehen
Lokales Ostholstein Diebesbanden haben es auf Außenborder abgesehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:40 11.10.2016
In gut ausgeleuchteten Yachthäfen wie hier in Burgstaaken passiert relativ wenig. Dort ist das Risiko für Langfinger, entdeckt zu werden, zu groß. Quelle: Fotos: Schwennsen, Ln-Archiv
Anzeige
Fehmarn/Großenbrode

Viele tauchen später im osteuropäischen Raum auf. Besonders Fehmarn, aber auch Großenbrode sind in jüngster Zeit betroffen. Wie stark die Diebstahls- Delikte zunehmen, darüber schweigt sich die Polizei aus. Ihre Ermittlungen laufen.

Skipper in Sorge – Anstieg gegenüber den Vorjahren – Aktuelle Zahlen hält die Polizei noch unter Verschluss – Spezielle Tipps für Bootseigner.

Aktuelle Zahlen bleiben derzeit noch unter Verschluss – „es ist aber ein Anstieg gegenüber den Vorjahren zu verzeichnen“, lässt Polizeisprecher Stefan Muhtz durchblicken. Mit welchen Maßnahmen Polizei und Wasserschutzpolizei auf die Diebstähle reagieren, will er nicht verraten: „Die Polizei legt grundsätzlich nicht ihre ermittlungstaktischen Maßnahmen dar.“

Empfehlungen, wie Eigner sich gegen die Diebesbanden schützen können, gibt Muhtz dagegen schon: „Überwiegend werden die Motoren von aufgetrailerten Booten an Land abgeschraubt und entwendet. Die Bootslagerplätze sollten nicht abgelegen und dunkel sein. Ortungssysteme, sogenannte GPS-Tracker, sind heutzutage klein und unauffällig anzubringen und verhältnismäßig günstig. Sie helfen bei der Suche.“ Muhtz weiter: „Wichtig ist, dass Bootsbesitzer die motorspezifischen Daten mitteilen können, um diese in die polizeilichen Fahndungssysteme einstellen zu können. Eine Abschraub-Sicherung verhindert zudem möglicherweise einen Diebstahl. Ein günstiger und ein probater Vorschlag ist zum Beispiel die Sicherung mit Torx-Gewindeschrauben. Nachdem diese angezogen wurden, bohrt man den Schraubkopf innen leicht auf, so dass ein Werkzeug nicht mehr zum Lösen der Schrauben genutzt werden kann. Zudem sichert man gegenläufig die Metallmutter mit einem Schweißpunkt.“

Bootsmotoren-Diebstähle hat es entlang der Küste schon immer gegeben. Der Hamburger Yachtversicherungs-Spezialist Pantaenius bestätigt: Jedes Jahr werden in Deutschland 1000 bis 1300 Außenbordmotoren als gestohlen gemeldet – und beruft sich auf eine Auswertung der Wasserschutzpolizei.

Gemeinsam hat man daher seit 2002 erfolgreich Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Außenborder und anderes Bootszubehör wurden durch eine eingravierte Nummer gekennzeichnet und registriert. Das half dann bei der Identifizierung aufgefundener Beute und erschwerte einen Verkauf des Diebesgutes.

Die Einschätzung von Pantaenius: „Es zeigte sich, dass diese Aktion einen präventiven Charakter hatte. Denn die Gravuraktion sprach sich in Diebeskreisen herum, und diese ließen die Finger von markierten Gegenständen.“

Doch ausgerechnet in Schleswig-Holstein ist die erfolgreiche Gravuraktion nach 13 Jahren Ende 2015 eingestellt worden. Sie fiel der Neuausrichtung der Wasserschutzpolizei mit erheblichem Personalabbau zum Opfer. Sehr zum Bedauern der Skipper und Versicherer. „Soll die Polizei nicht auch Straftaten verhindern?“ empört sich ein Bootseigentümer. Schriftlich vertröstete die Wapo ihn auf Pantaenius als Mitinitiator der bundesweiten Gravuraktion: „Von dort erhalten sie Informationen, in welchen Bundesländern die Gravuraktionen weiterhin durchgeführt werden.“ Zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern, dem nächsten touristischen Konkurrenten Schleswig-Holsteins. . .

Das hat sich letztlich herumgesprochen – unter den Skippern, aber auch bei potenziellen Diebesbanden. Die Folge: Sie schlagen wieder verstärkt zu. Vor allem abseits der großen Yachthäfen. In einschlägigen Internetforen findet bereits ein reger Austausch statt. Genannt werden mehrere Delikte auf dem Campingplatz in Klausdorf oder bei Katharinenhof im Inselosten, ebenso am Sund bei Westerbergen sowie in Großenbrode. „Die Banden ziehen meist von Revier zu Revier und sind selten dingfest zu machen“, schimpft ein Betroffener.

Je einsamer die Küste, desto verlockender für die Langfinger. „Die kommen über den Seeweg und schrauben alles ab, was nicht dingfest ist“, heißt es. Der Schaden geht oft in die Tausende – denn beim Diebstahl entstehen meist zusätzliche erhebliche Schäden. Mitunter sogar am Diebesgut, das hinterher „fachmännisch“ in Osteuropa wieder „zusammengebastelt“ wird.

 Gerd-J. Schwennsen und Louis Gäbler

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige